In der japanischen Hauptstadt Tokio sind in mehreren Bibliotheken seit Ende Januar mindestens 265 Bücher von und über die im Holocaust getötete Anne Frank zerstört worden. Aus den Büchern seien Dutzende Seiten herausgerissen worden, sagte ein Mitarbeiter einer Bibliothek.

Unter den beschädigten Werken befinden sich auch Ausgaben des weltberühmten Tagesbuchs, das Frank in dem Versteck der Familie vor den Nazis in einem Hinterhaus geschrieben hatte. Nach Angaben von BBC sind es mehr als 100 Ausgaben des Tagebuchs. Täter und Motive sind bislang noch nicht bekannt. Die Polizei ermittelt.

Von dem Vandalismus sind 31 städtische Einrichtungen betroffen. Alle zerstörten Bücher konnten den Angaben zufolge in der Online-Datenbank mit den Schlagwörtern Anne Frank gefunden werden. Eine Bibliothek stellte bereits alle Bücher, die einen Bezug zu ihr haben, unter besonderen Schutz. 

Das Simon Wiesenthal Center zeigte sich schockiert über die Zerstörung. Die jüdische Organisation gehe von einer organisierten Zerstörung aus, die das Andenken an eines der berühmtesten Holocaust-Opfer beschmutzen wolle. Das Center wisse um die Bedeutung Anne Franks in Japan, deren Werk dort von Millionen Menschen studiert werde. 

"Fast eine Heilige"

In Japan ist Anne Frank besonders berühmt. "Dort ist Anne fast eine Heilige", hatte ihr Cousin 2009 der Welt gesagt. So werde an jeder Schule im Land etwa eine Anne-Frank-Rose gepflanzt, es gebe auch Statuen von seiner Cousine.

Anne Frank war mit ihrer Familie vor den Nazis aus Deutschland geflohen. Sie schrieb ihre Erlebnisse in einem Amsterdamer Hinterhaus auf, wo sich ihre Familie versteckt hatte. Nachdem die Familie verraten worden war, kam Frank in ein Konzentrationslager, dort starb sie mit 15 Jahren. Ihr Tagesbuch, das unter dem Titel Das Tagebuch der Anne Frank veröffentlicht wurde, gehört zu den meistgelesenen Dokumenten über den Holocaust.