Doping oder Gen-Defekt? Was Pechsteins Blutbild beweisen kann
Führende Mediziner attestieren Claudia Pechstein eine Kugelzellenanämie. Erklärt das ihr anormales Blutbild und entlastet es sie vom Dopingvorwurf? Die Fakten im Überblick
© Alex Livesey/Getty Images

Ein Techniker im Anti-Doping-Labor bei den Olympischen Winterspielen in Vacouver bereitet eine Blutprobe für die Dopingkontrolle vor
In Claudia Pechsteins Blut wurde bei mehreren Untersuchungen in den Jahren 2000 bis 2009 eine erhöhte Anzahl an jungen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) nachgewiesen. Warum war das für den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Beweis genug, dass die Eisschnellläuferin gedopt haben soll?
Eine erhöhte Anzahl dieser frisch gebildeten roten Blutzellen kann ein Hinweis darauf sein, dass die Blutbildung durch Dopingmittel, wie Erythropoetin (Epo) oder andere Substanzen künstlich angeregt wurde. Da diese Blutzellen dafür zuständig sind, Sauerstoff aus den Lungen zu den Organen zu transportieren, wirken solche Mittel leistungssteigernd. Erhöht sich die Sauerstoffkapazität im Blut, können die Organe besser versorgt werden, die Ausdauer nimmt zu.
Kann eine erhöhte Retikulozyten-Konzentration im Blut auch ein Indiz für die seltene Kugelzellenanämie – auch Hereditäre Sphärozytose genannt – sein?
Ja. Bei dieser erblich bedingten Anomalie sind die Wände der roten Blutzellen (Erythrozyten) defekt, sodass sie Wasser verlieren. Die Zellen verschrumpeln und nehmen eine für die Erkrankung typische Kugelform an. Da diese defekten Zellen von der Milz vermehrt abgebaut werden, bildet der Körper entsprechend viele neue rote Blutzellen, die dann in der Vorstufe als Retikulozyten nachweisbar sind. Patienten mit voll ausgeprägter Kugelzellenanämie könnten allerdings kaum Leistungssport betreiben. Bei ihnen entsteht ein Mangel an gesunden ausgereiften Erythrozyten, sodass die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Claudia Pechstein hat solche Symptome allerdings nicht. Mediziner um Gerhard Ehninger von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologe und Onkologie (DGHO) gehen bei der Eisschnellläuferin von einer leichten Form aus, die sich nur im Blutbild zeigt, aber körperlich kaum Auswirkungen hat.
- Erythrozyten
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Erythrozyten werden die roten Blutkörperchen genannt, die unterm Mikroskop als flache von beiden Seiten eingedellte Scheiben erscheinen. Sie transportieren den Sauerstoff aus den Lungen in die Organe. Der Farbstoff Hämoglobin färbt diese Zellen rot. Einige Doping-Methoden zielen darauf ab, die Anzahl der Erythrozyten im Blut zu erhöhen – denn so können die Organe noch besser mit Sauerstoff versorgt werden, was die Leistung steigert.
Neben den Erythrozyten finden sich im Blut die weißen Blutzellen (Leukozyten). Sie sind Teil der Immunabwehr und können Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger unschädlich machen.
- Retikulozyten
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Retikulozyten sind sehr junge rote Blutkörperchen. Sie werden im Knochenmark aus Blutstammzellen gebildet und wandern nach drei bis vier Tagen von dort in den Blutkreislauf. Anders als Erythrozyten enthalten sie noch Ribonukleinsäure (RNA), die die für die Bildung von fertigen Blutzellen nötigen Erbinformationen enthält.
Um diese neu gebildeten jungen Blutkörperchen nachzuweisen, nutzen Forscher ein bestimmtes Färbeverfahren, dass die RNA an den Zellen sichtbar macht.
Seit dem ersten Doping-Verdacht wurde Claudia Pechsteins Blutbild von zahlreichen Experten unter die Lupe genommen. Einige äußerten von Anfang an den Verdacht, die Eisschnellläuferin sei möglicherweise von der seltenen Kugelzellenanämie betroffen. Warum entlastete das die Sportlerin nicht vorm Internationalen Sportgerichtshof?
Claudia Pechstein wurde zunächst am Universitätsklinikum Ulm auf Kugelzellenanämie untersucht. Dort wurde eine Reihe von Standardtests durchgeführt, die kein Ergebnis brachten. Eine klare Diagnose der erblichen Blutzellen-Anomalie gab es also nicht, als das Gericht die Zweijahres-Sperre der Sportlerin bestätigte.
Warum sind die Mediziner um den DGHO-Vorsitzenden Gerhard Ehninger jetzt der Ansicht, die Diagnose stellen zu können?
Winfried Gassmann, Hämatologe am Marienkrankenhaus in Siegen, fiel zum Beispiel der besonders hohe MCHC-Wert bei Pechstein auf. Dieser bestimmt die Menge an Hämoglobin im Verhältnis zur Masse der roten Blutkörperchen. Ein derart erhöhter Wert lasse auf krankhaft veränderte Erythrozyten schließen, sagt Gassmann. "Doping mit Substanzen, die die Blutbildung stimulieren, wie zum Beispiel Epo, würden das Gegenteil bewirken." Gestützt wird die Diagnose auch dank zwei neuer Untersuchungsmethoden. Sie wurden erst im vergangenen Jahr von dem belgischen Forscher François Mullier auf einem Kongress in Istanbul vorgestellt. "Als ich die Blutproben von Claudia Pechstein damit untersuchte, wusste ich sofort, dass sie eine Kugelzellenanämie hat", sagt der Oberarzt an der Berliner Charité, Andreas Weiman, ZEIT ONLINE.
Weimann hatte die neuen bislang nicht veröffentlichten Diagnosemethoden an der Charité etabliert. "Die Tests ergaben auch eindeutig, dass Claudia Pechstein die Kugelzellenanämie von ihrem Vater geerbt hat", erklärt Weimann. Vater und Tochter hätten aber eine so leichte Form der Erkrankung, dass keine körperlichen Beschwerden auftreten. Die Ärzte sprechen deshalb im Fall der Eisschnellläuferin auch lieber von einer Kugelzellenanomalie statt von einer echten Anämie, die mit Blutarmut und entsprechenden Beschwerden einhergehen würde.
Heißt das, Claudia Pechstein hat nicht gedopt?
Die DGHO-Wissenschaftler fanden noch weitere Besonderheiten im Blutbild der Sportlerin, die eher gegen Doping sprechen. Während der Gehalt an jungen roten Blutkörperchen im Blut der Sportlerin von 2000 bis 2009 tendenziell gestiegen sei, habe der Hämoglobin-Wert im Schnitt abgenommen. Dies spreche eher gegen Doping, sagt Gassmann. Außerdem war der Hämoglobingehalt auffällig niedrig, kurz nachdem bei Claudia Pechstein viele der Retikulozyten im Blut festgestellt worden waren. "Hätte sie gedopt, wäre ein höherer Hämoglobin-Wert zu erwarten", sagt der Hämatologe.
Dass in den natürlichen Blutbildungskreislauf nicht eingegriffen wurde, beweist all das aber noch nicht. Es gibt Methoden, um den Hämoglobin-Wert künstlich niedrig zu halten. Allerdings müsste Pechstein dies über Jahre hinweg nahezu perfekt vertuscht haben. "Das ist äußerst unwahrscheinlich", sagte der Pharmakologe und Doping-Experte Fritz Sörgel dem Tagesspiegel. Sörgel selbst ist von Pechsteins Unschuld nicht überzeugt. "Was ihren Dopingfall angeht, ist dadurch überhaupt nichts geklärt."
Könnte ein Gentest Claudia Pechstein endgültig entlasten?
"Ein genetischer Defekt, wie er bei Frau Pechstein vorliegen muss, kann mit einem Gentest bisher nicht eindeutig bestimmt werden", sagt Gassmann. Heute kennt man mindestens fünf beschriebene Proteindefekttypen für Kugelzellenanämie. Dahinter steckt jedoch eine Vielzahl verschiedener genetischer Mutationen. Der Typus, der bei Claudia Pechstein und ihrem Vater vorliegt, ist bislang nicht erforscht. Deshalb wüsste man nicht, wo man im Erbgut der Sportlerin nach einem Defekt suchen sollte.
- Datum 16.03.2010 - 11:24 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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welcher sich an Fakten hält und dieses Forum nicht für die Verbreitung seiner Vorurteile gegenüber CP nutzt. Warum ist so etwas wie dieser Text bei der ZEIT im Moment eher Seltenheit? Bitte weiter so...
Die Treibjagd gegen Claudia Pechstein ist m.E. eine eindeutig politsch motivierte Aktion. Hier wird unter dem Deckmantel der Dopingbekaempfung eine Sportlerin diskriminiert, weil man das Sportsystem in der DDR treffen will. Es liegt hier eine fuer mich durchsichtige Verleumdungskampagne vor, die von daran interessierter Seite geschuert wird. Von Rechtsstaat keine Spur, jedem Verbrecher muss man sein Vergehen nachweisen und fuer jeden Verbrecher gilt, im Zweifel fuer den Angeklagten. Nur in dieser dubiosen und von Vorverurteilung reichen Angelegenheit, will man mit der Beweisumkehr, ein Exempel statuieren und setzt jegliche Regeln des Rechtsstaates ausser Kraft. Damit hat man ohne Not, das Sportlerleben eines Menschen diskreditiert. Ein uebles Raenkespiel, bei dem es nur Verlierer gibt.
Ob Sie gedopt hat oder nicht weiß ich nicht. Das können nur naturwissenschaftliche Tests und Recherchen im Umfeld zeigen.
Wenn Sie einen Gendefekt hat und dadurch auch mehr Leistung bringt, wäre es jedoch auch gleichzeitig möglich, dass Sie sich sagt: "Ich dope trotzdem - wer wills mir nachweisen?`". Sie kann bei auffälligen Werten immer auf ihren Gendefekt verweisen. Das perfekte Alibi?
Ja? Nein? Selbst wenn sie gedopt hat kann es nicht sein dass man nur Aufgrund von Indizien jemanden sperren kann. Was meinen Sie was rauskommt, wenn das ganze so weiter geht? Wieviele Sportler werden unschuldig gesperrt, nur weil sie gewisse Dinge nicht erklären können? Wollen SIE für ein Verbrechen verantwortlich gemacht werden, nur weil SIE nicht 100% erklären können, was SIE in dieser Zeit gemacht haben? Wäre ungefähr das gleiche...
Ja? Nein? Selbst wenn sie gedopt hat kann es nicht sein dass man nur Aufgrund von Indizien jemanden sperren kann. Was meinen Sie was rauskommt, wenn das ganze so weiter geht? Wieviele Sportler werden unschuldig gesperrt, nur weil sie gewisse Dinge nicht erklären können? Wollen SIE für ein Verbrechen verantwortlich gemacht werden, nur weil SIE nicht 100% erklären können, was SIE in dieser Zeit gemacht haben? Wäre ungefähr das gleiche...
Ja? Nein? Selbst wenn sie gedopt hat kann es nicht sein dass man nur Aufgrund von Indizien jemanden sperren kann. Was meinen Sie was rauskommt, wenn das ganze so weiter geht? Wieviele Sportler werden unschuldig gesperrt, nur weil sie gewisse Dinge nicht erklären können? Wollen SIE für ein Verbrechen verantwortlich gemacht werden, nur weil SIE nicht 100% erklären können, was SIE in dieser Zeit gemacht haben? Wäre ungefähr das gleiche...
Sie haben ja recht. Ich wollte keine Bewertung zu Claudia Pechstein abgeben. Nur wenn man sich anschaut, wie heute die ganze Sportindustrie ist, dann kann man sicher sagen, dass einige Sportler - und das zeigen ja auch zahlreiche nachgewiesene Dopingfälle - zu "außergewöhnlichen" Mitteln bereit sind. Ich halte es für möglich, dass Sportler so handeln - das muss jetzt nicht bei CP zutreffen. Die Überlegung war eher kriminalistisch interessant.
Sie haben ja recht. Ich wollte keine Bewertung zu Claudia Pechstein abgeben. Nur wenn man sich anschaut, wie heute die ganze Sportindustrie ist, dann kann man sicher sagen, dass einige Sportler - und das zeigen ja auch zahlreiche nachgewiesene Dopingfälle - zu "außergewöhnlichen" Mitteln bereit sind. Ich halte es für möglich, dass Sportler so handeln - das muss jetzt nicht bei CP zutreffen. Die Überlegung war eher kriminalistisch interessant.
Sie haben ja recht. Ich wollte keine Bewertung zu Claudia Pechstein abgeben. Nur wenn man sich anschaut, wie heute die ganze Sportindustrie ist, dann kann man sicher sagen, dass einige Sportler - und das zeigen ja auch zahlreiche nachgewiesene Dopingfälle - zu "außergewöhnlichen" Mitteln bereit sind. Ich halte es für möglich, dass Sportler so handeln - das muss jetzt nicht bei CP zutreffen. Die Überlegung war eher kriminalistisch interessant.
spricht von einem Dopingfall Pechstein, kann das Doping aber nicht beweisen. - Rainererich (2) hat Recht: ein kotzübles Ränkespiel, zumal Frau Pechstein, wäre sie den Dopings überführt worden (!!) sicherlich noch mit einem Disziplinarverfahren im Dienst als Polizeibeamtin zu rechnen hätte. - Hier wollte man nicht nur auf sportlicher Ebene, auch auf beruflicher und damit den Menschen treffen und zerstören. - Die Hintermänner haben offensichtlich uralte Rechnungen, die sie begleichen wollen. - OBERMIES -
...ein Fachmann, sondern jemand, der gerne nörgelt - nicht besser als ein Apotheker, er wird von den Medien nur zum "Experten" gemacht...
...ein Fachmann, sondern jemand, der gerne nörgelt - nicht besser als ein Apotheker, er wird von den Medien nur zum "Experten" gemacht...
Das Problem für Claudia Pechstein ist, daß sich einige übereifrige 'Antidoping-Experten' mit ihrem Schuldvorwurf gegen Frau Pechstein dermaßen aus dem Fenster gelehnt haben, daß sie jetzt aus Angst vor der eigenen Courage auf keinen Fall zugeben wollen, sich geirrt zu haben. Was kann das für ein Doping sein, wenn führende Experten inzwischen einräumen, das Frau Pechstein mit den festgestellten Werten keinerlei Vorteile hatte, im Gegenteil die Normalwerte unterschritten hat. Ich bleibe dabei, selbst wenn endgültig feststehen sollte, daß Frau Pechstein unschuldig ist und nicht gedopt hat, es wird an ihr hängen bleiben, da ein Großteil der Menschen festgestellte Unschuld gar nicht mehr wahrnimmt und das ist mehr als traurig. Jeder der unschuldig verdächtigt wurde, behält ein Trauma zurück. Die Herren von WADA, NADA und andere Antidopingjäger werden sich die Hände in Unschuld waschen und behaupten, sie träfe keine Schuld. Desgleichen auch diejenigen, die sich in Foren ohne genaue Sachkenntnis geäußert haben.
Da die für Claudia Pechsteins Veurteilung Verantwortlichen sich offenbar nicht eindeutig zu ihrem krassen Fehlurteil bekennen können, ist Frau Pechstein nur zu empfehlen, dagegen gerichtlich vorzugehen, eine finanzielle Entschädigung und die vollständige Wiederherstellung ihres Leumundes einzuklagen. Dazu gehört eine offizielle Entschuldigung dieses Personenkreises.
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