Elizabeth Blackburn konnte beweisen, dass Stress sich negativ auf die Zellen auswirkt
ZEIT ONLINE: Was ist das Wichtigste an der Arbeit der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger?

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Boukamp: Elizabeth Blackburn war nicht nur die erste, die die Schutzkappen identifiziert hat, sondern auch den Einfluss von Stress auf das Erbgut in der Zelle nachweisen konnte. Sie hat dazu zum Beispiel die Telomere bei Müttern von kranken und gesunden Kindern verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass die Frauen, die einer höheren Stressbelastung ausgesetzt waren, deutlich kürzere Schutzkappen auf ihren Chromosomen hatten. Psychologen kennen die negativen Auswirkungen von Stress schon länger, aber Blackburn konnte sie auch auf physiologischer Ebene zeigen. Neben seelischen Stress haben auch Umweltbelastungen, wie zum Beispiel UV-Strahlung, negativen Einfluss auf das Erbgut und die Schutzkappen in einer Zelle.
ZEIT ONLINE: Sie sagen, dass die Erkenntnisse auch für die Krebsforschung von Bedeutung sind. Warum?
Boukamp: Bei den Tumorzellen, die wir hier am DKFZ untersuchen, geht es darum, ihr Wachstum aufzuhalten. Und hier kommen die Telomere ins Spiel. Prinzipiell verkürzen sich die Telomere mit jeder Zellteilung. Ab einer bestimmten Kürze endet der Teilungsprozess normalerweise, doch nicht im Fall der Tumorzellen: Sie sind in der Lage, sich auch dann noch unkontrolliert zu vermehren, wenn die Telomere bereits sehr kurz sind.
Dazu bilden sie die Telomerase, die dafür sorgt, dass die Telomere nicht noch kürzer werden können. Das bedeutet: Wenn man in solchen Zellen die Telomerase etwa durch ein Medikament ausschalten könnte oder verhindern würde, dass das Reparatur-Enzym an den Chromosomen einer Krebszelle andockt, würde die Tumorzellen aufgrund zu kurzer Telomere womöglich absterben. Das Ziel ist also, mit solchen Telomerase-Inhibitoren das Tumorwachstum zu stoppen.
- Datum 06.10.2009 - 11:49 Uhr
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