Präsidentenbesuch in BerlinObama sucht den Kennedy-Moment

50 Jahre nach John F. Kennedy hat Barack Obama die Chance, sich unsterblich zu reden. Das Zeug dazu hat er. Nur die Politik könnte ihm im Weg stehen. von 

Vielleicht wäre es am besten, Barack Obama würde gar nichts sagen. Der Auftritt des amtierenden US-Präsidenten in Berlin kann eigentlich nur enttäuschen, fast auf den Tag genau 50 Jahre nach jenem berühmten Kennedy-Satz "Ich bin ein Berliner". Aber: Einfach mal die Klappe halten? Das ist auch keine Lösung.

Er sei so etwas wie die afroamerikanische Ausgabe von John F. Kennedy, konnte Obama zu Beginn seiner Amtszeit oft über sich lesen und hören. Sein optimistisches "Yes we can" im Jahr 2008 wirkte wie eine Neuauflage jener Aufbruchstimmung, die Kennedy bei seinem Amtsantritt 1961 verströmt hatte – dem Jahr, in dem Obama geboren wurde. Der USA-Korrespondent des Tagesspiegels nannte ein Buch Barack Obama – Der schwarze Kennedy.

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Es lassen sich in der Tat Parallelen zwischen dem 35. und dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten finden: Beide lösten als Kandidaten der Demokraten nach jeweils acht Jahren einen Republikaner ab. Beide waren in ihren Vierzigern, als sie den Amtseid schworen. Und Kennedy spielte Golf, genau wie Obama heute.

Das Paket aus Charisma und rhetorischem Talent ist die auffälligste Gemeinsamkeit der beiden: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst", appellierte Kennedy im Kalten Krieg an das Wir-Gefühl. Obama lieferte 50 Jahre später, da war er noch nicht mal Präsidentschaftskandidat, die zeitgemäße Fortschreibung: "Es gibt kein liberales Amerika und kein konservatives Amerika, es gibt kein schwarzes Amerika und kein weißes Amerika, es gibt kein Amerika der Latinos und kein Amerika der Asiaten, es gibt nur ein einziges Amerika: die Vereinigten Staaten von Amerika."

Ikonen des Wandels

Beide überzeugten die Wähler auch mit ihrem jugendlichem Elan. Eine junge Frau und kleine Kinder im Weißen Haus – das begeisterte viele Amerikaner. Kennedy und Obama versprachen nicht nur einen Wandel, sondern verkörperten ihn auch. Beide beeindruckten damit auch den Rest der Welt, der – wie die das eigene Volk in den USA – der verknöcherten alten Herren Dwight D. Eisenhower und George W. Bush überdrüssig war.

Kennedys Besuch 1963 markierte einen Höhepunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen. In Westdeutschland rangen sie sich gerade dazu durch, die Niederlage im Zweiten Weltkrieg als Befreiung zu verstehen. Und den Ärger darüber, dass der Westen die Sowjets nicht wegen des Baus der Berliner Mauer zur Rechenschaft gezogen hatte, war nach Kennedys Bekenntnis zur umzingelten Stadt am 26. Juni vergessen.

Leserkommentare
  1. Tut mir leid, aber all das scheint mir doch sehr gezwungen: Beide spielen Golf, beide wurden in den Vierzigern gewählt. Einen Kennedy mit ihm zu Vergleichen empfinde ich als Berliner für eine Beleidigung. Kennedy kam um Westberlin zu verteidigen und klar zu machen, das er für Berlin garantiert. Obama kommt um, meiner Meinung nach, heiße Luft auszulassen: Nach Guantanamo, Prism, Afghanistan, diversen Bürgerrechtsbeschneidungen und weiteren negativen Taten ist von diesem Mann, der einst die Hoffnung der Welt war, nur ein Schatten geblieben. Ein Schatten, der nicht tut, was auch meint und sagt.

    Im übrigen: Kennedy und vor ihm Nixon (1961) ließen nicht die halbe Stadt verkehrstechnisch sterben und erlaubten sogar "ehrliche", jubelnde Massen. Der Freund aus Illinois sperrt alles im Umkreis des Tierparks und der HU. Ich wünsche alle Berliner und Gästen alles gute und Viel Erfolg bei der Durchstehung dieser unnnötigen Tortur.

    6 Leserempfehlungen
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    Ich meine:

    Der statt Tierpark (Zeile 11) den Tiergarten. Diverse andere Fehlern seien mir Verziehen.

  2. Ich meine:

    Der statt Tierpark (Zeile 11) den Tiergarten. Diverse andere Fehlern seien mir Verziehen.

    Antwort auf "Unpassende Vergleiche"
  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/ls

  4. Als er (mein) Präsident wurde war ich begeistert. Besonders nach weniger sprachgewandten (hüstel...) Bush Jr. war es erhebend so einen intelligenten Redner an der Spitze zu haben, der einem aus dem herz sprach.

    Leider bleibt davon nur die bittere Erkenntnis, dass diese Worte nur Blendwerk sind. Die Politik von Krieg, "Nationaler Sicherheit", Aushöhlung der Verfassung und Bürgerrechte und der Spin Doctors wurde nicht nur nahtlos weitergeführt, sondern ausgeweitet.

    "Dennoch ist Obama bisher weitgehend gescheitert."
    Wer davon spricht, dass er bisher gescheitert ist, glaubt immernoch, dass Obama tatsächlich tun wollte, was er sagte :(

    Na ja, zumindest braucht man sich als US-Bürger nicht mehr schämen, wenn der Präsident den Mund aufmacht.

    5 Leserempfehlungen
  5. 5. [...]

    Entfernt. Die Redaktion/kvk

    • mieeg
    • 18. Juni 2013 20:54 Uhr

    Und doch gibt es einige Gemeinsamkeiten:
    John F. K. hatte ein Problem auf Kuba - Hussein B. O. hat ein Problem auf Kuba.
    John F. K. hatte einen Krieg in Asien - Hussein B Obama hat einen Krieg in Asien.
    John F.K. hat seine Geliebte "überwachen" lassen - Hussein B. Obama läßt die ganze Welt überwachen.
    John F. K. war wohl ein wenig katholisch - Hussein B. Obama ist wohl ein wenig "nicht katholisch"
    So ganz fremd sind sich die beiden also nicht...

  6. Ich finde er könnte die Beweise für den Giftgaseinsatz der Regierungsseite auf den Tisch legen (öffentlich und überprüfbar) ... das wäre mal was.
    Dazu ein Rede über die Menschenrechte in Guantanamo, persönlichkeitsrechte im Internet und bei Telephonaten etc.

    3 Leserempfehlungen
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    9." Redetext
    Ich finde er könnte die Beweise für den Giftgaseinsatz der Regierungsseite auf den Tisch legen (öffentlich und überprüfbar) ... das wäre mal was.
    Dazu ein Rede über die Menschenrechte in Guantanamo, persönlichkeitsrechte im Internet und bei Telephonaten etc."

    ;-)

  7. "Obama sucht den Kennedy Moment"

    wenn er das definitv täte,wäre es definitiv Größenwahnsinn.

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  • Schlagworte Barack Obama | Berlin | John F. Kennedy | Sucht | USA | Barack Obama
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