Impfungen in Entwicklungsländern Ein Kühlschrank kann Leben retten
Bis 2015 sollen Impfungen 4,5 Millionen Kindern jährlich das Überleben sichern. Manchmal hat es banale Gründe, wenn die Hilfe nicht überall ankommt.
© Inka Reichert

Im Krankenhaus des Armenviertels Cité Soleil warten haitianische Mütter mit ihren Kindern auf eine Impfung. Noch immer sterben die meisten Kinder in Entwicklungsländern an vermeidbaren Infektionskrankheiten
Die meisten Patienten des Sainte Catherine de Labouré Hospital in der haitianischen Hauptstadt Port au Prince sind nicht krank – sie kommen, um gesund zu bleiben. Vor allem Mütter brechen mit ihren Kindern täglich in den frühen Morgenstunden von einer der kleinen Blechhütten des Armenviertels Cité Soleil auf, um rechtzeitig zum Krankenhaus zu gelangen.
Denn dort lagern in einem alten, surrenden Kühlschrank Plastikampullen gefüllt mit Impflösungen gegen Polio, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus oder Masern – Infektionskrankheiten, an denen in Entwicklungsländern immer noch die meisten Kleinkinder sterben. Als eines der ärmsten Länder der Welt, ist die Impfrate in Haiti besonders niedrig, denn hier fehlen nicht nur die Impfstoffe.
Dabei wurde weltweit noch nie so viel geimpft wie im Jahr 2008, heißt es im Weltimpfbericht, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) und die Weltbank kürzlich vorstellten. Etwa 106 Millionen Kinder unter fünf Jahren erhielten die Standardspritze gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus. Die Todesfälle durch Masern sind zwischen 2000 und 2007 um 74 Prozent gesunken. "Impfungen haben bei diesem Rückgang eine wichtige Rolle gespielt", sagt die Unicef-Direktorin Ann Veneman. Jedes Jahr könnte so mittlerweile 2,5 Millionen Kindern das Leben gerettet werden.
Doch trotz dieses Erfolgs bemängeln die Autoren des Impfberichts, dass immer noch jedes fünfte Kind auf der Welt nicht geimpft ist. In den ärmsten Ländern, wie dem Karibikstaat Haiti, hat sogar jedes dritte Kind im vergangenen Jahr keinen Schutz vor den häufigsten Infektionskrankheiten erhalten.
Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen ist auch fast zehn Jahre nach der Jahrtausendwende noch lange nicht erreicht. Nun soll die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren bis spätestens 2015 von derzeit 65 auf 59 Todesfälle pro 1000 Geburten gesenkt werden.
Dabei sollen gerade immunisierende Spritzen einen wichtigen Beitrag leisten und bis 2015 weiteren zwei Millionen Kindern jährlich das Leben retten. Doch das Vorhaben ist kostspielig. Um die Impfrate weiter anzuheben, klafft dem Weltimpfbericht zufolge noch eine Finanzlücke von mindestens 670 Millionen Euro pro Jahr.
Insbesondere die neueren Impfstoffe sind teuer, gerade weil sie vor Krankheiten schützen, die überwiegend in ärmeren Ländern auftreten, wie Pneumokokken oder Rotaviren. Laut WHO haben die Pharmafirmen ihre Medikamente in der Vergangenheit billig an Entwicklungsländer verkauft, weil sie gleichzeitig einen hohen Preis dafür von den Industrienationen verlangten.
Heute hingegen brauchen Entwicklungsländer andere Impfstoffe als Industriestaaten, denn die kämpfen inzwischen gegen andere Erreger. Da es für viele Konzerne jedoch wenig lukrativ ist, eine Vakzine zu günstigen Preisen ausschließlich für arme Staaten anzubieten, werden diese entweder nur teuer oder eben gar nicht bereitgestellt. Beispielsweise sterben jährlich noch über 700.000 Kinder aus ärmeren Ländern an einer durch Pneumokokken verursachten, schweren Lungenentzündung, weil bereits entwickelte Impfstoffe nicht auf den Markt kommen.
- Datum 28.10.2009 - 15:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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