Gesundheit Was Contergan so gefährlich machte
Der Conterganskandal ist beispiellos in der Medizingeschichte: Jetzt haben Forscher herausgefunden, wie dessen Wirkstoff Thalidomid Fehlbildungen ausgelöst haben könnte.
© Stefan Puchner/dpa

Japanische Forscher könnten herausgefunden haben, wie Thalidomid Fehlbildungen verursacht
Schwangere nahmen es als Mittel gegen morgendliche Übelkeit mit verheerenden Folgen. Als Beruhigungs- und Schlafmittel gepriesen, führte Contergan in den 1960er Jahren zu einem beispiellosen Medizinskandal. Der Wirkstoff Thalodomid schädigte die Entwicklung von Embryos im Mutterleib. Frauen brachten Säuglinge mit verstümmelten Armen, Beinen oder Ohren zur Welt. Rund 10.000 Babys waren weltweit betroffen. Wie der Wirkstoff die Fehlbildungen allerdings auslöste, war bis vor Kurzem gänzlich unbekannt.
Japanische Forscher sind durch Tierversuche nun einen Schritt weitergekommen: Sie fanden heraus, dass Thalidomid an das körpereigene Eiweiß Cereblon (CRBN) bindet und es blockiert. Takumi Ito und seine Kollegen vom Institut für Technologie in Tokyo schreiben im Wissenschaftsmagazin Science, dass CRBN in einem Komplex von körpereigenen Stoffen wirke, der maßgeblich für die Entwicklung von Gliedmaßen im Embyro verantwortlich sei. Durch die Thalidomid-Bindung jedoch werde das Eiweiß in seiner Aufgabe behindert.
Dies könnte direkt zur Fehlbildung bei den ungeborenen Säuglingen führen. Noch ist aber nicht eindeutig klar, ob dies der einzige und ausschließliche Mechanismus ist. Thalodomid könne zudem dazu beitragen, dass sich Gefäße nicht richtig entwickeln oder sich Substanzen bilden, die einzelne Zellen schädigen.
Hinzu kommt, ob die Forschungsergebnisse, die an Zebrafischen und Hühnern erzielt wurden, überhaupt auf den Menschen übertragbar sind. Dennoch wollen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse nutzen, um "sichere" Thalidomid-Formen zu entwickeln und suchen nun nach Möglichkeiten, die katastrophalen Nebenwirkungen auszuschalten. Denn schwere Lepra-Formen und Knochenmarkkrebs lassen sich zum Teil wirksam mit dem Wirkstoff behandeln.
Doch auch diese Behandlung ist offenbar nicht ungefährlich. In Südamerika wurde auch schwangeren Lepra-Patientinnen Thalodomid verabreicht. Daraufhin kam es zu vermehrten Fällen von Säuglingen mit Fehlbildungen. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und den Fehlbildungen besteht, ist aber nicht eindeutig geklärt.
- Datum 12.03.2010 - 11:09 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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auf die gestern so harsch vorgetragenen Kritiken an Tierversuchen? Ein Plädoyer, dass es so dermaßen wichtige Gründe für Tierversuche gibt? Es bleibt dabei: Ich lehne es einfach ab, wenn sich honorige Leute hinsetzen und ein fühlendes Wesen verkrüppeln oder töten, um mal zu sehen, wie es sich dabei benimmt.
Und ich hoffe auch, dass die Versuche von Biologen, einige Primaten als "Humanoide" einzustufen gelingt. Dann wären merkwürdigerweise die "Wissenschaftler", die sich heute noch an Universitäten und anderswo am Affen-Versuch abarbeiten, von heute auf morgen keine Forscher mit Anspruch auf den Nobelpreis mehr, sondern schlicht Kollegen des Dr. Mengele von Auschwitz. Das demonstrierte aufs Anschaulichste, auf welch dünnem Eis die Versuchsdurchführer laufen.
Wie gefährlich kann ein giftiges Medikament sein, wenn es schnell vom markt verschwindet? Wie gefährlich kann es werden, wenn Anzugträger A einen Geldumschlag an Anzugträger B übergibt? Oder nur seine Einflussreichen Freunde nach Bonn schickt um mit dem einen oder anderen Politiker zu reden? Wie gefährlich ist das Spiel, die Politik zum Stillhalten zu bewegen, überhaupt bewegen zu können?
Der Schaden währe kleiner ausgefallen, wenn da nicht macht und Geldinteressen gewesen wären. Und selbst heute zahlt der Staat- also der Bürger- den Großteil des Schadens und Grünental behält seine Milliarden.
"Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und den Fehlbildungen besteht, ist aber nicht eindeutig geklärt."
Also wenn der Wirkstoff die embryonale Entwicklung stört und dieser Sachverhalt empirisch mehr als deutlich gesichert ist und in einem Tierversuch erfolgsversprechend nachgestellt werden konnte, dann frag ich mich wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, daß dieser Wirkzusammenhang durch den Befall des Patienten mit bestimmten Bakterien (Lepra) aufgehoben worden sein könnte?
Es scheint ganz im Interesse einiger zu liegen bei der Vermarktung von Produkten deren Wirkzusammenhänge und Nebenwirkungen nicht aufzeigen zu müssen. Im Gegenzug werden im Falle des Eintretens von Nebenwirkungen unabdingbare Beweise für einen Zusammenhang verlangt - und liegt dieser dann vor, gilt der selbstverständlich nur für möglichst wenig Fälle.
"Doch auch diese Behandlung ist offenbar nicht ungefährlich. In Südamerika wurde auch schwangeren Lepra-Patientinnen Thalodomid verabreicht. Daraufhin kam es zu vermehrten Fällen von Säuglingen mit Fehlbildungen. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und den Fehlbildungen besteht, ist aber nicht eindeutig geklärt."
Ob das Mittel Schwangeren gegen morgendliche Übelkeit oder gegen Lepra verabreicht wird, ist doch zunächst egal.
Der Zusammehang zwischen Contergan und Fehlmildungen bei den Säuglingen ist bereits damals festgestellt worden.
Spannend auch: Wer hat den Patientinnen bitte den Wirkstoff verabreicht? Sollte ein Skandal nicht ausreichen? Aber wenn in der 1. Welt was schief läuft, wird es nicht eingestampft sondern sickert zeitverzögert in die 3.?
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