Mitarbeiter von Cyberdyne demonstrieren auf einer Straße in Tokio die Bein-Einheit von HAL © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Es knirscht und knarrt, als Yukiko Nakamura in den Konferenzraum kommt. Nicht ihre Gelenke sind es, die dort quietschen, sondern die eines künstlichen Skelettes, das ihr das Gehen erleichtert. Nakamura hat zwei weiße Extrabeine an Hüfte und Füße geschnallt. Sensoren registrieren ihre Muskelbewegungen, Motoren bewegen die Stelzen und unterstützen ihre Schritte.

In der Science Fiction helfen solche Exoskelette Menschen schon lange beim Laufen oder Tragen. Inzwischen werden sie Realität. Wie HAL, das klingt wie der Computer HAL9000, der in Arthur Clarks Werk Odyssee im Weltraum ein Eigenleben entwickelt, aber die Abkürzung von Hybrid Assistive Limb ist, unterstützende Gliedmaßen also. Sie wurden von einer japanischen Firma entwickelt, um in der Altenpflege zu helfen. HAL ist eines der Geräte, das Japans Pflegeprobleme lösen soll.

Das Land altert zusehends, gleichzeitig wird die Zahl derer, die arbeiten können, immer kleiner. Im Jahr 2055, so eine Prognose der Regierung, wird es 45,9 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren geben und 36,4 Millionen Rentner. Bei dieser Verteilung noch dazu schlecht bezahlte Pflegekräfte zu finden ist nahezu unmöglich. Einwanderung ist für viele Japaner keine Lösung, Technik schon viel eher.

So absurd das in westlichen Augen wirken mag, wo viel von der Kraft zusprechender Worte und der Wärme helfender Hände gehalten wird, so selbstverständlich ist dieser Weg für die technikoffenen Japaner. Der Roboter Riba von der Firma Riken kann Bettlägerige tragen, die künstliche Robbe Paro möchte gestreichelt werden und vermittelt kuschelige Emotionen. Andere Maschinen fahren in Altersheimen Essen aus, reinigen die Böden oder waschen die Insassen.

Mitsuhiro Sakamoto, der zuständige Manager für die HAL-Technik bei der Firma Cyberdyne, glaubt daher an das ganz große Geschäft. Dabei gibt es seinen Roboteranzug noch gar nicht auf dem Markt. 1992 begann die Entwicklung daran, 1995 hatte man einen Prototyp, inzwischen habe man "30 bis 40 Einheiten" gebaut und arbeite an der Serienreife, sagt er.

HAL ist kein echter Roboter, er soll nicht autonom Aufgaben übernehmen. Ohne einen darin steckenden Menschen kann das Gerät nichts. Hat sich aber ein Pfleger die Beine angeschirrt und die künstlichen Arme umgeschnallt, kann er damit bis zu 70 Kilogramm schwere Lasten heben, ohne dass seine Knie oder seine Wirbelsäule belastet würden.

Einseitig gelähmten Schlaganfallpatienten helfen die unabhängig von der Armeinheit einsetzbaren Beine nicht nur beim Aufstehen, sondern bewirken sogar, dass sie wieder laufen können. Auch bei der Rehabilitation nach Operationen können sie als Stütze eingesetzt werden, etwa nach einem Oberschenkelhalsbruch.