Welt-Aids-Tag 2009 Leben ist schon viel
Heike Schumacher weiß seit 17 Jahren vom Virus in ihrem Körper. Ihr Job, ihre Familie und ihre offensive Art bewahren sie vor der Isolation.

Das Zwitschern der Vögel oder gute Musik – für Menschen, die unheilbar krank sind, bekommen solche scheinbar kleinen Dinge häufig einen größeren Wert
Nein, sie schämt sich nicht. Warum sollte sie auch? Es ist, wie es ist. Heike Schumacher* ist froh, dass sie sich nicht in Selbstvorwürfen zerfleischt, das würde auch nichts nützen. Stattdessen kämpft sie, hat sich ihren Lebensmut nicht nehmen lassen. Jetzt, da es ihr wieder besser geht, ist sie "nicht optimistischer als der Durchschnittsmensch". Aber als es hart auf hart kam, als sie nicht wusste, wie viel Zeit ihr noch zum Leben bleiben würde, als die Ärzte ihr höchstens noch ein Jahr gaben, da bejahte sie ihr Leben. Sie dachte: Jetzt erst recht.
Heike Schumacher ist 45. Die Diagnose: HIV-positiv. Mit 28 Jahren hatte sie den Test machen lassen; mehr aus Routine, denn aus Sorge: "Ich hab' doch sowieso nichts", dachte sie. Dann kam das Ergebnis. Und das Blutbild zeigte, dass sie sich schon vor einigen Jahren bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr angesteckt haben musste. Wann genau und bei wem, weiß sie nicht.
- Das Virus
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Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ist eine Viruserkrankung, die das Immunsystem des Menschen angreift und dauerhaft schwächt. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Virus HIV (Human immunodeficiency virus).
Vermutlich erreichte das Virus Deutschland erstmals Ende der siebziger Jahre. Erste Fälle wurden in den Achtzigern bekannt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten seit dem Ausbruch der Epidemie in Deutschland rund 86.500 Menschen an HIV und 36.500 an Aids.
- In Deutschland
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In Deutschland leben derzeit rund 70.000 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 57.000 davon sind Männer, 13.000 Frauen. Der Anteil derer, die sich mit der Immunschwäche-Krankheit angesteckt haben, ist mit 42.000 Betroffenen unter homosexuellen Männern am größten. Im Jahr 2010 haben sich nach der aktuellen Schätzung des RKI 3000 Menschen neu mit HIV infiziert, ähnlich viele wie in den Vorjahren.
Seit dem Ausbruch der Krankheit sind in Deutschland bisher 29.000 Menschen an Aids gestorben, 550 davon in diesem Jahr. Jährlich am 1. Dezember findet der Weltaidstag statt, um auf die Vorbeugung durch Safer Sex aufmerksam zu machen und Betroffenen zu gedenken.
- In der Welt
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Im Weltaidsbericht der Vereinten Nationen wurden zuletzt 33,4 Millionen Menschen mit dem Virus erfasst – darunter 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren. 2009 haben sich 2,6 Millionen neu infiziert, 1,8 Millionen sind im gleichen Jahr an den Folgen der Krankheit gestorben. Die Zahl der Aids-Toten nimmt vor allem dort ab, wo durch Hilfsprogramme Medikamente zur Verfügung stehen. Sie können das Leben HIV-Infizierter deutlich verlängern. Eine Heilung gibt es bis heute aber nicht.
Das am schlimmsten betroffene Gebiet ist nach wie vor Afrika. Allein südlich der Sahara infizierten sich im Jahr 2009 1,8 Millionen Menschen.
Ein Jahr ging es ihr noch gut. Das lebte sie auf der Überholspur: Gönnte sich keinen Schlaf, weil schlafen vergeudete Zeit war. Hing nicht mehr vor dem Fernseher ab, vergammelte keinen Sonntag mehr. Sie wurde hyperaktiv und offensiv. Zum Beispiel bei dem Mann, den sie kennen lernte. Sie sprach ihn einfach an, ohne darüber nachzudenken. Früher hätte sie sich das nicht getraut. Ihr neues Lebensmotto wurde: Was kostet die Welt? Ich nehm' sie mir! Weil sie wusste, sie würde nicht ewig Zeit haben.
Dann, ein Jahr nach der Diagnose, kamen die ersten Krankheiten: Durchfall, der nicht mehr aufhörte, 20 Kilogramm nahm sie in einem halben Jahr ab. Sie bekam NRT-Hemmer,Medikamente die die Viren daran hindern, sich in die Zellen einzuschleusen und sich so zu vermehren. Doch der Erfolg dieses Mittels ist begrenzt – irgendwann wird das Aids-Virus resistent dagegen.
Als Nebenwirkungen auf die HIV-Medikamente gingen Heike Schumachers Blutwerte in den Keller. Weil das Immunsystem geschwächt war, folgten Lungen- und Bauchspeicheldrüsenentzündungen, in Folge eines weiteren Virus erblindete sie auf dem rechten Auge. Schließlich wurde sie so schwach, dass sie nur noch zwischen dem Krankenhaus und ihrem Bett zu Hause pendelte, ständig Infusionen brauchte. Sie wog 35 Kilogramm.
- Datum 01.12.2009 - 10:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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In den 1980er Jahren wurden weltweit Bluter durch Medikamente mit HIV infiziert. Mehr als 10.000 Söhne, Brüder, Väter und Partner starben an den Folgen von AIDS. Der Tod kam mit den vermeintlich lebensrettenden Medikamenten.
Profitgier der Pharmaindustrie in Verbindung mit unfähigen Aufsichtsbehörden haben den größten Medizinskandal nach Contergan verursacht.
Mehr dazu unter:
http://zwischenzeit.de/bl...
erschliesst sich einem auch OHNE eine tödliche Krankheit. Gut, man braucht etwas mehr Ruhe und Musse, aber sonst geht es auch so.
Natürlich verdrängt man es gerne, aber schaut man sich das komplizierte Zusammenspiel des Lebens an, kann es nie schaden, kurz mal darüber nachzudenken, wie fragil das eigene Leben ist. ( Und wie schnell es auch beendet sein kann )
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