50 Jahre Audiokassette : Liebeserklärungen an das Mixtape

Zum 50. Geburtstag der Audiokassette baten wir unsere Leser um Erinnerungen an ihre schönsten und schlimmsten Mixtapes in Wort und Bild. Hier eine Auswahl

"Er hieß Johannes. Jede Unterhaltung mit ihm zum Thema Musik endete mit der Aussage 'Ich mach' dir mal eine Kassette'. Und meistens überreichte mir dann am nächsten Tag ein übernächtigter Johannes ein Kunstwerk, jedes Mal mit ganz wunderbar gestaltetem Cover, zusammengesetzt aus Schnipseln von Flyern, Fotos, Eintrittskarten. Wenn wir nicht gerade auf Konzerten rumstanden oder im Auto Mixtapes hörten, saßen wir in der einzigen ernstzunehmenden Kneipe in Würzburg herum, dem Kult. Johannes arbeitete dort an der Bar und ließ selbstverständlich immer ein Mixtape aus eigener Produktion laufen. Kurz bevor wir zusammenkamen, war ich einmal bei ihm. Es lief Party Diktator. Ganz schöner Krach. Wahrscheinlich wollte ich nur cool sein und sagte, dass mir die Musik sehr gut gefiele. Er hielt mir – wie immer – einen kleinen Vortrag über die Band. Ich stimmte freudig zu, als er mir ein Tape zusagte. Ganz ehrlich: Dieses Tape blieb nahezu ungehört." Birgit Hirschmann

© Birgit Hirschmann


"Ich liebe Kassetten und konnte mich bis heute nicht von ihnen trennen. Ich habe sogar eine gefunden, welche ich notdürftig mit doppelseitigem Klebeband repariert habe, da wohl kein Tesa zur Hand war. Natürlich löste sich die Folie ständig ab." Nicole Neß

© Nicole Neß


"Wie es einen wahnsinnig machen konnte, wenn man für das letzte Lied zu knapp kalkuliert hatte, und es machte 'Klack' und das Band stoppte in den letzten Sekunden des Liedes. Ein abgeschnittener Song, das ging natürlich nicht. Also hieß es Zurückspulen und ein Lied raussuchen, das entsprechend kürzer war. Welches Glücksgefühl, schlussendlich die perfekte Reihenfolge zu haben und die Kassette vor dem Verschenken noch einmal selbst im Ganzen durchzuhören. Bei Radio-Mitschnitten konnte einem das nicht passieren. Hier die Abbildung von einer von zwei Kassetten vom Konzert der Guns 'n' Roses in Paris am 6. Juni 1992, ein Radio-Mitschnitt wahrscheinlich vom WDR." Joachim Bothe

© Joachim Bothe


"Ich hatte bis Ende der Neunziger über 30 MCs mit meinen Lieblingssongs. Für die Hüllen verwendete ich die Verpackungen leerer Medikamentenschachteln, oder ich kombinierte irgendwelche Bilder aus (Fernseh-)Zeitschriften." Martin Mex

© Martin Mex


"Im Freundeskreis haben wir eine Zeit lang regelmäßig Themenkassetten aufgenommen. Wir haben uns also ein Thema vorgegeben, zum Beispiel 'Lebensmittel' – je absurder, desto besser –, und hatten dann ein, zwei Wochen Zeit, unsere Platten-CD-Kassetten-Sammlungen zu durchforsten und zum Thema passende Titel aufzunehmen. Dann wurde ausgetauscht. Ganz selten nur hatten wir dieselben Titel aufgenommen. War ein großer Spaß. Warum machen wir das eigentlich nicht mehr? Die Siegertitel zum Lebensmittel-Thema waren übrigens Schimmliges Brot von Foyer des Art und Keine Küsse und keine Tomaten von Graham Bonney." Aline Faass

© Aline Faass


"Abgesehen davon, dass die Kassette eine unheimlich praktische Erfindung ist, die mir auch heute noch treue Dienste im Auto leistet, bin ich schon seit Kindertagen fasziniert von den vielen verschiedenen Farben und Designs, in denen es sie gibt. Happy Birthday, Happy Tape!" Martin Schmidt

© Martin Schmidt


"Erst vor Kurzem habe ich meine alten, angestaubten Kassetten-Schmuckstücke herausgekramt und bin dabei auf meine ersten Radioaufnahmen gestoßen. Das muss etwa 1996 oder 1997 gewesen sein. Ich war vielleicht elf und konnte natürlich kein Englisch. Trotzdem war es mir wichtig, die Titel der Lieder so genau wie möglich aufzuschreiben, was in den meisten Fällen sogar überraschend gut geklappt hat. Die Ausnahme bildeten auf der hier gezeigten Playlist das unverschämt komplizierte Drop Dead Gorgeous von Republica und der Liedtitel von Ginuwine's Pony. Auf meiner Kassette heißt der Titel aber Rülps (your holding). Zum Glück habe ich den tatsächlichen Text damals noch nicht kapiert: 'If you’re horny, let’s do it. Ride it, my pony.' Meine Freundinnen und ich haben damals das Lied schlichtweg das 'Rülps'-Lied genannt, wegen der seltsamen Hintergrundgeräusche." Julia Klein

© Julia Klein


Die Mixtapes von Bjørn Clasen hatten alle den gleichen Titel: Mammut-Mix, fortlaufend nummeriert. Er bewies große Ausdauer bei der Fortführung dieser Serie. Uns liegt keine Anekdote von ihm vor, dafür aber Abbildungen von Mixtape-Hüllen bis zur Nummer 54B.

© Bjorn Clasen

 

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

"Kassetten waren schon nervig"

Einlegen,spulen,umdrehen,ne´Minute vorspulen,Aufnehmen,plötzlich hat sich das Band verheddert,Kaputt machen oder alles auseinander nehmen? Kassette aufschrauben.Mit Hilfe eines Bleistifts aufspulen,Die Radiosendung konntste schon mal vergessen.War sowieso alles total verrauscht,Wer wird denn gleich in die Luft gehen.Aufnahmeknöppe reinigen,Reinigungskassette entmagnetisieren.dann nach längerer Lagerung hört man die Musik schattenhaft schon ´ne Minute bevor die Musik anfängt.und und und,aber auf jeden Fall hörte man noch irgendwas.Nur die NSA nicht.Das ist bei zeitgenössischen Mitschnitten mit dem PC nicht mehr unbedingt der Fall.

Was für Erinnerungen

Oh ja .... daran erinnere ich mich auch!
Ich hatte damals (Mitte 70er) natürlich kein eigenes Radio im Zimmer - für Aufnahmen stand nur die Anlage meiner (ziemlich kooperativen Eltern) zur Verfügung. So fand das gemeinsame Frühstück tatsächlich manchmal in komplettem Schweigen statt weil ich UUUUUNBEDINGT dieses Lied haben wollte.
Oh Gott .... und wenn dann der Moderator in die letzten Sekunden reinquatschte oder das Telefon klingelte oder der kleinen Schwester langweilig wurde ..... der Tag war gelaufen ;)