Alkoholismus Vollrausch im Mutterleib
Babys, deren Mütter in der Schwangerschaft Alkohol trinken, kommen oft mit Schäden im Gehirn zur Welt. Bis zu 4000 Kinder sind es jährlich in Deutschland.
Nein, die Ringelmütze mag sie jetzt nicht. Jenny* sitzt in ihrem Kinderwagen, windet sich und guckt aus schmalen Augen starr in die Luft. Ihr Gesicht ist besonders niedlich, aber ausdruckslos. Schließlich schafft es ihre Pflegemutter, den kleinen Kopf zu bedecken und sagt: "Jenny ist zwei Jahre alt, aber erst so weit entwickelt wie ein neun Monate altes Baby." Weil sie wusste, dass Jennys leibliche Mutter Alkoholikerin ist, hat die Pflegemutter ihren Schützling zur Untersuchung ins Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden der Berliner Charité gebracht.
- Was ist FASD oder FAS?
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Krankheitsbilder, die auf Schädigungen durch Alkohol im Mutterleib zurückgehen, werden heute als Fetale Alkoholspektrum-Störungen, auf Englisch Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD) zusammengefasst.
Bei einem voll ausgeprägten Fetalen Alkohol-Syndrom (FAS) leiden die Kinder unter körperlichen Missbildungen, Wachstumsstörungen und sind geistig beeinträchtigt. Da viele betroffene Kinder aber nicht alle Symptome aufweisen, bemerken die Eltern häufig erst spät, was der Grund für die Aggressivität und die Lernschwierigkeiten ist.
Viele dieser Kinder leben bei Pflegefamilien, da ihre Mütter Alkoholikerinnen sind – doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der einmaligen Genuss von Alkohol das Ungeborene schädigen kann.
- Alkohol in der Schwangerschaft
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Früher glaubte man, ein Gläschen Wein in der Schwangerschaft könne nicht schaden. Wahrscheinlich haben viele Mütter nach dieser Devise gelebt und einfach Glück gehabt. Aber heute weiß man: Auch geringe Mengen Alkohol können Fehlbildungen hervorrufen. Denn jeder Tropfen Alkohol wird vom Organismus des Ungeborenen aufgenommen – und kann nur viel langsamer abgebaut werden als von der Mutter. Schädigungen der Zellen sind die Folge.
Ärzte sind sich heute deshalb einig: Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollten Frauen absolut auf Alkohol verzichten. Damit Schwangere nicht zwischendurch schwach werden, sollten auch Väter in dieser Zeit Vorbild sein und weitgehend auf Alkohol verzichten.
Wer ein Problem mit dem Alkoholverzicht hat, sollte sich früh Hilfe holen. Informationen dazu gibt es in den Beratungsstellen vieler Städte. Auch Frauen, die getrunken haben, als sie noch nichts von der Schwangerschaft wussten, können sich hier beraten lassen. (dal)
Die Einrichtung wurde erst vor kurzem auf dem Gelände des Virchow-Kllinikums in Berlin-Wedding eröffnet. Dort untersucht Kinderarzt Hans-Ludwig Spohr auffällige junge Patienten. Spohr, der bis 2005 die DRK-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Westend leitete, beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit dem Thema. Er sieht oft mit einem Blick, was mit den Kindern nicht stimmt. Über Jenny sagt er: "Sie wirkt wie eine Käthe-Kruse-Puppe – das ist das typische Alkoholgesicht": ein besonders kleiner Kopf, sehr schmale kleine Augen, der Abstand zwischen Mund und Nase ist viel größer als bei anderen Kindern und die Oberlippe kaum ausgeprägt.
Der Alkohol, den Jennys Mutter während der Schwangerschaft trank, hat Gehirn und Körper des Kindes schon im Mutterleib geschädigt. Fetales Alkohol-Syndrom (FAS) nennt man das in besonders schweren Fällen, denen man es ansieht. Wie Jenny. Manchmal kommt noch ein Herzfehler hinzu. Bei anderen Kindern, die ins Zentrum kommen, ist die Schädigung nicht ganz so ausgeprägt. Bei ihnen spricht man allgemein von Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen (FASD). Auch ihr Wachstum ist verzögert, ihre geistige Entwicklung gestört.
Bei bis zu 4000 Kindern wird jedes Jahr in Deutschland ein Alkoholschaden diagnostiziert. Aber die Dunkelziffer sei hoch, sagen Spohr und sein Kollege Joachim Dudenhausen, Direktor der Kliniken für Geburtsmedizin der Berliner Charité. "Man weiß gar nicht, bei wie vielen Kinder das der Grund für eine Lernbehinderung ist", sagt Spohr. "Die Gesellschaft hat noch nicht mitbekommen, dass es ein Problem gibt", ergänzt Dudenhausen. Bei einer Umfrage unter Schwangeren in der Hauptstadt hatten neun Prozent der Teilnehmerinnen zugegeben, dass sie Alkohol getrunken hätten. "Man weiß nicht, wie viel Alkohol tatsächlich zu viel ist", sagt Spohr.
Deshalb plädiert er für "die Null-Option": Überhaupt keinen Alkohol. Viele Frauen wissen nicht über die Gefahren Bescheid, andere verleugnen ein Alkoholproblem. Aber leibliche Mütter suchen kaum Spohrs Rat. "95 Prozent der Kinder, die zu uns kommen, leben bei Pflegeeltern", sagt er. Sie sind ihren Müttern wegen "Vernachlässigung" vom Jugendamt weggenommen worden. Viele Pflegeeltern wissen nicht, worauf sie sich einlassen: "Der Alkohol wird von Jugendämtern oft nicht thematisiert", sagt Spohr. Auch Ärzte würden bei weniger ausgeprägten Formen oft nicht an die richtige Diagnose denken.
Viele der Pflegeeltern kommen erst über eine Internetrecherche auf die richtige Idee und in Spohrs Sprechstunde. Viele machen sich Vorwürfe, dass sie ihre Schützlinge falsch behandeln. Vor allem wenn das Kind älter und die Behinderung immer deutlicher wird. "Die Diagnose ist wichtig, damit die Pflegeeltern wissen, dass es eine organische Schädigung und kein Erziehungsfehler ist." Dann könne man den Kindern mit Logo-, Ergo- und Psychotherapie helfen.
Außerdem sei es wichtig, dass Pflegeeltern ihnen einen besonders durchstrukturierten Alltag böten. Deshalb geht die 18- jährige Vicky * an Wochentagen immer um 22 Uhr ins Bett. Das hat Sabine Gehring* so eingeführt. Sie ist Pflegemutter von zwei alkoholgeschädigten Kindern: Vickys Pflegebruder Ben* ist zwölf. Sabine Gehring selbst wusste zwar bei beiden von Anfang an, was mit ihnen nicht stimmte. Schwierig sei die Erziehung dennoch: "Besonders Vickys Pubertät war schrecklich, hundert Mal so schlimm wie bei meiner leiblichen Tochter. Wie sie mich beschimpfte, das ging weit über normalen Pubertätsprotest hinaus." Eine andere Pflegemutter berichtet von "Attacken" ihres Schützlings Carsten*: Mit einem spitzen Gegenstand bewaffnet sei er "brüllend wie eine verfolgter Wahnsinniger" durch Haus und Garten gelaufen.
Jugendliche, deren Gehirn durch Alkohol im Mutterleib geschädigt ist, sind häufig sehr aggressiv. Und sie verhalten sich auch sonst sozial auffällig, sagt Dudenhausen: "Ein großer Prozentsatz wird kriminell, weil sie nicht begreifen, wenn sie etwas verkehrt machen." Denn oft können sie Zusammenhänge nicht erkennen, die anderen ganz klar sind. Textaufgaben im Matheunterricht etwa stellen Vicky oft vor ein unlösbares Rätsel. Trotz ihrer Lernbehinderung war sie zunächst auf einer normalen Realschule, blieb dort aber zwei Mal sitzen. Heute besucht sie wie ihr Pflegebruder Ben eine Schule für Körperbehinderte. In eineinhalb Jahren wird sie ihren erweiterten Hauptschulabschluss machen. Ihre Pflegemutter glaubt an Vickys Erfolg. "Ob Ben das auch schafft, weiß ich aber nicht." Seine Behinderung ist stärker.
Bei Erwachsenen bleibt die Störung weiterhin bestehen, sagt Spohr: 80 Prozent aus beiden Gruppen könnten in keinem normalen Beruf arbeiten. Und 70 Prozent seien nicht in der Lage, allein zu leben. Das hat er in einer Langzeitstudie herausgefunden. Vicky kann sich gar nicht gut vorstellen allein zu leben. "Da kocht Mama ja nicht mehr für mich."
* Namen von der Redaktion geändert
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 29.03.2010)
- Datum 29.03.2010 - 11:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Ich finde es unverantwortlich, wenn Mütter während der Schwangerschaft rauchen oder Alkohol trinken. Ich kann auch deren Partner nicht verstehen, die das hinnehmen. Für mich ist das vorsetzliche Körperverletzung, und das am eigenen Kind! Um dem entgegenzuwirken sollten sich die Partner solidarisch zeigen, fall es ihren Partnerinnen schwer fällt eine Zeit lang "abstinent" zu leben und das selbe tun =) Gute Möglichkeit um mit dem Rauchen aufzuhören und dem (häufig) überhöhten Alkoholgenuss entgegenzuwirken :>
Kinder haben wir ja eh zu wenige, im Gegenzug zuviele Raucher bzw. Menschen, die aufhören wollen, aber irgendwie keine Möglichkeit finden ;)
wüsste gern welcher Verein diese Nachrichten immer in Umlauf bringt. Ich sehe bei diesen Kindern keine gravierende Schädigung. Eher bei den Pflegeeltern und bei der Gesellschaft im Allgemeinen. Es reicht nun schon aus, nicht besonders intelligent zu sein oder eine schwere Adoleszenz zu haben, um als "behindert" zu gelten. Damit können sich alle die Hände reinwaschen und die Schuld auf die Mutter oder den Alkohol schieben.
Und der letzte Satz ist ein Witz oder?? Der 18 jährige Guido* kann sich nicht vorstellen woanders zu wohnen, weil die Mutter für ihn kocht. Dann wären ja 90% der Spanier und Italiener schwerbehindert. Die wohnen teilweise noch bis 30 bei den Eltern.
Sehr geehrter Herr (?) heinzschmidt;
Ihr Kommentar kann doch wirklich nicht ihr Ernst sein??!! Sie sehen bei diesen Kindern keine gravierende Schädigung? Hallo?
Diese Kinder, Jugendlichen und späteren Erwachsenen sind oft nicht fähig, ein eigenständiges Leben zu führen! Sie sind häufig weder in der Lage, sich zu versorgen oder Sozialkontakte zu halten, noch einer Erwerbstätigkeit (vom Absolvieren einer Ausbildung ganz zu schweigen) nachzugehen; an Körperpflege oder anderen Dinge ist gar nicht zu denken!
Diese Menschen haben keine "schwere Adoleszenz", sondern sind geistig behindert!
Hier war auch nicht die Rede von italienischen Muttersöhnchen!
Unglaublich diese Ignoranz!!
Sehr geehrter Herr (?) heinzschmidt;
Ihr Kommentar kann doch wirklich nicht ihr Ernst sein??!! Sie sehen bei diesen Kindern keine gravierende Schädigung? Hallo?
Diese Kinder, Jugendlichen und späteren Erwachsenen sind oft nicht fähig, ein eigenständiges Leben zu führen! Sie sind häufig weder in der Lage, sich zu versorgen oder Sozialkontakte zu halten, noch einer Erwerbstätigkeit (vom Absolvieren einer Ausbildung ganz zu schweigen) nachzugehen; an Körperpflege oder anderen Dinge ist gar nicht zu denken!
Diese Menschen haben keine "schwere Adoleszenz", sondern sind geistig behindert!
Hier war auch nicht die Rede von italienischen Muttersöhnchen!
Unglaublich diese Ignoranz!!
Vor einiger Zeit hatte ich während eines Praktikums mit einem etwa zehnjährigen Jungen zu tun, der - damals hieß die Diagnose Alkoholembryopathie - mich lehrte, was Alkoholkonsum während einer Schwangerschaft bedeuten kann. Wie im Artikel beschrieben lebte er in einer Pflegefamilie, konnte sich der Schülergruppe, in der er war, nicht anpassen, weil er deren soziale Regeln schlicht nicht verstand (man tanzt nicht während des Essens auf dem Tisch herum oder man schlägt niemanden, um Kontakt anzubahnen).
Er war fremd- und selbstaggressiv und entsprechend einsam und unglücklich; soziale Kompetenz war ein Fremdwort für den Jungen. Soziale Kontakte außerhalb seiner Pflegefamilie hatte er meines Wissens keine.
Alkohol und dessen fatale Auswirkungen in der Schwangerschaft ist ein Bereich, der kaum thematisiert wird und der leider tausende (zum Teil schwerst-)behinderter Kinder jährlich in Deutschland zur Welt kommen lässt.
In diesem Bereich tut Aufklärung wirklich Not! Und natürlich frühzeitige Hilfe; aber Schwangere mit Alkoholproblemen kommen in dieser Gesellschaft offenbar nicht vor.
Sehr geehrter Herr (?) heinzschmidt;
Ihr Kommentar kann doch wirklich nicht ihr Ernst sein??!! Sie sehen bei diesen Kindern keine gravierende Schädigung? Hallo?
Diese Kinder, Jugendlichen und späteren Erwachsenen sind oft nicht fähig, ein eigenständiges Leben zu führen! Sie sind häufig weder in der Lage, sich zu versorgen oder Sozialkontakte zu halten, noch einer Erwerbstätigkeit (vom Absolvieren einer Ausbildung ganz zu schweigen) nachzugehen; an Körperpflege oder anderen Dinge ist gar nicht zu denken!
Diese Menschen haben keine "schwere Adoleszenz", sondern sind geistig behindert!
Hier war auch nicht die Rede von italienischen Muttersöhnchen!
Unglaublich diese Ignoranz!!
....Schilder in US Bars, die darauf aufmerksam machen, dass Trinken während der Schwangerschaft das Kind schädigt und Körperverletzung ist. Warum jetzt ein Artikel?
Vielleicht weil
1. die USA ein anderes Land als Deutschland ist und dieser Artikel in einer Deutschen Zeitung erscheint
2. Schwangere selten (hoffentlich) in Bars herumhängen und Alkohol trinken und entsprechende Schilder kaum lesen werden. Frauen trinken meist heimlich und allein - anders als Männer, deren öffentlicher Alkoholkonsum gesellschaftlich eher anerkannt wird.
Vielleicht also deswegen und wegen der (bekannten) Schädigungsfälle eben dieser Artikel...
Vielleicht weil
1. die USA ein anderes Land als Deutschland ist und dieser Artikel in einer Deutschen Zeitung erscheint
2. Schwangere selten (hoffentlich) in Bars herumhängen und Alkohol trinken und entsprechende Schilder kaum lesen werden. Frauen trinken meist heimlich und allein - anders als Männer, deren öffentlicher Alkoholkonsum gesellschaftlich eher anerkannt wird.
Vielleicht also deswegen und wegen der (bekannten) Schädigungsfälle eben dieser Artikel...
Vielleicht weil
1. die USA ein anderes Land als Deutschland ist und dieser Artikel in einer Deutschen Zeitung erscheint
2. Schwangere selten (hoffentlich) in Bars herumhängen und Alkohol trinken und entsprechende Schilder kaum lesen werden. Frauen trinken meist heimlich und allein - anders als Männer, deren öffentlicher Alkoholkonsum gesellschaftlich eher anerkannt wird.
Vielleicht also deswegen und wegen der (bekannten) Schädigungsfälle eben dieser Artikel...
Spannend könnte es werden, wenn wir vorurteilsfrei fragen, was Mütter im sinne der Selbstbestimmung mit ihren ungeborenen Kindern machen dürfen und wo die Grenze ist.
Vermutlich ist das Thema zu schwierig - die Populisten des Medienteichs können keine schwarz/weiß Scheindebatte anzetteln. Wünschenswert wäre eine Diskussion über die Grenze der Selbstbestimmung aber durchaus.
....Körperverletzung oder wenigstens versuchte Körperverletzung ist es und an sich sind das mW Offizialdelikte. Wieso also werden solche Fälle nicht ermittelt und bestraft? Wir wissen darum seit 20 Jahren.
....Körperverletzung oder wenigstens versuchte Körperverletzung ist es und an sich sind das mW Offizialdelikte. Wieso also werden solche Fälle nicht ermittelt und bestraft? Wir wissen darum seit 20 Jahren.
- diabetes in der schwangerschaft: babies werden mit zucker überschwemmt und wachsen zu viel; 4-5 kg geburtsgewicht etc.
- stress in der schwangerschaft: in extremen fällen droht eklampsie, bei der sich die blutgefäße die das embryo versorgen zusammenziehen und das wachstum beeiträchtigt ist bzw entwicklungsstörungen
- alkohol: wie beschrieben
- rauchen
etc
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