Johann Jakob Astor : Ohne ihn gäbe es keinen Waldorfsalat

Der erste Millionär Amerikas war ein badischer Metzgerssohn: Johann Jakob Astor, vor 250 Jahren geboren, wurde mit Pelzen, Tee und Immobilien reich.
Ein Ölgemälde des Malers Gilbert Stuart aus dem Jahr 1794 zeigt den Unternehmer Johann Jakob Astor alias John Jacob Astor in New York.

Vom Laufburschen zum Multimillionär: Die Geschichte von Johann Jakob Astor folgt dem Urbild vom amerikanischen Karrieretraum, den so viele Emigranten aus Europa träumten. Die Not vertrieb Astor, sechstes von zwölf Kindern eines armen Dorfmetzgers, aus der nordbadischen Heimat: Walldorf, bei Heidelberg.

Die Vorfahren Astors waren als Angehörige der protestantischen Minderheit der Waldenser aus Italien geflohen, wurden aber auch im katholischen Baden nicht heimisch. Ein Dreivierteljahr nach Johann Jakobs Geburt am 17. Juli 1763 starb seine Mutter. Der Vater heiratete wieder, zeugte weitere Kinder – doch die stetig wachsende Familie konnte er kaum ernähren.

Als Johann Jakob alt genug zum Auswandern war, folgte er seinem älteren Bruder Georg Peter, der als Instrumentenbauer in London lebte. Als Lehrling beim Klavierbauer John Broadwood kratzte Johann Jakob in England das Geld für die riskante Überfahrt nach Amerika zusammen – und lernte Englisch.

Fast hätte seine Auswanderung ins ferne Amerika schon auf dem Weg dahin geendet. Doch Astor bewies Zielstrebigkeit: Als sein Schiff Anfang 1784 in Sichtweite der Ostküste festfror, lief er zu Fuß über das Eis bis zur Küste. Das war in der Nähe von Baltimore. Er schlug sich schließlich nach New York durch, wohin schon sein Bruder Heinrich als Soldat in hessischen Diensten gelangt war. Heinrich arbeitete dort inzwischen, wie der Vater in Deutschland, als Metzger.

Seine Frau hatte gute Kontakte

Johann Jakob verdingte sich in der deutschen Immigranten-Gemeinde für Gelegenheitsarbeiten. Schon bald begann er aber, von seinem Bruder in London gefertigte Holzblasinstrumente zu importieren.

Und er schloss eine kluge Ehe: Astor heiratete 1785 Sarah Todd, die Tochter seiner Zimmerwirtin. Ihre Familie war unter den Kaufleuten und Reedern New Yorks hervorragend vernetzt.

Eines der wichtigsten Exportgüter Nordamerikas waren damals Pelze. Das Handelszentrum war Montreal. Die britischen Kolonialherren in Kanada schrieben vor, dass alle Waren zunächst nach England exportiert wurden, bevor sie in ein anderes Land verkauft werden konnten. Amerikanische Händler schreckten vor dieser Komplikation zurück, aber Astor konnte seine Erfahrungen im Transatlantikhandel mit Musikinstrumenten nutzen.  

Waffen, Alkohol, Drogen

Jeden Sommer kaufte Astor fortan in Kanada Pelze ein und ließ sie über London nach New York verschiffen. Seine American Fur Company machte den britisch-kanadischen Mitbewerbern erfolgreich Konkurrenz und John Jacob Astor, wie er sich nun nannte, zum angesehen Geschäftsmann. 1798 wurde der Freimaurer Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika

Astor verdiente wie kaum ein anderer an der Eroberung des Wilden Westens. Als Ende 1806 die Entdecker Meriwether Lewis und William Clark von ihrer Expedition zum Pazifik zurückkehrten, ließ er entlang ihrer Reiseroute Handelsstationen einrichten. Dort tauschten Indianer Felle gegen Waffen und teils auch Alkohol. Die Konkurrenten von staatlichen Stationen boten nur harmlose Nützlichkeiten an, wie etwa Pflüge. Die von ihm finanzierte Astor-Expedition entdeckte den Südpass durch die Rocky Mountains. Hunderttausende Siedler nahmen später diesen Weg.

1811 entstand an der Westküste Fort Astoria, aus dem sich die erste amerikanische Stadt am Pazifik entwickelte: Astoria in Oregon. Doch die Expedition endete im Desaster und Astor musste Fort Astoria an die Briten verkaufen.

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