Psychologie Therapie gegen Flugangst
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Am zweiten Tag wird geflogen

Am zweiten Tag wird geflogen

Zunächst spricht er mit den Teilnehmern über das Wesen der Angst: "Sie ist ein Kampf-Flucht-Mechanismus.“ Adrenalin wird ausgeschüttet. "So wird Energie bereitgestellt, auf der man im Flugzeug buchstäblich sitzen bleibt.“ Um die überschüssige Energie loszuwerden, seien "Atem- und Muskelentspannungsübungen eine sofort wirksame Sache.“ Sie können den Panikanfall stoppen.

Im Seminar lernen die Teilnehmer, wie man das macht. Piloten klären über die Sicherheit von Triebwerken und anderen Geräten auf. Außerdem spricht Schiebel mit jedem Einzelnen über die möglichen individuellen Auslöser für die Flugangst. Am zweiten Tag wird dann geflogen.

Die Angst ist ein Kampf-Flucht-Mechanismus.

Dieter Schiebel, Psychologe

Von Tegel geht es nach München – eine "Exposition“, wie sie auch bei längeren Verhaltenstherapien angewandt wird. "Man muss sich in die Angstsituation begeben“, so Schiebel. Auf dem Hinflug unterhält er sich noch mit den Teilnehmern, um sie abzulenken. Auf dem Rückflug setzt er sich woanders hin.

Schiebel weiß genau, wie sich seine Patienten dann fühlen. Auch er hatte vor langer Zeit Flugangst. Und das, obwohl er Flugzeugtechnik studiert hat. "Ich habe gelitten wie ein Hund.“ Trotz seiner Panik flog er eines Tages nach Mallorca: "Das war die Katastrophe hoch drei.“ Danach entschloss er sich zu einem Klinikaufenthalt – denn er hatte nicht nur Flugangst, sondern als Agoraphobiker auch noch viele andere "frei flottierende Ängste“.

Im Krankenhaus arbeitete er zwei Monate lang seine Kindheit auf: "Da sind wir auf ein paar Brocken gestoßen.“ 30 Jahre ist das her, heute ist Schiebel 62. Nach der Therapie begann er ein zweites Studium – Psychologie. Und wurde Spezialist für Flugängste. Vor seinen Seminaren lässt er die Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen. Stellt sich dabei heraus, dass ihre Ängste zu groß und komplex sind, rät er ihnen, lieber eine längere Therapie zu machen.

Auch Susanne Ladwigs Arbeit hat jetzt mit Flugzeugen zu tun: Sie führt durch den "Flugsimulator Berlin“ in Wedding. Mit der Psychologin, die ihr geholfen hat, will sie dort bald auch richtige Seminare gegen Flugangst anbieten. "Am Ende sollen die Teilnehmer nach Mallorca fliegen – aber nur im Simulator. Da können sie jederzeit aussteigen“, sagt sie. Und lächelt dabei fast wie eine Stewardess.

 
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