Kairo - Forscher entdecken Großstatue von Ramses II. In Kairo haben Forscher tonnenschwere Fragmente einer Ramses-Statue gefunden. Die Entdeckung wird vom ägyptischen Antikenminister als eine der wichtigsten der Forschungsgeschichte bezeichnet. © Foto: Mohamed Abd El Ghany/Reuters

Mit breiter Brust ist Ramses II. im altägyptischen Tempelbezirk Heliopolis aus dem Grundwasser aufgetaucht. "Vom Bauchnabel bis zur Oberlippe" reicht das etwa sieben Tonnen schwere Fragment, berichtete Dietrich Raue, Archäologe an der Uni Leipzig, am Freitag am Telefon. Bei Notgrabungen in einer Baugrube im heutigen Kairoer Innenstadtbezirk Matariya hat er mit einem deutsch-ägyptischen Team die Kolossalstatue des Pharaos aus der 19. Dynastie des Neuen Reichs entdeckt.

Neben dem Torso wurde auch der Kopf der Statue mit Krone freigelegt, unweit davon ihr Fundament. Die Gesamthöhe schätzt Raue auf neun Meter. Die schweren Fragmente sollen am kommenden Montag mit einem Kran vollständig geborgen werden. "Aufgrund der massiven Größe der Statue kann ich bestätigen, dass sie Ramses darstellt und keinen anderen König", sagte Zahi Hawass, führender ägyptischer Archäologe und ehemaliger Minister für Altertümer.

Hohe künstlerische Qualität

Häufig wird von archäologischen Sensationsfunden berichtet, dies ist allem Anschein nach tatsächlich einer. Raue schwärmt von der künstlerischen Qualität der vor rund 3.200 Jahren entstandenen Skulptur: Das Quarzit, aus dem sie besteht, ein gehärteter Sandstein, habe eine besonders exakte Bildhauerarbeit ermöglicht. Das zeige sich etwa in den exquisit geformten Schlüsselbeinen des Pharao. "Die Verglasung des Gesteins erzeugt zudem eine besondere hellbraune Maserung und einen Glitzerglanz", sagt Raue.

Bedeutend ist die Entdeckung auch wegen des Fundortes: Die Heliopolis ist das Zentrum des Sonnenkults, der altägyptischen Religion über drei Jahrtausende. Dort wandelte sich die mythische Landschaft der Weltentstehung in einen Tempelbezirk, errichtet auf dem "Urhügel" Heliopolis. "Und im Hof des ersten Tempels stand die Statue Ramses II., die wir jetzt freilegen", sagt Dietrich Raue.

Für den Archäologen Raue war der Fund ein besonderer Moment. "Am Anfang glaubt man's nicht. Und man hat die ganze Zeit im Kopf, okay, das darf jetzt wirklich nicht schief gehen. Man ahnt, dass man das nicht noch mal kriegt", sagte der dem Deutschlandradio Kultur.

Die Funde sollen in Kairoer Museen gezeigt werden

Am originalen Fundort könne leider kein archäologischer Park entstehen, um die neuen Entdeckungen und andere bereits von Raues Team geborgene Spuren der Tempelanlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "In Kairo wird jeder Bauplatz für die Menschen gebraucht", sagt Raue. Weil die Fundstätte zudem zwei Meter unter dem Grundwasserspiegel liegt, könne sie unmöglich begehbar gemacht werden.

Der Ägyptologe Chaled Nabil Osman sprach von einem "beeindruckenden Fund" und der Möglichkeit, dass sich noch mehr altertümliche Schätze am Fundort befinden. "Er war das kulturelle Zentrum des alten Ägyptens, er wird sogar in der Bibel erwähnt", sagte er. "Die traurige Nachricht ist, dass das gesamte Gebiet gesäubert werden müsste, die Abwasserkanäle und der Markt sollten verlegt werden."

Kleinere Stücke will die ägyptische Antikenbehörde ab dem Frühjahr aber in einem neuen "Site Museum" unweit des einstigen Tempelbezirks ausstellen. Die Ramses-Statue soll nach Aussagen des Antikenministers im geplanten Grand Egyptian Museum in Gizeh gezeigt werden.

Ramses II. wurde auch "der Große" genannt. Der für seine Kriegszüge und Bautätigkeit bekannte Pharao herrschte ab 1279 vor Christus für 66 Jahre über Ägypten. Er ließ unter anderem den berühmten Tempel von Abu Simbel im Süden des Landes erbauen.