6 in Äthiopien, 279 in Ruanda, 417 in Kenia, 12.620 in Südafrika: So viele Fälle der Amerikanischen Grippe – insgesamt 15.503 – hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bis Montag dieser Woche in Afrika gezählt. Das sind so wenige wie auf keinem anderen Kontinent. Trotzdem könnte gerade in Entwicklungsländern eine Epidemie verheerende Folgen haben. Davor warnt die WHO – konkrete Anzeichen dafür sehen jene, die täglich mit Krankheiten in Afrika zu tun haben, aber bisher nicht.

Sie kämpfen mit anderen Problemen: "Es gibt hier kaum eine Möglichkeit, Schweinegrippe überhaupt zu diagnostizieren", klagt Claudia Evers von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Dafür fehlten in Afrika meist die notwendigen Labor-Ausrüstungen. Von einer Behandlung oder Impfung ganz zu schweigen.

Auf drei Milliarden Impfdosen schätzt die WHO die Produktionskapazität weltweit. In Deutschland ist eine große Impfaktion angelaufen – nach den Risikogruppen bekomme jeder die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium.

Die reichen Industrienationen der Nordhalbkugel haben dafür schon große Teile des Pharmamarktes leergekauft – noch bevor der Impfstoff produziert war. In Entwicklungsländern dagegen gibt es kaum einen Schutz für die Menschen, nicht einmal für die eigenen Mitarbeiter hat Ärzte ohne Grenzen den Impfstoff bisher bekommen, sagt Claudia Evers.

WHO-Direktorin Margaret Chan hat deshalb zur Solidarität gemahnt. Mit der Verteilung von gespendeten 200 Millionen Dosen will die Weltgesundheitsorganisation in diesen Tagen beginnen.

Auf 95 Entwicklungsländer werden sie verteilt, Ziel sei die Impfung von zehn Prozent der dortigen Bevölkerung bis Februar 2010. Trotzdem können wohl nur wenige Afrikaner geimpft werden: In ländlichen Regionen, wo es kaum Kühlschränke gibt, verdirbt der Impfstoff meist noch bevor er die kleinen Krankenstationen erreicht.

Deshalb treffen die Entwicklungsländer andere Vorkehrungen: Tunesien lässt seine Muslime nicht an der am 25. November beginnenden Hadsch, der großen Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien teilnehmen. Menschenleben zu retten, sei das Ziel, sagte Tunesiens Religionsminister Boubaker Akhzouri dazu. Das Schweinegrippe verursachende H1N1/09-Virus dürfe sich in Afrika nicht weiter ausbreiten.