Chirurgie-Kongress Kampf gegen Kunstfehler

Das Vermeiden von Fehlern beschäftigt die Chirurgen. Damit sind sie weiter als viele ihrer Kollegen. Und Operationen werden für Patienten sicherer.

Hightech und Handwerk: Mit einfachen Instrumenten und modernen Materialien operieren Chirurgen am Universitätsklinikum Halle einen Patienten an der Hüfte

Hightech und Handwerk: Mit einfachen Instrumenten und modernen Materialien operieren Chirurgen am Universitätsklinikum Halle einen Patienten an der Hüfte

Ende der siebziger Jahre forderten die Chirurgen als erste medizinische Disziplin Verfahren zur Qualitätssicherung und fingen an, diese zu erproben. Jetzt sind sie wieder Vorreiter: bei der Frage, wie die Sicherheit der Patienten in der immer komplizierter werdenden Chirurgie und im hektischen Klinikalltag verbessert werden kann. Darüber diskutierten die Mediziner auf dem Chirurgenkongress 2010 in Berlin.

Gefahrenträchtig sind zwar nicht allein Operationen. Aber ein großer Teil der 17.000 Patienten, die jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern an fehlerhaften Behandlungen sterben, dürften Fehlern in der Chirurgie zum Opfer fallen. Diese Schätzzahl des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, dem die Chirurgen angehören, nannte der Marburger Medizin-Dekan Matthias Rothmund auf dem Kongress. Schon 2005 hatte er als dessen Präsident das seinerzeit kontroverse Thema "Patientensicherheit in der Chirurgie" zur Diskussion gestellt. Eine vertrauensbildende Maßnahme, für die er jetzt mit dem Rudolf-Zenker-Preis der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie geehrt wurde. Da waren die Chirurgen wieder Avantgarde, wie zuvor bei der Qualitätssicherung.

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Einige Jahre nach Amerikas Ärzten hatten auch ihre deutschen Kollegen nach anfänglichem Zögern offen und ehrlich bekannt, dass in der Medizin Fehler vorkommen. Das liegt weniger an einzelnen Ärzten und Schwestern als an schlecht koordinierten Abläufen, vor allem an Kommunikationsmängeln.

Rothmund berichtete, was inzwischen geschehen ist, um den Behandlungsprozess geordnet und für den Patienten sicherer zu gestalten sowie Fehler und Beinahe-Fehler zu analysieren und daraus zu lernen.

"Es wird jetzt über Fehler geredet", sagte er und sieht allein schon dies als großen Fortschritt an. Deutlich zugenommen haben zum Beispiel die in anderen Ländern zum Standard gehörenden regelmäßigen Besprechungen über unerwartete Komplikationen und Todesfälle. Diese "Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen", bei denen Fehler und ihre Verhinderung zur Sprache kommen, waren vor dem Wendepunkt 2005 nur in 20 Prozent der deutschen Chirurgischen Kliniken üblich, 2009 schon in 50 Prozent.

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