Europa ist offenbar nicht die alleinige Wiege der Höhlenmalerei: Auch in Indonesien malten Menschen schon vor rund 40.000 Jahren an Höhlenwände. Auf dieses Alter datierten Wissenschaftler eine auf der indonesischen Insel Sulawesi auf eine Felswand gemalte Hand, wie es in einer im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie heißt. Es könnte sich um eine der ältesten Höhlenmalereien überhaupt handeln.

Die ebenfalls in einer Höhle auf der Insel gefundene Zeichnung eines dickbauchigen Babirusas – einer Art Mischung aus Schwein und Hirsch – ist wohl mindestens 35.400 Jahre alt. Damit sei es womöglich das weltweit älteste bekannte Bild eines Tieres, erklärte das Team australischer und indonesischer Forscher.

Wissenschaftler um Anthony Dosseto von der australischen Universität Wollongong untersuchten in sieben Höhlen auf Sulawesi zwölf Malereien sowie zwei Zeichnungen von Wildtieren. Die Höhlenmalereien selbst waren schon vor mehr als 50 Jahren entdeckt worden – ihr Alter wurde jedoch nie gründlich untersucht. Es war angenommen worden, dass solche Malereien im tropischen Klima der Region nicht länger als 10.000 Jahre überdauern könnten.

Die Forscher konnten nun aber mithilfe der sogenannten Uranreihendatierung das Alter hauchdünner mineralischer Ablagerungen bestimmen, die sich über die Malereien gelegt hatten. Mit dieser Methode wird der radioaktive Zerfall gemessen. Dadurch wird nur das Mindestalter bestimmt – die Malereien könnten also noch älter sein.

Der etwa 40.000 Jahre alte Umriss einer Hand, in roter Farbe gemalt, ist der Studie zufolge die älteste bislang gefundene Zeichnung dieser Art. Verblüffend ist insbesondere die Ähnlichkeit der Malereien in Indonesien und Europa – sowohl hinsichtlich der Motive als auch der Methode, bei der die Hände wie eine Schablone auf die Felswand gedrückt und die Umrisse mit Farbe nachgezeichnet wurden.

Malte der Homo sapiens bereits in Afrika?

"Es konnte bewiesen werden, dass Menschen vor rund 40.000 Jahren an den entgegengesetzten Enden der eurasischen Welt in der Zeit des Pleistozän Felsenkunst schufen", schreiben die Autoren. Bislang galt Europa als die Wiege der prähistorischen Kunst. "Europäer können nicht mehr für sich allein in Anspruch nehmen, als erste das abstrakte Denken entwickelt zu haben", erklärte Dosseto.

Nach Angaben von Wil Roebroeks von der niederländischen Universität Leiden wurde die bislang älteste bekannte Höhlenzeichnung in der El-Castillo-Höhle im Norden von Spanien entdeckt, sie ist 37.300 Jahre alt. Die älteste bekannte Abbildung eines Tieres war bislang die Holzkohlezeichnung eines Nashorns in der Chauvet-Höhle in Frankreich. Sie ist zwischen 35.300 und 38.827 Jahre alt.

Der Nature-Studie zufolge ergeben sich aus den neuen Erkenntnissen zwei Möglichkeiten: Entweder die Menschen entwickelten die Höhlenmalerei unabhängig voneinander an vollkommen unterschiedlichen Orten der Erde – oder der Homo Sapiens malte bereits, als er sich vom afrikanischen Kontinent aus in der Welt verbreitete. Chris Stringer vom britischen Naturkundemuseum erklärte in einem Nature-Video, irgendwann würden wohl auch australische Felsmalereien auf ein solch hohes Alter datiert werden.