Witze können grausam sein. "Herr Doktor, ich habe immer wieder furchtbare Angst, vor der Pforte des Todes zu stehen", sagt der Patient. Die Antwort: "Nur Mut, mein Lieber, ich bringe Sie schon durch!"

Der böse Scherz hat ungeahnte Aktualität gewonnen, nachdem ein Arzt für Allgemeinmedizin aus Berlin-Hermsdorf in einer Gruppensitzung "psycholytische" Methoden angewandt hat, um mit bewusstseinsverändernden Mitteln seelische Verknotungen zu lösen. Zwei Menschen starben dabei, weitere Personen erkrankten schwer. Die Frage drängt sich auf, wie riskant ausgerechnet die Therapien sind, die die Seele eigentlich heilen sollen.

Welche Rolle spielen Medikamente in der Behandlung seelischer Erkrankungen?

Die meisten Psychotherapeuten haben Psychologie studiert. Sie behandeln selbst nicht mit Medikamenten. Der Hermsdorfer Therapeut praktizierte allerdings als Arzt und konnte deshalb prinzipiell Arzneimittel verordnen – aber selbstverständlich nur zugelassene, keine illegalen, wie er es offenbar in diesem Fall getan hat.

Grundsätzlich sind Medikamente in der Psychiatrie eine wichtige Säule der Behandlung. "Wir geben allerdings nie Medikamente gezielt für eine psychotherapeutische Sitzung", sagt Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.

Vor allem in der Behandlung von Angststörungen und Depressionen gehen Pharmakotherapie beim Arzt und Psychotherapie beim Psychologen oft Hand in Hand. Die Behandler sprechen dann von einem multimodalen Konzept. "Viele unserer Patienten brauchen gerade zu Beginn Medikamente, um überhaupt therapiefähig zu werden", sagt die Aachener Psychotherapeutin Barbara Lubisch von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPTV).