Archäologen haben nördlich von Berlin den ältesten bisher bekannten Friedhof Deutschlands entdeckt. Das Gräberfeld wurde um 6.400 vor Christi angelegt. Die Forscher entdeckten die Grabstätte, als sie bereits vor 50 Jahren entdeckte Gräber in der Umgebung erneut untersuchten. Schon 1962 waren in der Region in der Uckermark bei Bauarbeiten für einen Signalmast Überreste einer mehr als 8.000 Jahre alten Bestattungsstätte entdeckt worden. In jener Zeit trafen auf damals dort noch heimische Jäger und Sammler erste Bauern.

Bei den erneuten Ausgrabungen entdeckten die Wissenschaftler einen Schädel und durcheinander liegende Knochen. "Der Tote war aufrecht bestattet worden und fiel später zusammen", sagt Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Er hatte 2012 den Anstoß für erneute Grabungen auf dem etwa 100 Meter hohen Weinberg in Groß Fredenwalde gegeben. Das Grab war wohl eine Weile offen geblieben und erst als der Oberkörper zusammengefallen war, hatte man es mit Erde versiegelt und darauf ein Feuer entzündet. Es gebe keine vergleichbaren Funde aus jener Zeit.

Außerdem legten die Archäologen ein Babygrab frei. "Es ist die früheste bislang bekannte Kinder-Bestattung in Mitteleuropa, die wir kennen", sagt der Brandenburger Landesarchäologe Franz Schopper. Das Skelett des Kleinkindes wurde in 60 Zentimetern Tiefe gefunden und komplett geborgen, Wirbelsäule, Füße, Schädel und Hände sind klar zu erkennen. "Befund Nr. 8", wie der Baby-Fund genannt wird, ist für die Archäologie eine Sensation.

"Einige Knochenteile konnten bereits untersucht werden", sagt Anthropologin Bettina Jungklaus. Demnach handelt es sich um ein etwa sechs Monate altes Kind. Die Isotopenuntersuchung ergab: Das Baby aus der Mittelsteinzeit wurde nicht ausreichend gestillt und starb vermutlich an Unterernährung. DNA-Untersuchungen zur Bestimmung des Geschlechts des Kindes sind nach den Angaben geplant. "Das würdevolle Grab zeigt: Das Baby war nach dem Tode den Angehörigen etwas wert", sagt Terberger. Die Wissenschaftler rechnen mit weiteren Funden in Groß Fredenwalde.