Medizin-Nobelpreis 2009 "Ein hochverdienter Preis für eine noch junge Forschung"

Die Entdeckung der Telomere und ihrer Enzyme hat auch den Kampf gegen Krebs vorangebracht. Ein Interview mit der Heidelberger Tumorforscherin Petra Boukamp.

Gefährliches Wachstum: Unter dem Elektronenmikroskop wird die Zelle eines Gebärmutterhalskarzinoms während der Teilung sichtbar. Prozesse die hierbei eine Rolle spielen, wurden zu großen Teilen von den diesjährigen Medizinnobelpreisträgern entdeckt

Gefährliches Wachstum: Unter dem Elektronenmikroskop wird die Zelle eines Gebärmutterhalskarzinoms während der Teilung sichtbar. Prozesse die hierbei eine Rolle spielen, wurden zu großen Teilen von den diesjährigen Medizinnobelpreisträgern entdeckt

ZEIT ONLINE: Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an drei US-Wissenschaftler, die aufgeklärt haben, dass die Enden der Chromosomen, die Telomere, anders als der Rest des Chromosoms aufgebaut sind, und eine Schutzfunktion für unser Erbgut darstellen. Sie verhindern, dass das Erbgut bei der Zellteilung beschädigt wird. Außerdem haben sie das Enzym Telomerase entdeckt, das abgenutzte Telomere ausbessern kann. Waren Sie überrascht, dass es dafür jetzt einen Nobelpreis gibt?

Petra Boukamp
Petra Boukamp

Seit 2001 leitet die Biologin eine Arbeitsgruppe zur Erforschung von Hautkrebs am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg (DKFZ). Seit 2004 hat Petra Boukamp dort eine Professur inne. Ihr Hauptinteresse gilt der Zellteilung bei Krebszellen. Sie erforscht unter anderem Mechanismen, mit denen sich das Wachstum von Tumorzellen eines Tages aufhalten lassen könnte.
 

Petra Boukamp: Nein, aber ich war erstaunt, dass Elizabeth Blackburn und die anderen den Nobelpreis für die Telomer-Forschung schon jetzt bekommen, für Arbeiten aus den achtziger Jahren. Selten wird eine so junge Forschung geehrt. Das zeigt auch die enorme Bedeutung ihrer Erkenntnisse: Bereits heute zeichnet sich ab, dass die Entdeckung der Telomerase für viele Bereiche von ganz großer Bedeutung ist, nämlich für Alterung und Krebsforschung.

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ZEIT ONLINE: Bekannt geworden ist die Telomerase als möglicher Jungbrunnen. Lange glaubte man, durch sie den Alterungsprozess einer Zelle und damit vielleicht sogar das Altern eines Lebewesens aufhalten zu können. Wie weit ist die Forschung auf diesem Gebiet?

Boukamp: Von der Idee des Jungbrunnens hat man heute wieder Abstand genommen. Aus Experimenten wissen wir, dass sich die Telomere, also die Schutzkappen auf den Chromosomen, nur sehr langsam abnutzen. Selbst 100-Jährige haben noch recht intakte Telomere. Es müssen also mehrere Faktoren zusammen kommen, damit zum Beispiel die Haut altert oder Krebs entsteht.

ZEIT ONLINE: Und welche sind das?    Boukamp: Damit eine Zelle mit defektem Erbgut im Körper Schaden anrichten kann, muss sie erst einmal dort bleiben und sich vermehren. Erst wenn bestimmte Kombinationen von Veränderungen in ein und der selben Zelle zusammenkommen, kann ein Tumor entstehen.

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