Die Spionage ist angeblich das zweitälteste Gewerbe der Welt (nach der Prostitution). Vorbei sind allerdings die schlichten Zeiten, als eine Steinzeitmenschen-Horde die Höhle der anderen belauschte, um die Lage der besten Jagdgründe zu erfahren.

Im 20. Jahrhundert wurde die Spitzelei mit der Entwicklung moderner Telekommunikation zum Hightech-Geschäft. Die National Security Agency (NSA) der USA ist die geheimste und technisch am besten ausgestattete Spionageorganisation.

Heute operiert sie aus einem futuristischen Gebäudekomplex in Fort Meade, Maryland heraus: dem "Palast der Rätsel", wie der Journalist James Bamford die Behörde in seinem Buch The Puzzle Palace nennt. Die NSA-Zentrale ist derart groß, dass viele sie auch als Crypto City bezeichnen, die Stadt in der Informationen ent- und verschlüsselt werden. Die Mitarbeiter hier sind  für das Abhören und decodieren ausländischer Telekommunikation zuständig und nehmen im Dickicht der US-Geheimdienste eine Schlüsselrolle ein.

Die Einheiten der US-Streitkräfte leisteten sich seit dem Ersten Weltkrieg getrennte Organisationen, die feindliche Funksprüche und telegrafische Depeschen entschlüsselten. Die Dienste von Army und Marine schnüffelten schon damals auch in der zivilen Kommunikation ausländischer Diplomaten herum, weil Außenministerium und Weißes Haus im Gegenzug für solche Informationen die Budgets der Militärs aufpäppelten.

Die Nachrichtendienste von Armee, Marine und Luftwaffe wurden 1949 der neu geschaffenen Armed Forces Security Agency (AFSA) unterstellt, aus der bald die NSA entstand: eine nationale Behörde unter Kontrolle des Verteidigungsministers und mit einer Mission, die über militärische Interessen hinausging. Offiziell wurde sie am 4. November 1952 eingerichtet, dem Tag der Wahl des Weltkriegsgenerals Dwight D. Eisenhower zum Präsidenten.

Die NSA beliefert diverse Behörden

1957 beschrieb die US-Regierung die Aufgaben der NSA nach Angaben des Autors David Kahn erstmals öffentlich so: "hochspezialisierte technische Funktionen zur Unterstützung der Geheimdiensttätigkeit der Vereinigten Staaten". Im Klartext: Die NSA belauscht, was sie belauschen kann, und gibt die gewonnenen Informationen weiter an die anderen Geheimdienste, die Bundespolizei FBI, die Drogenfahndung und diverse weitere Behörden.

Die NSA unterhält Einrichtungen in aller Welt, etwa auf der britischen Luftwaffenbasis in Menwith Hill in Yorkshire. Bis 2004 ragten auch im bayerischen Bad Aibling NSA-Antennen in den Himmel. Seit der damaligen Schließung von "Hortensie III", wie der Bundesnachrichtendienst (BND) die US-Einrichtung  nannte, stehen fünf Antennen-Kuppeln auf einem ehemaligen Flugplatz bei Darmstadt in Südhessen.

Die Station in Bad Aibling war wohl ein Teil von Echelon – einem Netz von Satellitenempfängern, dem sogar die seriöse BBC 1999 unterstellte, es habe Zugang zu "jedem einzelnen Telefongespräch, Fax und jeder E-Mail irgendwo auf dem Planeten". Die NSA hatte die Führung des Projekts inne, an dem auch Dienste aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland beteiligt waren.