Sie mussten Gleise bauen und Güterwagen ausbessern, arbeiteten mit bloßen Händen und trugen keine Schutzkleidung: Etwa 500 Strafgefangene haben im Jahresdurchschnitt für die Reichsbahn der DDR Zwangsarbeit geleistet. Das geht aus einer Studie hervor, die Bahn-Chef Rüdiger Grube gemeinsam mit Historikern in Berlin vorgestellt hat. Menschen seien unter teilweise haarsträubenden Bedingungen ausgebeutet worden, um die Planvorgaben zu erfüllen, sagte Grube. "Dies ist ein Unrecht, das von uns, der heutigen Deutsche Bahn AG, benannt und nicht vergessen wird."

Da es bisher keine historische Untersuchung zur Rolle der Reichsbahn im Strafvollzug der DDR gab, hatte die Deutsche Bahn im Sommer 2014 die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit der Studie beauftragt. Die Aufarbeitung sei der Konzern den politisch Gefangenen schuldig, sagte Grube.

Wie viele der politischen Gefangenen für die DDR-Reichsbahn arbeiteten, ließ sich dabei nicht feststellen. Umso wichtiger sei die Befragung von Zeitzeugen gewesen, teilten die Historiker mit. So hätten die Forscher ein genaueres Bild vom Haftalltag, dem mangelnden Arbeitsschutz und auch den Häftlingstransporten erhalten. "Die Gefangenen mussten schuften, egal in welchem körperlichen Zustand sie waren", sagt Christopher Kopper, Historiker und einer der Autoren der Studie. Ein Arbeitstag habe nicht selten zwölf Stunden gehabt.

Die Häftlingstransporte hätten die Zeitzeugen als besonders demütigend und quälend empfunden. Daher widmeten die Autoren dem Thema in der Studie ein eigenes Kapitel. Bis zum Ende der DDR habe die Reichsbahn Gefangene transportiert, heißt es darin. "So würde man nicht mal Schweine transportieren", fasste Grube die Erzählungen der Zeitzeugen zusammen.

Entschädigungsforderungen von Betroffenen an den Konzern erteilte der Vorstandschef eine Absage. Es sei Aufgabe der Politik, eine Antwort auf die Frage nach der finanziellen Wiedergutmachung zu finden.