London 1888Jack the Ripper, Prototyp eines Serienkillers

Vor 125 Jahren fand man in nur einem Herbst fünf aufgeschlitzte Frauenleichen im Londoner Armenviertel Whitechapel. Der Täter: Jack the Ripper. Nur, wer war das? von 

Jack the Ripper Opfer

Diese Zeichnung zeigt die Situation, wie die Polizei in London eine Frauenleiche findet – ermordet von Jack the Ripper.  |  © Hulton Archive/Getty Images

Am frühen Morgen des 31. August 1888, kurz vor vier Uhr, entdeckt der Kutscher Charles Cross in Buck's Row eine leblose Frau. Ist sie tot oder nur betrunken? Es ist ein übles Viertel. Cross zieht den hochgerutschten Rock herab, ruft einen Polizisten. Der entdeckt: Zwei tiefe Schnitte haben die Kehle der Frau durchtrennt, in ihrem Unterleib klafft eine tiefe Wunde.

Mary Ann Nichols, genannt Polly, war das wohl erste Opfer jenes Serienmörders, den die Sensationspresse bald Jack the Ripper nannte, den "Aufschlitzer". Zwei von insgesamt elf Frauenmorden, die die Polizei im Londoner Armenviertel Whitechapel untersuchte, geschahen früher, sind aber vermutlich anderen Tätern zuzurechnen. Auch bei später getöteten Mordopfern ist unklar, ob es derselbe war.

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Der Tod von fünf Gelegenheitsprostituierten geht mit großer Sicherheit auf das Konto des Killers. Die Handschrift des Rippers wurde von Tat zu Tat grausamer: Er durchschnitt Kehle oder Halsschlagader der Frauen, entnahm ihnen innere Organe, wie Herz, Niere, Gebärmutter. Seinem vermutlich letzten Opfer zog er sogar Teile der Haut ab.

Die Gruselbranche liebt den Ripper

Der grausame Serienkiller von 1888 faszinierte viele Menschen derart, dass bis heute neue – meist hochspekulative Werke – über Jack the Ripper und seine Taten entstehen. Die Engländer sprechen von "Ripperature"-Grusel-Literatur, die zum Teil wissenschaftlich anmutet, aber vor allem mit größtmöglicher Schauerlichkeit nacherzählt, was vor 125 Jahren in London geschah.

Viele der Magazine wurden erst mehr als hundert Jahre nach der Mordserie aufgelegt: Die 1992 gegründete Zeitschrift Ripperana zum Beispiel oder der 1994 erstmals erschienene Ripperologist, den heute die Whitechapel Society herausgibt, ein Londoner Verein aus Gruselfreunden, die in ihrer Freizeit in Archiven und historischen Kriminalakten stöbern.

Die Opfer: Nichols

Überlieferungen zu den Opfern Jack the Rippers sind mit Vorsicht zu genießen, diverse Quellen widersprechen sich.

Mary Ann Nichols, 1845 als Tochter eines Schlossers geboren, soll fünf Kinder aus einer zerbrochenen Ehe gehabt haben. Sie war angeblich Alkoholikerin, lebte meist in Arbeitshäusern und schlug sich als Prostituierte durch. Einen Job als Hausbedienstete soll sie hingeworfen und dem Arbeitgeber Kleidung gestohlen haben. Ihr Leichnam, am 31. August 1888 gefunden, wurde anhand der Kleidung aus dem Lambeth-Arbeitshaus identifiziert. Der Mörder hatte den Unterleib aufgeschnitten und die Eingeweide freigelegt, aber keine Organe entnommen.

Chapman

Soweit überliefert, war die 1841 geborene Annie Chapman verheiratet und Mutter von drei Kindern. Eines starb wohl früh, ein anderes soll schwer behindert gewesen sein. Die Eheleute verfielen dem Alkohol, heißt es, und trennten sich. Chapman lebte daraufhin angeblich mit wechselnden Männern zusammen, verdiente mit Handarbeiten und Gelegenheitsprostitution ihren Lebensunterhalt. Ihre Leiche wurde am Morgen des 8. September 1888 in der Hanbury Street, Spitalfields, gefunden. Ihre Kehle war mit zwei Schnitten durchtrennt, die Gebärmutter fehlte.

Stride

Die 1843 geborene Schwedin Elizabeth Strife ging, so wird überliefert, schon als junge Frau in Göteborg auf den Strich. Wahrscheinlich kam sie als Hausbedienstete mit ihrem Arbeitgeber nach London, wo sie einen Zimmermann heiratete, der 1884 starb. Ihre Leiche wurde am 30. September etwa um 1 Uhr nachts entdeckt. Weil ihr Unterleib unverletzt blieb, zweifeln manche an der Täterschaft des Rippers, andere glauben, er wurde am Tatort unterbrochen.

Eddowes

Wie die anderen Frauen hatte wohl auch die 1842 geborene Catharine Eddowes eine gescheiterte Ehe hinter sich und war Alkoholikerin. Sie wurde in derselben Nacht wie Stride rund 45 Minuten später gefunden. Die linke Niere und der größte Teil der Gebärmutter fehlten. Ein Teil ihrer blutigen Schürze wurde später in der Goulston Street gefunden – unter einer Kritzelei, die als Hinweis auf die Täterschaft eines Juden verstanden werden konnte. Die Polizei fürchtete angeblich antisemitische Ausschreitungen und ließ das Graffito entfernen.

Kelly

Das wohl letzte Opfer des Rippers, Mary Jane Kelly, wurde als einziges nicht auf der Straße, sondern in ihrem Zimmer in Spitalfields entdeckt. Über das Vorleben der 1863 geborenen Frau, die wohl aus Irland stammte, ist wenig bekannt. Der am 9. November 1888 gegen elf Uhr gefundene Leichnam war grausam verstümmelt, mehrere Organe lagen im Zimmer verteilt. Das Herz fehlte.

Sogar in Australien frönt man dem Ripperkult. Dort brachte im Jahr 2000 der Australian Cloak & Dagger Club das Magazin Ripperoo heraus. Und natürlich gibt es weltweit unzählige Filme, TV-Sendungen und Websites zu Jack the Ripper.

Wer die Huren im East End im Sommer 1888 ermordete, wissen aber auch die selbsternannten Ripperologen bis heute nicht. Und noch weniger, warum er damit im November wieder aufhörte. Die Kriminalistik war im 19. Jahrhundert kaum entwickelt, die Bedeutung von Fingerabdrücken unbekannt. Die Psychologie, die Profilern heutzutage hilft, aus dem Vorgehen eines Verbrechers Rückschlüsse auf seine Identität zu ziehen, entstand gerade erst.

Leserkommentare
  1. Der 1.9. ist Herbstanfang, die Morde fanden zwischen August und November statt. Es lässt auf keine saubere Recherche schließen, wenn der *Autuum of Terror* in den Sommer verlegt wird.

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    Die Todesdaten der *klassischen 5* waren zwischen dem 31.8.1888 und dem 9.11.1888. Von Sommer zu sprechen, ist mehr als gewagt; den Rest habe ich mir lieber nicht mehr durchgelesen, Bluthochdrock am Morgen kann ich nicht brauchen.

    Redaktion

    Liebe Larissa1975,

    vollkommen richtig - das ist der Redaktion durchgerutscht, wir habe den Fehler korrigiert.

    Herzlich, Ihre Nachrichtenredaktion.

    ...ist am 23.09., denn dann steht die Sonne im Zenit über dem Äquator. Den 01.09. benutzen Meteorologen nur für ihre Statistiken.

    Wenn man Fehler anderer derart unfreundlich kritisiert, dann sollte man nicht schon mit seiner ersten Äußerung die eigene Fehlbarkeit demonstrieren.

  2. Die Todesdaten der *klassischen 5* waren zwischen dem 31.8.1888 und dem 9.11.1888. Von Sommer zu sprechen, ist mehr als gewagt; den Rest habe ich mir lieber nicht mehr durchgelesen, Bluthochdrock am Morgen kann ich nicht brauchen.

    Antwort auf "Sommer?"
  3. Das Foto liegt dies zumindest nahe.... http://de.wikipedia.org/w...

    Entschuldigung, aber einen so schlechten Artikel habe ich auf ZeitOnline noch nie gelesen. Selbst als Nicht-Ripperloge hätte ich dies besser hinbekommen.

    Wer sich informieren möchte, ich lese dort mit, sollte dies im Jack-the-Ripper-Forum tun: http://www.jacktheripper....

    Eine Leserempfehlung
    • kaner
    • 31. August 2013 10:30 Uhr

    Spannender Artikel, vielen Dank.

    Das aus diesem Stoff zahlreiche Krimi- und sogar Horror-Geschichten entstanden sind, ist wirklich nicht verwunderlich.

    Unverständnis ernten dagegen die polemischen Kommentare. Nicht wegen der Fakten, die dankenswerter Weise gewisse Aspekte des Artikels korrigieren, sondern weil so schlecht gelaunt und von oben herab abgeurteilt wird. Das geht doch wirklich auch etwas freundlicher.

    6 Leserempfehlungen
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    1.) Die im Artikel präsentierten *Fakten* hätte man mit Wikipedia recherchieren kann.

    2.) Es stört mich, wenn ich direkt nach dem Anschalten des Computers und auf nüchternen Magen Fehlinformationen vorgesetzt behomme.

    3.) Ich frage mich, wie oft ich Fehlinformationen und nicht sauber recherchierten Artikeln aufsitze, die ich einfach glauben muss, weil ich mich dort nicht halbwegs auskenne.

    Der Artikel ist oberflächlich geschrieben und voller Fehler.

  4. 1.) Die im Artikel präsentierten *Fakten* hätte man mit Wikipedia recherchieren kann.

    2.) Es stört mich, wenn ich direkt nach dem Anschalten des Computers und auf nüchternen Magen Fehlinformationen vorgesetzt behomme.

    3.) Ich frage mich, wie oft ich Fehlinformationen und nicht sauber recherchierten Artikeln aufsitze, die ich einfach glauben muss, weil ich mich dort nicht halbwegs auskenne.

    Der Artikel ist oberflächlich geschrieben und voller Fehler.

    5 Leserempfehlungen
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    kann=können

  5. kann=können

  6. Redaktion

    Liebe Larissa1975,

    vollkommen richtig - das ist der Redaktion durchgerutscht, wir habe den Fehler korrigiert.

    Herzlich, Ihre Nachrichtenredaktion.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sommer?"
  7. ...ist am 23.09., denn dann steht die Sonne im Zenit über dem Äquator. Den 01.09. benutzen Meteorologen nur für ihre Statistiken.

    Wenn man Fehler anderer derart unfreundlich kritisiert, dann sollte man nicht schon mit seiner ersten Äußerung die eigene Fehlbarkeit demonstrieren.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sommer?"
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    Ändert aber nichts daran, dass es nicht *Summer of Terror* hieß und ich mir darüber Gedanken mache, was ich mir zu kompliziertren Themen ungeprüft einverleibe.

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  • Schlagworte Jack the Ripper | Kriminalistik | London
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