Impfung gegen die Schweinegrippe Akute Unlust

Jahrzehnte ohne schwere Seuchen haben die Risikowahrnehmung verschoben. Die Angst vor Viren ist der Angst vor der Impfung gewichen. Ein Kommentar von Ulrich Bahnsen

In den USA stehen die Menschen inzwischen Schlange um eine Impfdosis gegen das Grippevirus H1N1 zu erhalten. In Deutschland überwiegt die Skepsis

In den USA stehen die Menschen inzwischen Schlange um eine Impfdosis gegen das Grippevirus H1N1 zu erhalten. In Deutschland überwiegt die Skepsis

Einer der wenigen echten Triumphe der modernen Medizin ist die Immunisierung gegen Infektionskrankheiten. Dieser Erfolg ist zugleich sein eigener größter Feind. In einer Bevölkerung, die den Schrecken nicht mehr kennt, den einst Masern, Kinderlähmung und Pocken verbreiteten, verschiebt sich die Risikowahrnehmung: Statt sich der Gefahr durch die Erreger bewusst zu sein, blickt man auf angebliche und reale Risiken der Impfstoffe.

Auch die vielen Toten der letzten Grippepandemie sind längst aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit gewichen. Das Resultat ist die allenthalben beklagte Impfmüdigkeit der Deutschen, wie sie jetzt auch wieder anlässlich der anlaufenden Impfkampagne gegen die als Schweinegrippe bekannt gewordenen Amerikagrippe zu besichtigen ist.

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Nur zwölf Prozent der befragten Bundesbürger wollen sich gegen den H1N1-Erreger impfen lassen, selbst vom medizinischen Personal will das gerade mal ein Fünftel. Die Skepsis ist verständlich – zumindest die der Laien. Immerhin handelt es sich um einen nicht gänzlich risikofreien
Eingriff an Gesunden. Zudem haben Politiker und Ärztefunktionäre mit einer Dissonanz wenig sachdienlicher Meinungsäußerungen nach Kräften dazu
beigetragen, uns die Impfung madig zu machen.

Unter genüsslicher Beteiligung der Medien wurden marginale Unterschiede in der Risikobewertung (Wirkverstärker! Herstellungsverfahren!) gegeneinander in Stellung gebracht. Und just die emotionale Frage der Impfung von Kindern und Schwangeren scheinen die Verantwortlichen nur nebenbei bedacht zu haben.

Leser-Kommentare
  1. ... wenn die Krankheiten so gefährlich sind, dass man leicht daran sterben kann und wenn es ein nennenswertes Infektionsrisiko gibt, wäre es auch vernünftig, sich impfen zu lassen.

    Ansonsten haben wohl die meisten den Kanal vom medialen Geschwurbel um die Schweinegrippe gestrichen voll. Immerhin, bisher hat uns die Schweinegrippe vor der allwinterlich durch Europa wütenden Vogelgrippe bewahrt.

  2. Warum werden solche Berichte wie "der Brief von Jean Jacques Crèvecoeur" im Netz zu finden nicht veröffentlicht??
    oder gar zurückgehalten
    genauso die Seite „ alles schall und rauch „ auch unter google zu finden
    danach kann sich jeder sein Urteil bilden

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    • Bommel
    • 29.10.2009 um 14:18 Uhr

    Es lohnt sich schon, einen Blick auf die Seite von "Alles Schall und Rauch" zu werfen, wenn man etwas für Verschwörungstheorien übrig hat. Der sachlichen Diskussion nützt das aber kaum. Und der der Brief von Jean Jacques Crèvecoeur wirft doch wohl auch definitiv mehr (Suggestiv-) Fragen auf, als er beantwortet.

    • Bommel
    • 29.10.2009 um 14:18 Uhr

    Es lohnt sich schon, einen Blick auf die Seite von "Alles Schall und Rauch" zu werfen, wenn man etwas für Verschwörungstheorien übrig hat. Der sachlichen Diskussion nützt das aber kaum. Und der der Brief von Jean Jacques Crèvecoeur wirft doch wohl auch definitiv mehr (Suggestiv-) Fragen auf, als er beantwortet.

  3. ... bei ihrer Dauerkampagne für den Impfstoff.

    Ich wüsste gerne, ob der Herr Autor sich hat impfen lassen.

    Die meisten Menschen stört wohl, dass in nur 6 Monaten ein neuer Impfstoff entwickelt und millionenfach produziert wurde, selbst wenn der Impfstoff nicht den Qualitätsstandards entsprechen würde, müssten die Pharmaunternehmen diesen vertreiben, weil sie sonst Verluste machen würden.

    Das manche Pharmaunternehmen zu so etwas fähig wären, zeigt die Geschichte, siehe Contergan.

    Und solange selbst Ärzte und medizinisches Personal sich nicht impfen lassen, hab ich kein Vertrauen in den Impfstoff...

    ... aber ich bin sicher der Herr Autor argumentiert hier mit medizinischen, wissenschaftlichen Argumenten. Ach, Moment, waren Ärzte die Leute mit einem Medizinstudium oder waren es Zeitungsreporter?

    mfg

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    Redaktion

    Lieber f.zillo,

    ZEIT ONLINE und DIE ZEIT betreiben natürlich keine Kampagne für eine H1N1-Impfung. Warum auch? Vielmehr versuchen wir als unabhängige Journalisten, die unterschiedlichen Fakten und Argumente zum Thema darzustellen und einzuordnen - was nicht immer einfach ist, da auch die Wissenschaft sich in vielen Punkten zu H1N1 nicht einig ist. Hinzu kommt, dass der neue Erreger erst noch gründlich erforscht werden muss.

    Der Autor, übrigens promovierter Mikrobiologe und seit 2001 Wissenschaftsredakteur der ZEIT, möchte sich tatsächlich impfen lassen: Das geht nur leider noch nicht. Erst sind die Risikogruppen dran.

    An Fachkompetenz mangelt es den Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE selbstverständlich nicht – neben promovierten Medizinern und Biologen arbeiten bei uns Redakteure aus nahezu allen naturwissenschaftlichen Disziplinen.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Redaktion

    Lieber f.zillo,

    ZEIT ONLINE und DIE ZEIT betreiben natürlich keine Kampagne für eine H1N1-Impfung. Warum auch? Vielmehr versuchen wir als unabhängige Journalisten, die unterschiedlichen Fakten und Argumente zum Thema darzustellen und einzuordnen - was nicht immer einfach ist, da auch die Wissenschaft sich in vielen Punkten zu H1N1 nicht einig ist. Hinzu kommt, dass der neue Erreger erst noch gründlich erforscht werden muss.

    Der Autor, übrigens promovierter Mikrobiologe und seit 2001 Wissenschaftsredakteur der ZEIT, möchte sich tatsächlich impfen lassen: Das geht nur leider noch nicht. Erst sind die Risikogruppen dran.

    An Fachkompetenz mangelt es den Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE selbstverständlich nicht – neben promovierten Medizinern und Biologen arbeiten bei uns Redakteure aus nahezu allen naturwissenschaftlichen Disziplinen.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    • Bommel
    • 29.10.2009 um 14:18 Uhr

    Es lohnt sich schon, einen Blick auf die Seite von "Alles Schall und Rauch" zu werfen, wenn man etwas für Verschwörungstheorien übrig hat. Der sachlichen Diskussion nützt das aber kaum. Und der der Brief von Jean Jacques Crèvecoeur wirft doch wohl auch definitiv mehr (Suggestiv-) Fragen auf, als er beantwortet.

    Antwort auf "was zu denken"
  4. Redaktion

    Lieber f.zillo,

    ZEIT ONLINE und DIE ZEIT betreiben natürlich keine Kampagne für eine H1N1-Impfung. Warum auch? Vielmehr versuchen wir als unabhängige Journalisten, die unterschiedlichen Fakten und Argumente zum Thema darzustellen und einzuordnen - was nicht immer einfach ist, da auch die Wissenschaft sich in vielen Punkten zu H1N1 nicht einig ist. Hinzu kommt, dass der neue Erreger erst noch gründlich erforscht werden muss.

    Der Autor, übrigens promovierter Mikrobiologe und seit 2001 Wissenschaftsredakteur der ZEIT, möchte sich tatsächlich impfen lassen: Das geht nur leider noch nicht. Erst sind die Risikogruppen dran.

    An Fachkompetenz mangelt es den Redaktionen von ZEIT und ZEIT ONLINE selbstverständlich nicht – neben promovierten Medizinern und Biologen arbeiten bei uns Redakteure aus nahezu allen naturwissenschaftlichen Disziplinen.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

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    Dann möchte ich mich für meine Polemik entschuldigen.

    Leider ist die Debatte um den Impfstoff weniger eine Abwägung von wissenschaftlichen Fakten, sondern vielmehr ein Streit zwischen den Interessengruppen Industrie, Politik und Ärzten.

    Ich denke, reale Daten zu den Impfstoffstudien würden eine objektivere Meinungsbildung fördern.

    mfg

    Liebe Zeitredaktion,
    da Sie das versammelte Fachwissen in der Zeitredaktion so hervorheben frage ich mich wie es dazu kommen konnte dass ein Kommentar veröffentlicht wird wie der von Irene Berres am 03.09.2009. (Wenn Sie nicht eine so selbstbewusste Aussage gemacht hätten, hätte ich mir wahrscheinlich diesen Beitrag gespart.)
    Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine solche billige Stimmungsmache von
    der Zeit präsentiert bekomme. Ein Beispiel für einen konstruktiven
    interessanten Kommentar zum Thema Schweinegrippe und Massenimpfungen finden Sie bei Nature unter folgendem link
    http://www.nature.com/nat...

    Dann möchte ich mich für meine Polemik entschuldigen.

    Leider ist die Debatte um den Impfstoff weniger eine Abwägung von wissenschaftlichen Fakten, sondern vielmehr ein Streit zwischen den Interessengruppen Industrie, Politik und Ärzten.

    Ich denke, reale Daten zu den Impfstoffstudien würden eine objektivere Meinungsbildung fördern.

    mfg

    Liebe Zeitredaktion,
    da Sie das versammelte Fachwissen in der Zeitredaktion so hervorheben frage ich mich wie es dazu kommen konnte dass ein Kommentar veröffentlicht wird wie der von Irene Berres am 03.09.2009. (Wenn Sie nicht eine so selbstbewusste Aussage gemacht hätten, hätte ich mir wahrscheinlich diesen Beitrag gespart.)
    Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine solche billige Stimmungsmache von
    der Zeit präsentiert bekomme. Ein Beispiel für einen konstruktiven
    interessanten Kommentar zum Thema Schweinegrippe und Massenimpfungen finden Sie bei Nature unter folgendem link
    http://www.nature.com/nat...

  5. Die Impfempfehlung beruht doch nur auf Annahmen. Wenn die Annahmen eintreffen, kann man sich immer noch impfen lassen.
    Wenn das Virus sich zum bösartigen ändert, wenn die Nebenwirkungen bei der Massenimpfung sich als harmlos herausstellen und wenn es klar ist, dass der Impfstoff auch gegen das mutierte Virus hilft, dann kann man sich immer noch impfen lassen.

    Vorher ist die Impfung sinnlos. So einfach ist das!

  6. Schweinegrippe ist unter Menschen ansteckend, sekundär. Influenza wird aber primär durch kaltes Trinkwasser ausgelöst. Menschen scheiden das Schweinegrippevirus mit Erbrochenem und Durchfall aus, via Abwasser in Gewässer. Schweine sind im Winter bis zu 90% mit Influenza durchseucht. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und Ausscheidungen aus Nase und Maul/Schnabel das Wasser. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Alle Gewässer sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb treten Influenzaepidemien im Winter auf. Kleine Viren werden im Wasserwerk unzureichend oder gar nicht gefiltert. Im Winter wird uns die Schweinegrippe via Trinkwasser anstecken.

    Die Erde ist eine Scheibe, die Sonne dreht sich um die Erde, Cholera kommt mit Tröpfchen wie die Influenza, abweichende Meinungen verfolgt die Inquisition der staatlich verordneten Wissenschaft!

    soddemann-aachen@t-online.de
    http://sites.google.com/s...

  7. 8.

    Dann möchte ich mich für meine Polemik entschuldigen.

    Leider ist die Debatte um den Impfstoff weniger eine Abwägung von wissenschaftlichen Fakten, sondern vielmehr ein Streit zwischen den Interessengruppen Industrie, Politik und Ärzten.

    Ich denke, reale Daten zu den Impfstoffstudien würden eine objektivere Meinungsbildung fördern.

    mfg

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