Psychologie des Essens In Gesellschaft essen wir anders
Dünne Menschen mit großem Appetit verführen uns dazu, viel zu essen. Für welche Speisen wir uns entscheiden, hängt davon ab, was unsere Tischpartner wählen.

Wenn uns andere beim Essen zusehen, zählen wir schon mal die Erbsen auf dem Teller
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie stehen in der Schlange am Buffet. Vor Ihnen packt ein Gast seinen Teller mit allerlei Leckereien so richtig voll. Genau das beeinflusst, wie viel anschließend auf Ihrem Teller landet – und zwar je nachdem, ob die Person vor Ihnen schlank oder wohlbeleibt ist. Zwar überrascht es wenig, dass das Essverhalten anderer uns beeinflusst. Oft ertappt man sich ja sogar dabei, wie die eigene Disziplin angesichts des üppigen Buffets schwindet, weil andere einfach zugreifen. Doch jetzt haben Forscher dieses Phänomen in zwei aufschlussreichen Studien untersucht, die auch Überraschungen zu Tage brachten.
"Wir orientieren uns an der Essensmenge, die andere Personen in unserer Umgebung wählen und passen unseren Konsum an, je nachdem, ob der andere zu einer (un)erwünschten Referenzgruppe gehört", schreibt Brent McFerran, Forscher der kanadischen Universität British Columbia, in der aktuellen Ausgabe des Magazins Journal of Consumer Research.
Seine These: Die Essensmenge einer anderen Person dient als sogenannter Anker; langt die Person vor uns ordentlich zu, werden auch wir uns üppig am Buffet bedienen. Ist die andere Person im Gegensatz zu uns allerdings korpulent, halten wir uns zurück. Wir essen weniger, da ein "dicker" Anker uns unähnlich ist und "Dicksein" nicht unbedingt erstrebenswert ist.
Unter dem Vorwand, das Erlebnis beim Filmgucken zu untersuchen, luden die Forscher 210 Studentinnen zum Experiment. Um "Zeit zu sparen", mussten sich die Studentinnen jeweils zu zweit einen kurzen Film anschauen. Was sie nicht wussten: Die andere Studentin war eine Komplizin der Forscher. Bei der Hälfte der Durchgänge trug sie eine dick machende Körper-Prothese – ihre Konfektionsgröße wuchs so von 32 auf 48.
Vor dem Film durften sich die Teilnehmer mit verschiedenen Süßigkeiten eindecken und diese mit in den Versuchsraum nehmen. Die eingeweihte Komplizin bediente sich zuerst und setzte damit einen Anker: Sie nahm entweder 30 oder nur zwei Süßigkeiten – danach wählten die Probandinnen. Die ungegessenen Naschereien ließen die Teilnehmerinnen nach dem Film stehen. So konnten die Forscher errechnen, wie viele Süßigkeiten die Studentinnen gegessen hatten.
- Wie Männer essen
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In einem weiteren Experiment der Studie untersuchte McFerran drei weitere Aspekte:
1) Sie befragten 118 Männer und kamen zu identischen Ergebnissen.
2) Probanden mit einem positiven (Körper-)Selbstbewusstsein ließen sich von der Figur einer anderen Person nicht in ihrer Essenswahl beeinflussen.
3) Mussten die Teilnehmer sich während des Experiments eine Telefonnummer merken, verlor der Anker-Effekt durch die Ablenkung seine Wirkung.
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Bei der Generalisierung der Ergebnisse ist allerdings Vorsicht geboten: An der Studie nahmen ausschließlich normalgewichtige TeilnehmerInnen teil. Wie korpulente Menschen sich durch die Essensmenge und die Figur anderer Personen beeinflussen lassen, muss noch untersucht werden. Die Komplizin der Forscher war weiterhin immer eine unbekannte Person. Da wir aber im Alltag oft zusammen mit Freunden und Bekannten essen, könnten die Einflüsse dort anderer Art sein.
Die Ergebnisse sprechen für die These: Wenn eine "dicke" Komplizin 30 Süßigkeiten aß, naschten die Probandinnen trotz des hohen Ankers weniger als mit einer Kommilitonin ohne "Dickmacher-Prothese". Dann zeigte der Anker seine gefährliche Seite – die Probandinnen schlemmten genauso "unbedacht" wie die anwesende dünne Komplizin. Setzte diese mit nur zwei entnommenen Naschereien hingegen einen niedrigen Anker, aßen auch die Teilnehmerinnen viel weniger.
"Der Kopf kontrolliert immer mit, was eigentlich nur den Bauch etwas angeht. Das ist nicht immer gut, denn auf diese Weise umgeht der Mensch häufig Regeln, die er zuvor für sich selbst aufgestellt hatte. Er trickst seine Esskontrolle einfach aus, indem er sich die Legitimationen zum Essen schafft: Die schlanke Modell-Person mit dem vollen Teller ist so ein Beispiel – wenn die das darf, dann darf ich es auch", kommentiert Georg Felser, Werbepsychologe der Hochschule Harz in Wernigerode, die Studie.
- Datum 08.04.2010 - 06:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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In einem Restaurant an 70 Tischen mit sage und schreibe 268 Gästen. Und das soll jetzt signifikant sein?
Es gibt auch Studien mit 30 Teilnehmern und weniger die signifikant sind. Optimale Stichprobenumfänge berechnen ist wissenschaftlicher Alltag.
Wir essen weniger, da ein "dicker" Anker uns unähnlich ist und "Dicksein" nicht unbedingt erstrebenswert ist.
Ich fürchte da geht der Autor ein wenig zu sehr von sich aus. Das freut mich für ihn, aber für mich wie sicher auch für einen grossen Teil seiner Leserschaft mag ein "dicker" Anker zwar abschreckend wirken - unähnlich ist er uns leider nicht.
Viel Essen geschieht im Verborgenen. Allein mit dem Kühlschrank wird dieser geplündert. Es ist nicht anders als mit dem Alkohohl.Der wahrhaft Süchtige versteckt diesen und hält die Krankheit vor sich und allen anderen geheim.
Es ist nicht anders als mit dem Alkohohl.Der wahrhaft Süchtige versteckt diesen und hält die Krankheit vor sich und findet ihn nacher nicht mehr.
Unser Musikgeschmack funktioniert ja recht ähnlich. =)
Es gibt immer wieder Personen, die sich außerhalb der Mehrheit unwohl fühlen, es gibt immer Personen, die "gegen den Strich bürsten", um sich als Individuum zu fühlen, und es gibt immer wieder Personen, die machen einfach das was sie für sich für richtig halten, unabhängig von anderen.
Es ist doch so dass fast alle unserer Entscheidungen nicht nur rational sondern, zu mindest zu einem Teil, irrational,intuitiv getroffen werden. Unsere Umgebung wirkt dabei als Anker, dem wir uns bedienen um uns zu orientieren und Entscheidungen zu treffen. Um es dabei um Essen, Rauchen oder Drogen geht. Dabei gibt es noch eine ganze reihe anderer sog. Heuristiken (z.B. affect heuristic, availability heuristic) die für das im Artikel angesprochene Problem verantwortlich sein könnten.
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