Der große Zeh ist besonders gefährdet: Bei Gicht greift der Schmerz meist die Zehengelenke zuerst an

Als Klaus Beisiegel seinen ersten Gichtanfall hatte, dachte er, er hätte sich den großen Zeh gebrochen. Im Laufe des Nachmittags wurde das Stechen im Zehgelenk immer stärker, als er sich abends ins Bett legte war der Schmerz dann unerträglich. Schon die kleinste Berührung mit Bettdecke oder Laken ließ ihm die Tränen in die Augen schießen. Als er sich nach einer Horrornacht auf Krücken ins Krankenhaus schleppte, reichte den Ärzten ein Blick um die Diagnose zu stellen: Gicht.

Rund ein Prozent der Bevölkerung in industrialisierten Ländern leidet an Gicht, einer extrem schmerzhaften Gelenkerkrankung, die ihre Ursache in einer erhöhten Harnsäurekonzentration hat. Harnsäure kann im menschlichen Organismus nicht weiter abgebaut werden, sondern wird über den Urin ausgeschieden. Bei Gichtpatienten ist dieser Ausscheideweg über die Niere gestört, die Harnsäure kristallisiert in Gelenkkapseln und dem Gewebe aus, Entzündungen entstehen.

Bei einem akuten Gichtanfall hilft meist nur noch ein starkes Schmerzmittel. Klaus Beisiegel nimmt seit seiner Diagnose vorsorglich jeden Tag das Medikament Allopurinol, das schon die Bildung von Harnsäure unterbindet. Er achtet außerdem auf seine Ernährung und isst so wenig Fleisch wie möglich, weil darin viel Purin enthalten ist, welches im Stoffwechsel zu Harnsäure abgebaut wird.

Schweizer Forscher von der ETH Zürich haben nun eine Anwendung aus dem Bereich der synthetischen Biologie gefunden, die Gichtpatienten in Zukunft Abhilfe verschaffen könnte. Im Wissenschaftsmagazin Nature Biotechnology hat das Team um Studienautor Martin Fussenegger ein Implantat vorgestellt, dass den Harnsäurespiegel selbstständig reguliert. In Experimenten mit Mäusen hatte diese Methode schon Erfolg. Die Forscher patentierten das Implantat jetzt und suchen nach Partnern, die erste klinische Studien mit Menschen durchführen wollen.