László József BíróDer Mann, der den Kugelschreiber erfand

Der 10. Juni sollte ein Feiertag für Schriftsteller, Journalisten und Beamte sein, László J. Bíró ihr Schutzpatron: Vor 70 Jahren erhielt er das Patent auf den Kuli. von 

Erfinder Kugelschreiber

Dieses Foto zeigt László József Bíró um 1976 in Argentinien. Erst von dort aus ging der Kugelschreiber, den er erfand, um die Welt.  |  Public Domain

Hat mal jemand einen Kuli? Was wären wir ohne dieses schlichte, preiswerte Schreibgerät – beruflich Schreibende ebenso wie alle, die schnell die Telefonnummer einer neuen Flirt-Bekanntschaft notieren, das Nummernschild des flüchtigen Parkplatzremplers oder die Eckdaten der Traumwohnung im Schaufenster der Bankfiliale. Bis zur Allgegenwart der Smartphones mit ihren Aufzeichnungsmöglichkeiten in Bild, Ton und Schrift war der Kugelschreiber eine unersetzliche Gedächtnisstütze.

Versetzen wir uns ins frühe 20. Jahrhundert. Immerhin hat der Füllfederhalter die kratzende Gänsefeder als Instrument zum sinnträchtigen Applizieren von Tinte auf Papier ersetzt. Am Schreibtisch erfüllt er seinen Zweck, wenn Löschpapier parat ist, um überschüssige Tinte aufzusaugen, ein Fässchen zum Nachfüllen und am besten ein Waschbecken zum Entfernen dessen, was auf den Fingern landet.

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Unterwegs ist der Kleckser eher ein Ärgernis, vor allem, wenn er in der Brusttasche des blütenweißen Hemdes ausläuft. Bleistifte sind keine rechte Alternative; sie müssen oft gespitzt werden, und wohin dann mit dem Dreck? Das muss anders gehen, denkt sich der ungarische Journalist László József Bíró Anfang der 1930er Jahre. Er ist Chefredakteur der Kunstzeitschrift Hongrie-Magyarország-Hungary und schreibt später für die Wochenzeitung Előre ("Vowärts").

Die Idee für den Stift, der mit zähflüssiger Tinte schreibt, hat Bíró wohl, als er in der Druckerei die Rotationswalzen betrachtet. Wie der Zylinder in der Druckmaschine soll am Ende eines mit Tinte gefüllten Rohres eine Kugel die Schreibflüssigkeit gleichmäßig verteilen.

Rennfahrer, Hypnotiseur und Erfinder

In anderen Geschichten heißt es, Klassenkameraden hätten die Zöpfe der Tochter Bírós in ein Tintenfass getunkt. Oder er habe beobachtet, wie die kleine Marina Murmeln durch eine Pfütze rollen ließ, die dann eine gut sichtbare Wasserspur hinterließen. Wie dem auch sei: Bírós Erfindungsgeist kommt nicht von ungefähr. Schon sein Vater Mátyás Bíró hatte Geräte für die eigene Zahnarztpraxis entwickelt – die Patienten konnten sich gegen die Bohrer Marke Eigenbau ja nicht wehren.

Bíró Junior, Jahrgang 1899, bricht ein Medizinstudium ab, schlägt sich als Büroangestellter und Versicherungsmakler durch. Er befasst sich mit Malerei und Hypnose und fährt Autorennen. Hier schlägt das Erfinder-Gen durch: Bíró entwickelt 1932 mit einem Freund ein Automatikgetriebe. Das Patent verkauft er an General Motors, doch die Firma setzt die Pläne nie um – sie will nur Konkurrenz für ihre eigenen Hydraulikgetriebe verhindern.

Bíró ist nicht der erste, der die Idee mit dem Kugelschreiber hat. Angeblich gibt es schon von Galileo Galilei entsprechende Skizzen, die viele Quellen erwähnen, aber nie zeigen. Ein Kugel-Schreibgerät zum Markieren von Leder erhält 1888 ein Patent. Es folgen etliche weitere Versuche, doch entweder läuft die Tinte aus, oder sie trocknet ein.

Leserkommentare
  1. die die Menschen wirklich weiterbringen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Eine interessante Zusatzinformation in diesem Artikel wäre vielleicht gewesen, dass der Kugelschreiber auf Russisch биро, also biro heißt..

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    Man muss nicht mal kyrillisch beherrschen. Im Englischen heißt der Kugelschreiber "biro".

  3. Man muss nicht mal kyrillisch beherrschen. Im Englischen heißt der Kugelschreiber "biro".

    Antwort auf "Recherche.."
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    Freier Autor

    Den britisch-englischen biro (aka ball point pen) finden Sie in der Infobox auf der zweiten Textseite, Sequester. Für den Hinweis auf den биро vielen Dank, erlkönig.

  4. Freier Autor

    Den britisch-englischen biro (aka ball point pen) finden Sie in der Infobox auf der zweiten Textseite, Sequester. Für den Hinweis auf den биро vielen Dank, erlkönig.

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