Erste Erfolge bei HIV-Impfstoff Aufwind für die Aids-Forschung

Eine Studie belegt erstmals einen Impfschutz gegen HIV. Nach mehr als 20 Jahren voller Rückschläge macht dieser Erfolg den Aids-Forschern neue Hoffnung.

Die Ergebnisse einer Studie in Thailand belegen erstmals, dass ein Impfstoff eine HIV-Infektion bei Erwachsenen verhindern könne, berichteten die Weltgesundheitsorganisation WHO und UNAIDS am Donnerstag.

Nach Angaben des Herstellers Sanofi-Pasteur gab es mit dem Impfstoff namens RV 144 rund ein Drittel weniger HIV-Infektionen als mit einem Scheinimpfstoff (Placebo). Thailands Gesundheitsminister Withaya Kaewparadai bezeichnete das Ergebnis als "Durchbruch", da es das erste Mal war, dass ein HIV-Impfstoff vorbeugend wirkte.

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Dieser Impfstoff ist bei Weitem das Beste, was wir je gesehen haben

Ralf Wagner, Aids-Forscher

An der Studie nahmen 16.402 Thailänder im Alter zwischen 18 und 30 Jahren teil. Unter diesen jungen Erwachsenen waren nicht nur Mitglieder der HIV-Risikogruppen, zu denen Drogenabhängige, Homosexuelle, Prostituierte und Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern gezählt werden. Die Hälfte der Probanden wurde im Jahr 2006 mit einem Kombinationsimpfstoff aus zwei genetisch veränderten Vakzinen geimpft. Die andere Hälfte bekam ein Placebo.

Daraufhin wurden bei den Studienteilnehmern drei Jahre lang regelmäßig HIV-Tests durchgeführt. Bis 2009 hatten sich 74 Menschen aus der Placebo-Gruppe infiziert. Von den mit dem Kombinationspräparat Geimpften stecken sich nur 51 mit dem Aids-Virus an.

Aus diesen Zahlen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der Impfstoff flächendeckend eingesetzt wirklich jeden dritten Menschen vor Aids schützen könnte. Die Zahlen der Infizierten aus den Vergleichsgruppen sind zu gering, um sie auf die Gesamtbevölkerung hochzurechnen.

Hinzu kommt, dass es bei dieser Studie dem Zufall unterlag, wer sich mit dem HI-Virus infizierte. Im Vorfeld wurden die Probanden darüber aufgeklärt, wie man sich durch Kondome und andere Maßnahmen vor einer Ansteckung schützen kann. Um wirklich valide Zahlen zur Wirksamkeit einer Vakzine zu erhalten, müsste man die Probanden aus zwei Vergleichsgruppen absichtlich mit dem Virus infizieren, was nicht infrage kommt.

Dennoch ist das Ergebnis der Studie für die Forscher ein Erfolg. Sie zeige nach 20 Jahren voller Rückschläge in der Aids-Impfstoffforschung, dass es möglich sei, eine Vakzine zu finden. "Es ist bei Weitem das Beste, was wir bisher gesehen haben", sagte Ralf Wagner, Mikrobiologe an der Universität Regensburg zu dem Erfolg seiner US-Kollegen.

Bislang hatte es weniger als eine Hand voll Impfstoffe gegeben, die es überhaupt in die Phase 3 der klinischen Erprobung geschafft hatten – also an einer größeren Gruppe von Menschen getestet wurden. Am Ende bot keines der Mittel einen nachweisbaren Impfschutz vor Aids. Die zunächst aussichtsreichste Studie namens STEP musste im Jahr 2007 mit einem ernüchternden Ergebnis abgebrochen werden: Der Impfstoff hatte das Infektionsrisiko der Testkandidaten sogar erhöht, anstatt, wie erhofft, vor einer Ansteckung zu schützen. "Das hat die gesamte Vakzine-Forschung in eine tiefe Depression gestürzt", sagte Aids-Wissenschaftler Wagner.

Anthony S. Fauci, der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten NIAD, wollte angesichts der neuen Ergebnisse zwar nicht von einem Durchbruch sprechen, maß ihnen aber ebenfalls eine hohe Bedeutung zu, wie die New York Times schrieb. Die Wissenschaftler waren selbst überrascht von dem Ergebnis, denn einzeln eingesetzt hatten beide in dem Kombi-Impfstoff enthaltenen Wirkstoffe beim Menschen bislang noch keinen messbaren Impfschutz bewirkt.

Für den deutschen Aids-Forscher Wagner ist der Erfolg seiner US-Kollegen vor allem ein Signal des "Wiederaufbruchs" in der Impfstoffforschung. Die Lösung im Kampf gegen Aids sei er nicht. Einen hundertprozentigen Schutz gegen HIV wird es nach heutigem Wissensstand wohl niemals geben: Dazu ist das Virus zu wandlungsfähig.

Das oberste Ziel internationaler Gesundheitsbehörden und neuer Studien ist vielmehr "die Infektionskette in Ländern der Dritten Welt zu unterbrechen", sagte Wagner. Im Kampf gegen die unheilbare Immunschwächekrankheit bleibt "Safer Sex" weiterhin das einzig wirksame Mittel.

 
Leser-Kommentare
  1. Jeder, der in Statistik ein wenig aufgepasst hat, dem fällt auf, dass diese Zahlen schon beim ersten Betrachten absolut nicht signifikant sind!!!
    Es hätte genauso gut 1/3 mehr Infizierte mit Impfstoff geben können. Die Überschrift und die Meinungen sind sind schlicht Sensationspolitik. Von einer seriösen Zeitung hätte man angesichts der vorhandenen Zahlen eine objektive Bilanz ziehen können.
    Nochmal zum mitmeißeln:
    16.402 Probanden, 74 Infizierte mit Placebo, 51 Infizierte mit Superimpfstoff. Ich bitte euch! Wenn beim Impfstoff jetz nur 1-5 Infizierte gegeben hätte, okay, aber 51! Da brauch man nicht mal nachrechnen...

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    Da kann ich mich nur anschließen.

    Wie genau soll diese "Studie" die Wirksamkeit nachweisen? Dadurch dass sich "nur" 51 geimpfte gegenüber 73 nicht geimpften ZUFÄLLIG Infizierten nachweisen lassen? Ich könnte mich totlachen, wenns nicht so traurig wäre, dies als Fortschritt oder Nachweis für eine Wirksamkeit zu bezeichnen.

    Mir ist auch klar, dass man Niemanden absichtlich infizieren darf um eine Studie durchzuführen, aber unter solchen Umständen von einer ernsthaften Studie überhaupt sprechen zu wollen ist tatsächlich schlicht unverschämt und reißerisch.

    • mwo
    • 24.09.2009 um 13:45 Uhr

    Es stimmt sicher, dass das kein Traumergebnis ist. Aber ein positiver Trend ist doch sichtbar. Und mehr steht auch an keiner Stelle des Artikels! Ich muss allerdings zugeben, dass ich zuerst auch mehr in die Überschrift reininterprtiert habe.

    Die Signifikanz ist (zum etablierten Niveau von 5%) durchaus gegeben.

    Werden die Stichprobenumfänge in der Placebo- und Behandlungsgruppe als gleich groß vorausgesetzt, so erhält man mit dem Chi^2-Test auf Unabhängigkeit in der Vierfeldertafel einen p-Wert von 0.04824 < 5%.

    Da kann ich mich nur anschließen.

    Wie genau soll diese "Studie" die Wirksamkeit nachweisen? Dadurch dass sich "nur" 51 geimpfte gegenüber 73 nicht geimpften ZUFÄLLIG Infizierten nachweisen lassen? Ich könnte mich totlachen, wenns nicht so traurig wäre, dies als Fortschritt oder Nachweis für eine Wirksamkeit zu bezeichnen.

    Mir ist auch klar, dass man Niemanden absichtlich infizieren darf um eine Studie durchzuführen, aber unter solchen Umständen von einer ernsthaften Studie überhaupt sprechen zu wollen ist tatsächlich schlicht unverschämt und reißerisch.

    • mwo
    • 24.09.2009 um 13:45 Uhr

    Es stimmt sicher, dass das kein Traumergebnis ist. Aber ein positiver Trend ist doch sichtbar. Und mehr steht auch an keiner Stelle des Artikels! Ich muss allerdings zugeben, dass ich zuerst auch mehr in die Überschrift reininterprtiert habe.

    Die Signifikanz ist (zum etablierten Niveau von 5%) durchaus gegeben.

    Werden die Stichprobenumfänge in der Placebo- und Behandlungsgruppe als gleich groß vorausgesetzt, so erhält man mit dem Chi^2-Test auf Unabhängigkeit in der Vierfeldertafel einen p-Wert von 0.04824 < 5%.

  2. Da kann ich mich nur anschließen.

    Wie genau soll diese "Studie" die Wirksamkeit nachweisen? Dadurch dass sich "nur" 51 geimpfte gegenüber 73 nicht geimpften ZUFÄLLIG Infizierten nachweisen lassen? Ich könnte mich totlachen, wenns nicht so traurig wäre, dies als Fortschritt oder Nachweis für eine Wirksamkeit zu bezeichnen.

    Mir ist auch klar, dass man Niemanden absichtlich infizieren darf um eine Studie durchzuführen, aber unter solchen Umständen von einer ernsthaften Studie überhaupt sprechen zu wollen ist tatsächlich schlicht unverschämt und reißerisch.

  3. Ich denke schon, daß die Zahlen OK sind. Nimmt man mal Wurzel(N) als Standardabweichung, dann sind das 74 plusminus 9 und 51 plusminus 7.
    Die wahrscheinlichkeit, daß der Unterschied nur durch statistischen Zufall zustande kommt ist also verschwindend gering.

    Aber so oder so: Auch mit einer um ein drittel gesenkten Wahrscheinlichkeit ist mir mein Leben noch deutlich zu schade, um eine Infektion mit HIV zu riskieren.

    • mwo
    • 24.09.2009 um 13:45 Uhr

    Es stimmt sicher, dass das kein Traumergebnis ist. Aber ein positiver Trend ist doch sichtbar. Und mehr steht auch an keiner Stelle des Artikels! Ich muss allerdings zugeben, dass ich zuerst auch mehr in die Überschrift reininterprtiert habe.

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    Allerdings, so meine ich, sollte eine Headline möglichst präzise die Kernaussage des Beschriebenen wiedergeben.Natürlich darf Sie auch Neugierde erwecken, von seriösem Journalismus erarte ich allerdings das ich beim Lesen des Artikels durch die durch die Überschrift erweckten Erwartungen, nicht enttäuscht werde. Genau dies geschieht hier, da mir die Überschrift zu unpräzise erscheint. Besser wäre es vielleicht gewesen die Headline folgendermaßen einzuleiten: Teilerfolg in der HIV-Impfstoff-Forschung....

    Allerdings, so meine ich, sollte eine Headline möglichst präzise die Kernaussage des Beschriebenen wiedergeben.Natürlich darf Sie auch Neugierde erwecken, von seriösem Journalismus erarte ich allerdings das ich beim Lesen des Artikels durch die durch die Überschrift erweckten Erwartungen, nicht enttäuscht werde. Genau dies geschieht hier, da mir die Überschrift zu unpräzise erscheint. Besser wäre es vielleicht gewesen die Headline folgendermaßen einzuleiten: Teilerfolg in der HIV-Impfstoff-Forschung....

  4. Allerdings, so meine ich, sollte eine Headline möglichst präzise die Kernaussage des Beschriebenen wiedergeben.Natürlich darf Sie auch Neugierde erwecken, von seriösem Journalismus erarte ich allerdings das ich beim Lesen des Artikels durch die durch die Überschrift erweckten Erwartungen, nicht enttäuscht werde. Genau dies geschieht hier, da mir die Überschrift zu unpräzise erscheint. Besser wäre es vielleicht gewesen die Headline folgendermaßen einzuleiten: Teilerfolg in der HIV-Impfstoff-Forschung....

    Antwort auf "Nicht signifikant?"
  5. Da kann ich meinen Mitkommetatoren nur recht geben.
    Die Überschrift impliziert, das schon einen wirksamen Impfstoff entwickelt wurde. Bitte ändern. Das weckt nur falsche Hoffnungen.

  6. 7. ?

    Die Überschrift steht unter dem Titel "Erste Erfolge..."
    Das Thema HIV ist ein Reizthema, da damit Leben oder langsamer Tod verbunden werden, aber eine Überschrift "Erste Erfolge beim Fluggeräte Bau" würde Strecken unter denen von Wright beinhalten.

    Also bleiben sie bitte auf dem Teppich der Tatsachen.

  7. Die Signifikanz ist (zum etablierten Niveau von 5%) durchaus gegeben.

    Werden die Stichprobenumfänge in der Placebo- und Behandlungsgruppe als gleich groß vorausgesetzt, so erhält man mit dem Chi^2-Test auf Unabhängigkeit in der Vierfeldertafel einen p-Wert von 0.04824 < 5%.

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    Auch wenn die Signifikanz gerade so gegeben ist (0.048 ist nicht gerade üppig) darf man nicht außer acht lassen dass es sich nicht um ein kontrolliertes und definiertes System handelt. Übertrieben gesagt: es kann genauso gut behauptet werden dass die infizierten 125 Menschen eben die einzigen waren die während des Untersuchungszeitraums ungeschützten Verkehr hatten. Es geht hier nicht um engmaschig überwachte Versuchstiere sondern eben um Menschen deren Verhalten sie nicht kontrollieren können.
    Worauf ich hinaus will ist dass mathematische Richtigkeit nicht unbedingt bedeutet dass eine Studie auch Aussagekräftig ist

    Auch wenn die Signifikanz gerade so gegeben ist (0.048 ist nicht gerade üppig) darf man nicht außer acht lassen dass es sich nicht um ein kontrolliertes und definiertes System handelt. Übertrieben gesagt: es kann genauso gut behauptet werden dass die infizierten 125 Menschen eben die einzigen waren die während des Untersuchungszeitraums ungeschützten Verkehr hatten. Es geht hier nicht um engmaschig überwachte Versuchstiere sondern eben um Menschen deren Verhalten sie nicht kontrollieren können.
    Worauf ich hinaus will ist dass mathematische Richtigkeit nicht unbedingt bedeutet dass eine Studie auch Aussagekräftig ist

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