Krebskongress in Berlin "Zentren behandeln Tumoren besser"

Mediziner wollen die Therapie von Krebs optimieren. Kongress-Präsident Wolff Schmiegel erklärt im Interview, warum dafür vor allem Strukturen verbessert werden müssen.

Eine Ärztin betrachtet ein Röntgenbild, um Anzeichen für Brustkrebs zu finden. Bei der Mammografie sollen Tumoren rechtzeitig erkannt werden

Eine Ärztin betrachtet ein Röntgenbild, um Anzeichen für Brustkrebs zu finden. Bei der Mammografie sollen Tumoren rechtzeitig erkannt werden

Frage: Am 24. Februar beginnt der 29. Deutsche Krebskongress in Berlin. Wenn man sich das Programm anschaut, fällt auf, dass dort die Frage nach neuen Strukturen, nach Zentren und Konzepten großen Raum einnimmt.

Wolff Schmiegel: Auf dem Kongress soll ein Zwischenbericht zum Nationalen Krebsplan gegeben werden, den das Bundesgesundheitsministerium mit der Deutschen Krebsgesellschaft und anderen erarbeitet hat. In diesem Plan werden neue, zukunftsorientierte Strukturen entwickelt. Das tun wir nicht, um die Bürokratie zu erhöhen. Es geht vielmehr darum, dass ein Krebskranker sicher sein kann, das modernste Wissen, die modernste und vor allem eine zwischen den beteiligten Fachrichtungen abgestimmte Behandlung zu bekommen.

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RKI veröffentlicht Krebszahlen

Jeder zweite Mann und mehr als jede dritte Frau erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs. Das zeigen aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu Beginn des Krebskongresses in Berlin. Erstmals hat das RKI umfassende Zahlen zur Verbreitung (Prävalenz) von Krebskrankheiten in Deutschland veröffentlicht.

Danach ist im laufenden Jahr 2010 mit 721.000 Erkrankungen von Frauen und 731.500 Erkrankungen von Männern in Deutschland zu rechnen, bei denen vor weniger als fünf Jahren die Diagnose Krebs gestellt wurde.

Noch vor 20 Jahren waren nur 511.000 Frauen und 361.000 Männer in Deutschland von Krebserkrankungen betroffen. Zu diesem erheblichen Anstieg haben einerseits demografische Effekte und andererseits frühzeitigere Diagnose und erfolgreichere Behandlung von Krebskrankheiten beispielsweise der Brustdrüse und der Prostata beigetragen, schreiben die RKI-Forscher. Jede dritte Krebskrankheit in Deutschland betrifft eines dieser beiden Organe.

Die kompletten Studienergebnissen können auf den Seiten des RKI als PDF heruntergeladen werden.

Dir Broschüre "Krebs in Deutschland"

Zusammen mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) veröffentlicht das RKI zugleich die siebte Ausgabe der Broschüre "Krebs in Deutschland 2005/2006 – Häufigkeiten und Trends" mit den neuesten Zahlen.

Dieses Jahr werden voraussichtlich 204.000 Krebserkrankungen bei Frauen und 246.000 bei Männern neu diagnostiziert werden. 20 Jahre zuvor waren bei Frauen 174.000 und bei Männern 158.000 Krebserkrankungen neu aufgetreten.

Frage: Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Schmiegel: Es gibt Tumoren, bei denen die Heilungschancen steigen, wenn sie vor der Operation mit einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer Kombination aus beidem behandelt werden. Wir nennen das multimodale Therapie, und es setzt sich bei vielen Krebsformen immer mehr durch. Krebs ist eine facettenreiche Erkrankung. Wir wissen heute, dass bei den meisten Krebserkrankungen nicht ein einzelner Arzt die Behandlung alleine planen und durchführen kann. Das geht nur im Team.

Wolff Schmiegel
Wolff Schmiegel

Der Präsident des Deutschen Krebskongresses, Wolff Schmiegel, ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie an der Uniklinik Bochum. Der Kongress findet in diesem Jahr vom 24. bis 27. Februar im Kongresszentrum ICC-Berlin statt.

Frage: An wen kann man sich wenden?

Schmiegel: Nach Möglichkeit an ein zertifiziertes Zentrum. Denn speziell dort kann man den Patienten eine solche abgestimmte, an Leitlinien orientierte, interdisziplinäre Therapie bieten. Wir haben in Deutschland zum Beispiel bereits eine größere Anzahl von zertifizierten Brust- und Darmzentren, die im Jahresrhythmus vom "TÜV" der Deutschen Krebsgesellschaft geprüft werden.

Frage: Ist denn bewiesen, dass die Zentren für die Behandlung wirklich etwas bringen?

Schmiegel: Neun Jahre nachdem in Nordrhein-Westfalen die ersten Brustkrebszentren eröffnet wurden, wurden vom BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit die Daten von Frauen verglichen, die in zertifizierten und nicht-zertifizierten Einrichtungen behandelt worden sind. Dabei kam heraus: Zertifizierte Zentren haben bessere Ergebnisse. Das Konzept, die Behandlung neu zu strukturieren, wirkt also. Die Zentren geben den Patienten die Sicherheit, von einem interdisziplinären Team nach neuestem Wissen behandelt zu werden. In diesen Einrichtungen bekommen sie alles aus einer Hand.

Frage: Trotzdem klagen viele Patienten, dass sie niemanden haben, der sie über den ganzen komplizierten Behandlungsweg hinweg begleitet. Brauchen wir dafür Lotsen?

Schmiegel: Leider haben wir sie bisher nur in wenigen Einrichtungen. Ein Webfehler des Systems ist, dass kein Geld für Betreuer da ist, die eigens dafür eingestellt werden, dass sie die Patienten innerhalb des Zentrums von Etappe zu Etappe begleiten. Wir sind darauf angewiesen, dass der Patient von einer Behandlung zur nächsten vermittelt wird und das auch wie aus einer Hand erfährt. Im Moment übernehmen oft engagierte Pflege- oder Dokumentationskräfte einen Teil dieser Begleitung. Im Nationalen Krebsplan geht es auch um die Stärkung der Patienteninteressen in diesem Punkt.

Leser-Kommentare
  1. Allgemein wird behauptet, die Zahl der Krebserkrankungen steige, weil die Menschen älter würden. Gibt es Zahlen zum Alter der Krebserkrankten? Mein Eindruck ist, dass immer mehr Menschen unter 70 Jahren an Krebs erkranken. Dann kann es nicht am Alter liegen, sondern eher an einer ungesunden Umwelt und psycho-sozialen Umgebung (Isolation). Demnach ist es dysfunktional nur die Therapie zu betrachten, auch wenn sie Kranken helfen soll und viele Leute daran verdienen können, sondern Schutz und Vorsorge bzgl. Chemikalien, Funkstrahlung und psycho-sozialer Hygiene müssen verbessert werden.

  2. "* 28.02.2010 um 17:24 Uhr
    * zeit98789

    3. ----:::!!!!STOP THE NEW WORLD ORDER!!!!:::----

    ----:::!!!!STOP THE NEW WORLD ORDER!!!!:::----" u.a.m.

    Was sollen diese neuen anonymen systematischen Störmanöver aus dem Versteck heraus in so vielen Kommentarreihen von ZEIT-online. Sie haben rein gar nichts mit den zu kommentierenden Artikeln zu tun.

    Entweder Sie erklären den Lesern, was das soll, Wer sich dahinter verbirgt oder Sie lassen sie nicht mehr zu.

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