PsychologieTherapie gegen Flugangst

Viele Menschen trauen sich nicht ins Flugzeug. Ihnen kann kurzfristig geholfen werden – wenn die Angst nicht zu stark ist. Psychologen bieten in Berlin ein- oder zweitägige Seminare an. Dort lernt man, ohne Furcht in die Luft zu gehen von Daniela Martens

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Schweißausbrüche, Kribbeln, Unwohlsein: Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland haben beim Fliegen starke Angstgefühle  |  © joexx/photocase

Kribbeln im Bauch und Kopf, Schweißausbrüche an den Händen: Das waren die panischen Reaktionen, die allein der Gedanke an eine Reise im Flugzeug bei Susanne Ladwig auslöste. Zwar hatte die 41-Jährige nie Horrorvorstellungen von versagenden Triebwerken, brennenden Flügeln oder Wrackteilen, die im Ozean treiben. Aber die brauchte sie auch gar nicht. Die Vorstellung, dass sie nicht raus kann, wenn sie raus will, war schlimm genug.

Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland haben beim Fliegen starke Angstgefühle. "Bei den meisten ist es gar nicht die Angst vor dem Unfall, sondern die Angst vor der Angst“, sagt der Psychologe Dieter Schiebel, der mit seiner Agentur Flugangst-Service Seminare veranstaltet, unter anderem auch im Flughafen Tegel.

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Oft würden andere Ängste dahinterstecken: Agoraphobie (Angst vor bestimmten Plätzen), Akrophobie (Höhenangst) oder Klaustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen) wie bei Susanne Ladwig. Eine reine Aviophobie – die Angst vor einem Absturz – hätten nur etwa ein Drittel. Sie könne nach einem traumatischen Erlebnis entstehen – wie kürzlich Franz Münteferings Notlandung in Stuttgart.

Susanne Ladwig dagegen hatte nur angenehme Flüge erlebt vor jenem Tag, an dem alles begann. Bei einer Fahrt im ICE bekam sie plötzlich einen Panikanfall. "Mir wurde schwindelig, ich war in Schweiß gebadet, mein Herz raste und ich hatte das Gefühl, ich kippe gleich um“, sagt sie. Das ist jetzt 14 Jahre her. Lange danach konnte sie keine Fahrstühle, Züge und U-Bahnen benutzen.

Und auch das Autofahren fiel ihr schwer. "Aber am schlimmsten war die Vorstellung, so tierisch weit oben in der Luft eingesperrt zu sein.“ An die meisten Verkehrsmittel gewöhnte sie sich wieder – ganz langsam und ohne fremde Hilfe. Nur die Angst vor dem Fliegen blieb. Sieben Jahre lang verbrachte sie ihren Urlaub in Deutschland.

Doch dann bekam die Eventmanagerin eine Einladung zu einer Oldtimer-Rallye nach Mallorca. "Da wollte ich unbedingt hin, so etwas erlebt man nicht so oft.“ Also ließ sie sich von einer Psychologin helfen. "Wir haben zusammen herausgefunden, dass die Panikattacke im Zug mit Existenzängsten und Überforderung zu tun hatte“, sagt sie. Und sie lernte Entspannungs- und Atemübungen, mit denen sie beim Fliegen etwas gegen die Angst tun kann. Nach vier Sitzungen schaffte sie es tatsächlich, nach Spanien zu fliegen.

Vielen könne man die Angst vorm Fliegen in kurzer Zeit nehmen, sagt Psychologe Schiebel. Es komme darauf an, wie tief sie sitze. Ein Einzelcoaching dauert bei ihm einen Tag (1650 Euro), die Gruppen-Seminare (590 Euro) zwei Tage.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
    • Schlagworte Flugzeug | ICE | Therapie | U-Bahn | Spanien | Mallorca
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