Aids in Entwicklungsländern Afrika braucht neue Medikamente
Wer in Afrika überhaupt gegen Aids behandelt wird, bekommt günstige Generika. Doch da Pharmaunternehmen Patente halten, erreichen moderne Mittel die Menschen nicht.
© Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Hier, in Johannesburg, leben HIV-positive Mütter mit ihren Kindern in einer Einrichtung. Während die Zahl der Neuinfektionen in Südafrika abnimmt, gibt es immer mehr Aids-Waisen
Noch immer ist Aids eine unheilbare Krankheit – doch eine Vielzahl an Medikamenten ermöglicht es HIV-Positiven heute, den Ausbruch der Krankheit hinauszuzögern, Symptome zu lindern und zum Teil Jahrzehnte mit der Erkrankung zu leben. Nicht so in Afrika, Asien und anderen weniger entwickelten Teilen der Erde: Dort sind viele Menschen von so einer Behandlung abgeschnitten. Denn viele der Aids-Medikamente sind patentrechtlich geschützt – und damit zu teuer für die Menschen in Entwicklungsländern.
In Swaziland ist jeder Dritte zwischen 15 und 49 Jahren mit dem Aids-Virus infiziert. 47 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren führen die Ärzte ohne Grenzen auf den Erreger HIV zurück. Ähnlich dramatisch sind die Zahlen für Botswana, Zimbabwe oder Namibia.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb zum Welt-Aids-Tag Pharmafirmen in aller Welt auf, die Patente für neue Aids-Medikamente in den "Patent-Pool" der Organisation Unitaid einzubringen, die sich für die Versorgung mit Medikamenten in Entwicklungsländern einsetzt. In einem solchen Pool stellen Patentinhaber ihre Rechte anderen Herstellern für ärmere Länder zur Verfügung.
"Mithilfe dieser Patente können lebensnotwendige Medikamente entwickelt und zu erschwinglichen Preisen als Generika produziert werden", sagte Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen. Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, warfen Mitglieder der internationalen Hilfsorganisation am Vortag des Welt-Aids-Tages auf dem Münchner Odeonsplatz eine große Pille in einen Pool.
Nach Einschätzung von Unitaid bekommen mehr als 90 Prozent der HIV-positiven Menschen in Entwicklungsländern, die überhaupt Zugang zu einer Behandlung haben, solche günstigen Generika, die die gleichen Wirkstoffe enthalten wie die teureren Originale. Die meist aus Indien stammenden Generika, die dort wegen des bis 1995 fehlenden Patentschutzes hergestellt werden können, haben die HIV-Behandlung in den ärmeren Ländern überhaupt erst erschwinglich gemacht. Bis auf 80 Dollar im Jahr konnten bei manchen Medikamenten die Preise gesenkt werden. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen 1200 Euro im Monat für dieselbe Behandlung.
Doch weil die Resistenzen gegen diese vorhandenen Mittel zunehmen, sind die Menschen dort dringend auf neue Wirkstoffe angewiesen. Außerdem fehlen in den Entwicklungsländern die notwendigen Medikamente für eine Kombinationstherapie. Unitaid, Ärzte ohne Grenzen und das Aktionsbündnis gegen Aids fordern deshalb die Freigabe der Patente für modernere Wirkstoffe.
"Was sollen wir den Patienten sagen, die wir über mehrere Jahre behandelt haben und die ohne die Nachfolgemedikamente zum Sterben verurteilt sind?", sagte Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation behandelt aktuell 140.000 Aids-Patienten weltweit. Moldenhauer verwies am Rande der Veranstaltung in München vor allem darauf, dass durch den geplanten Patentpool der Weg für Kombinationspräparate mit Wirkstoffen verschiedener Patentinhaber frei wird.
Daniela Bagozzi, Pressesprecherin bei Unitaid, ist zuversichtlich, dass die Unternehmen, darunter Abbott, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences, Glaxo-Smith-Kline, Johnson & Johnson/Tibotec, Merck & Co, Pfizer und Sequoia, den Forderungen nachkommen werden – sodass neue Medikamente schon im kommenden Jahr eingesetzt werden können. Zwar seien die laufenden Gespräche mit Pharmaunternehmen vertraulich, die Rückmeldungen seien insgesamt aber ermutigend.
Bagozzi hofft, dass dadurch auch aidskranken Kindern bald besser geholfen werden kann. "Ein einfaches Beispiel ist eine Kombination von Lopinavir und Ritonavir, Mittel, die es noch nicht für jede Körpergröße gibt." Für Kinder, bei denen Medikamente der ersten Generation nicht mehr wirken, stehen die beiden deshalb ganz oben auf der Liste der Wunschkandidaten für den Patent-Pool.
- Das Virus
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Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ist eine Viruserkrankung, die das Immunsystem des Menschen angreift und dauerhaft schwächt. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Virus HIV (Human immunodeficiency virus).
Vermutlich erreichte das Virus Deutschland erstmals Ende der siebziger Jahre. Erste Fälle wurden in den Achtzigern bekannt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten seit dem Ausbruch der Epidemie in Deutschland rund 86.500 Menschen an HIV und 36.500 an Aids.
- In Deutschland
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In Deutschland leben derzeit rund 70.000 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 57.000 davon sind Männer, 13.000 Frauen. Der Anteil derer, die sich mit der Immunschwäche-Krankheit angesteckt haben, ist mit 42.000 Betroffenen unter homosexuellen Männern am größten. Im Jahr 2010 haben sich nach der aktuellen Schätzung des RKI 3000 Menschen neu mit HIV infiziert, ähnlich viele wie in den Vorjahren.
Seit dem Ausbruch der Krankheit sind in Deutschland bisher 29.000 Menschen an Aids gestorben, 550 davon in diesem Jahr. Jährlich am 1. Dezember findet der Weltaidstag statt, um auf die Vorbeugung durch Safer Sex aufmerksam zu machen und Betroffenen zu gedenken.
- In der Welt
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Im Weltaidsbericht der Vereinten Nationen wurden zuletzt 33,4 Millionen Menschen mit dem Virus erfasst – darunter 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren. 2009 haben sich 2,6 Millionen neu infiziert, 1,8 Millionen sind im gleichen Jahr an den Folgen der Krankheit gestorben. Die Zahl der Aids-Toten nimmt vor allem dort ab, wo durch Hilfsprogramme Medikamente zur Verfügung stehen. Sie können das Leben HIV-Infizierter deutlich verlängern. Eine Heilung gibt es bis heute aber nicht.
Das am schlimmsten betroffene Gebiet ist nach wie vor Afrika. Allein südlich der Sahara infizierten sich im Jahr 2009 1,8 Millionen Menschen.
Ausgerechnet Abbott, Hersteller von Lopinavir und Ritonavir, will seine Herstellungsrechte nicht vollständig abgeben. "Der Patentpool verfolgt ja das Ziel, den Zugang zu generischen Medikamenten in den ärmsten Ländern zu erhöhen. Das wird aber gerade für Kaletra und Aluvia (dies sind die Markennamen für Lopinavir und Ritonavir) nicht der Fall sein", sagte Franziska Theobald, Pressesprecherin bei Abbott. Das Unternehmen habe mit Ausnahme von Südafrika in Afrika keine Patente, und auch nicht im Herstellerland Indien. Daher gebe es schon heute Generika-Alternativen, sagte Theobald.
Überdies biete Abbott seine HIV-Medikamente zu unterschiedlichen Preise an, um den Zugang zu verbessern. Theobald verwies auf zahlreiche andere Probleme bei der Medikamentenversorgung in armen Ländern. Laut neueren Zahlen von Unitaid erhielten noch nicht einmal die Hälfte aller Patienten Zugang zu den klassischen Präparaten, die bereits als billige Generika erhältlich sind. Patente seien also nicht das Problem, sagte die Pressesprecherin des Pharmakonzerns.
Moldenhauer widerspricht dieser Argumentation. Zwar sei der Zugang zur Aids-Behandlung nach wie vor unzureichend. Ärzte ohne Grenzenwarnt daher auch vor Einbrüchen bei der Finanzierung aus nationalen und internationalen Hilfstöpfen. Generika-Produkte der neuen Generation seien aber eher aus Indien, denn aus afrikanischen Ländern zu erwarten. "In Indien hat Abbott Patentanmeldungen gemacht und die können jederzeit erteilt werden."
Bei Boehringer Ingelheim lobt man, dass die Diskussion in Gang gekommen sei. Allerdings hält man vorerst auch hier die eigene Strategie für die bessere. Boehringer hat sich verpflichtet, den Zugang zu lebenswichtigen HIV-Medikamenten nicht durch Patente zu behindern und kooperiert mit Generika-Unternehmen, die sich für die lizenzfreie Nutzung des Patents für Nevirapin bewerben. Dazu, ob man sich darüber hinaus dem Patent-Pool anschließen wird, wollte sich das deutsche Unternehmen noch nicht äußern.
- Datum 01.12.2009 - 12:17 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Kondome, Frauenrechte und nix anderes...
genau.
bevor sich wegen der medikamente beklagt wird, sollte die ursache für die verbreitung bekämpft werden.
wieso frauenrechte und nicht menschenrechte??
sollen kinder männlichen und weiblichen geschlechts und männer keine rechte haben??
kuriose einstellung die sie da haben
..ich weiss nicht. Vielleicht habe ich den Ironie-Part verpasst. Aber im gemütlichen Zuhause fernab jeder Realität läßt sich sehr einfach theoretisieren. Langfristig haben Sie Recht. Gleichzeitig muss aber jetzt und zwar sofort gehandelt werden. Oder stellen Sie sich zur Verfügung, den Aidskranken eine Moralpredigt zu halten.
genau.
bevor sich wegen der medikamente beklagt wird, sollte die ursache für die verbreitung bekämpft werden.
wieso frauenrechte und nicht menschenrechte??
sollen kinder männlichen und weiblichen geschlechts und männer keine rechte haben??
kuriose einstellung die sie da haben
..ich weiss nicht. Vielleicht habe ich den Ironie-Part verpasst. Aber im gemütlichen Zuhause fernab jeder Realität läßt sich sehr einfach theoretisieren. Langfristig haben Sie Recht. Gleichzeitig muss aber jetzt und zwar sofort gehandelt werden. Oder stellen Sie sich zur Verfügung, den Aidskranken eine Moralpredigt zu halten.
genau.
bevor sich wegen der medikamente beklagt wird, sollte die ursache für die verbreitung bekämpft werden.
Warum gibt es denn keine fähigen Eliten, Kondome und die Möglichkeiten, solche Generika selbst zu produzieren?
Kolonialismus, Unterdrückung, wirtschaftliche Abhängigkeit und die katholische Kirche, fällt mir da so spontan ein...
Zwar kann und will ich nicht alles auf die bösen Europäer zurückführen, aber durchweg afrikanischer Herkunft sind die Probleme des Kontinents nun schließlich auch nicht. Insofern sollte man anstatt Schuldenerlass für korrupte Staaten zu erwägen vielleicht besser in Medikamente für die zivile Bevölkerung investieren - und die Pharmakonzerne könnten da mit guten Beispiel voran gehen.
Ein reflektiertes Buch sei an dieser Stelle empfohlen: "Gott.Aids.Afrika" vom ehemaligen Afrikakorespondenten dieses Blattes. Die Lektüre sein meinen Vorschreibern wärmstes empfohlen!
Warum gibt es denn keine fähigen Eliten, Kondome und die Möglichkeiten, solche Generika selbst zu produzieren?
Kolonialismus, Unterdrückung, wirtschaftliche Abhängigkeit und die katholische Kirche, fällt mir da so spontan ein...
Zwar kann und will ich nicht alles auf die bösen Europäer zurückführen, aber durchweg afrikanischer Herkunft sind die Probleme des Kontinents nun schließlich auch nicht. Insofern sollte man anstatt Schuldenerlass für korrupte Staaten zu erwägen vielleicht besser in Medikamente für die zivile Bevölkerung investieren - und die Pharmakonzerne könnten da mit guten Beispiel voran gehen.
Ein reflektiertes Buch sei an dieser Stelle empfohlen: "Gott.Aids.Afrika" vom ehemaligen Afrikakorespondenten dieses Blattes. Die Lektüre sein meinen Vorschreibern wärmstes empfohlen!
Das heißt also, fast alle afrikanischen Länder könnten diese Mittel billig selbst herstellen und an ihre Bevölkerung verteilen. Tun sie aber nicht, weil ... ja, wieso eigentlich nicht?
"Das Unternehmen habe mit Ausnahme von Südafrika in Afrika keine Patente"
Sollte da eigentlich stehen. Leider wird die Überschrift ohne Vorwarnung gekürzt, wenn sie eine Länge, welche man wohl raten darf, überschreitet.
"Das Unternehmen habe mit Ausnahme von Südafrika in Afrika keine Patente"
Sollte da eigentlich stehen. Leider wird die Überschrift ohne Vorwarnung gekürzt, wenn sie eine Länge, welche man wohl raten darf, überschreitet.
"Das Unternehmen habe mit Ausnahme von Südafrika in Afrika keine Patente"
Sollte da eigentlich stehen. Leider wird die Überschrift ohne Vorwarnung gekürzt, wenn sie eine Länge, welche man wohl raten darf, überschreitet.
wieso frauenrechte und nicht menschenrechte??
sollen kinder männlichen und weiblichen geschlechts und männer keine rechte haben??
kuriose einstellung die sie da haben
Warum gibt es denn keine fähigen Eliten, Kondome und die Möglichkeiten, solche Generika selbst zu produzieren?
Kolonialismus, Unterdrückung, wirtschaftliche Abhängigkeit und die katholische Kirche, fällt mir da so spontan ein...
Zwar kann und will ich nicht alles auf die bösen Europäer zurückführen, aber durchweg afrikanischer Herkunft sind die Probleme des Kontinents nun schließlich auch nicht. Insofern sollte man anstatt Schuldenerlass für korrupte Staaten zu erwägen vielleicht besser in Medikamente für die zivile Bevölkerung investieren - und die Pharmakonzerne könnten da mit guten Beispiel voran gehen.
Ein reflektiertes Buch sei an dieser Stelle empfohlen: "Gott.Aids.Afrika" vom ehemaligen Afrikakorespondenten dieses Blattes. Die Lektüre sein meinen Vorschreibern wärmstes empfohlen!
..ich weiss nicht. Vielleicht habe ich den Ironie-Part verpasst. Aber im gemütlichen Zuhause fernab jeder Realität läßt sich sehr einfach theoretisieren. Langfristig haben Sie Recht. Gleichzeitig muss aber jetzt und zwar sofort gehandelt werden. Oder stellen Sie sich zur Verfügung, den Aidskranken eine Moralpredigt zu halten.
..werden. Sondern Sie müssen handeln, oder wollen Sie einfach nur im warmen Kämmerlein schöne Forderungen stellen, das kann ja jeder...
..werden. Sondern Sie müssen handeln, oder wollen Sie einfach nur im warmen Kämmerlein schöne Forderungen stellen, das kann ja jeder...
diese formulierung hat der vorposter vermutlich vor dem hntergrund gewählt, daß in dieen ländern die herren rechtlich ohnehin im vorteil sind, vor allem was die selbstbestimmung angeht. mit sicherheit nicht als diskriminierung gegenüber den herren.
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