Taucher haben vor der schwedischen Küste ein havariertes U-Boot entdeckt. Es handelt sich nach Angaben des schwedischen Militärs "sehr wahrscheinlich" um das im Ersten Weltkrieg gesunkene russische Boot Som. Erste Beobachtungen von Tauchern deuteten darauf hin, dass die Leichen der 18 Besatzungsmitglieder seit 99 Jahren in dem Wrack am Meeresgrund liegen.

Taucher der Wracksucher-Organisation Ocean X Team hatten das Wrack vergangene Woche vor der Ostküste Schwedens entdeckt. Am Montag hatten sie ihren Fund bekannt gemacht. "Das U-Boot ist komplett intakt, hat keine sichtbaren Schäden am Schiffskörper und die Luken sind geschlossen", sagte der Taucher Stefan Hogeborn. Die kyrillischen Buchstaben auf dem Rumpf ließen darauf schließen, dass es russisch sei. Das Ocean X Team kündigte einen weiteren Tauchgang an, um das Wrack genauer zu untersuchen.

Das U-Boot Som sank laut einem Bericht der Zeitung Dagens Nyheter am 10. Mai 1916 nach einer Kollision mit dem schwedischen Dampfschiff Ångermanland. Dem Dagens Nyheter-Bericht zufolge wurde das U-Boot wahrscheinlich 1904 in Wladiwostok gebaut. Es war seit 1915 Teil der russischen Flotte in der Ostsee. Andere Wissenschaftler in Schweden gehen allerdings davon aus, dass das Boot bereits 1901 in den USA unter dem Namen Fulton produziert worden war. Die USA sollen es drei Jahre später an Russland verkauft haben.

Den ersten vorliegenden Bildern zufolge handle es sich tatsächlich um die Som, sagte auch der Leiter des staatlichen russischen Wracktaucher-Teams, Konstantin Bogdanow. Die Russen seien bereit, zusammen mit schwedischen Tauchern das Wrack näher zu untersuchen. 

Der Fund hatte in Schweden für Aufsehen gesorgt. Die Taucher nahmen zunächst an, das U-Boot sei neueren Baujahrs, und die Besatzung könne noch an Bord sein. Erinnerungen an die einwöchige U-Boot-Suche in den Schären vor Stockholm im Oktober 2014 wurden wach. Zeugen hatten damals ein unbekanntes Unterwasserfahrzeug auf- und abtauchen sehen. Das schwedische Militär war sicher, dass ein ausländisches U-Boot in die Hoheitsgewässer eingedrungen war. Die Suche blieb aber ergebnislos. Russland hatte jede Beteiligung an dem Vorfall vehement bestritten. 

Zweifel am Alter des U-Boots

Der Chef der Organisation der russischen U-Boot-Matrosen in St. Petersburg, Igor Kurdin, sagte der Agentur Interfax, er habe leichte Zweifel, dass es sich um die Som handle. Für ein Boot, das fast 100 Jahre auf dem Meeresgrund liegt, sei es erstaunlich gut erhalten. Auch Schäden von einem möglichen Zusammenstoß seien zumindest auf den Bildern nicht sichtbar.

Falls es wirklich ein U-Boot des Russischen Reichs sei, müsse Schweden alle Handlungen absprechen. "Stockholm kann das Fundstück nicht einfach heben und etwa ins Museum stellen." Er könne sich vorstellen, dass die Fundstelle zum Gedenkort erklärt wird. Dann dürfe dort niemand etwa für Souvenirs hinabtauchen.  

Das schwedische Militär betrachtet den Fall als abgeschlossen. Die Identität des U-Bootes sei nur von archäologischem oder historischem Interesse, nicht von militärischem, hieß es in einer Pressemitteilung.

Taucher entdecken immer wieder Wracks aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg auf dem Meeresgrund. 2009 etwa wurden ein havariertes U-Boot im Mittelmeer und eines in der Ostsee entdeckt. Allein in den Meeren vor Deutschlands Küsten verbergen sich 1,6 Millionen Tonnen Altlasten aus den Weltkriegen: Seeminen der Briten und der Deutschen, fälschlich abgeworfene Bomben, Waffen und Munition.