HIV-Prävention Verfrühte Hoffnungen auf ein Gel gegen Aids
Forscher haben ein Gel getestet, das beim Sex vor dem HI-Virus schützen soll. Zwar sank statistisch das Infektionsrisiko bei Frauen, doch der Erfolg ist noch fraglich.
© Jacky Naegelen/Reuters

HIV-infizierte Frauen auf einer Krankenstation nahe Cotonou
Es klingt zu schön um wahr zu sein: Zum ersten Mal könnte sich ein Scheidengel gegen den Erreger der Immunkrankheit Aids als wirksam erwiesen haben. Die Wörter "Durchbruch" und "Meilenstein" machen bereits die Runde auf der Weltaidskonferenz in Wien, wo die südafrikanische Forscherin Quarraisha Abdool Karim die Ergebnisse ihrer Pilotstudie jetzt vorstellte. Doch die Euphorie könnte sich auch als Enttäuschung erweisen.
Auf den ersten Blick sind die Daten tatsächlich bemerkenswert. Denn das HIV-Ansteckunsrisiko jener Frauen, die das sogenannte "chemische Kondom" anwendeten, sank statistisch um 39 Prozent. "Auf diese Ergebnisse haben wir 20 Jahre gewartet", sagt Abdool Karim, deren Studie online vorab im Magazin Science erschienen ist. Und selbst die Delegierten in Wien brachen im Anschluss an die Präsentation in heftigen Applaus aus. "Das gibt Frauen Hoffnung", sagt Michel Sidibe, der Leiter des Aidsprogramms UNAids der Vereinten Nationen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten, sprich seit dem Ausbruch der Aids-Pandemie, hat keine andere Studie mit ähnlichen Gelen einen nennenswerten Schutz vor HIV erreicht. Das gelte für alle elf Studien mit sechs verschiedenen Mikrobizid-Gelen, sagen die Wissenschaftler um Abdool Karim vom südafrikanischen Aids-Forschungszentrum CAPRISA .
Mikrobizide sind chemische Mittel, die gezielt Viren, Pilze und Bakterien abtöten. Ein darauf basierender Schutz vor dem HI-Virus wäre besonders für Frauen in Afrika geeignet, die heterosexuellen Geschlechtsverkehr haben. In einigen Regionen des Kontinents ist mittlerweile mehr als jeder zweite Mensch weiblich, der sich mit dem Erreger infiziert. Zudem ist die Gesundheit der Frauen bislang oft davon abhängig, ob der Mann ein Kondom benutzt. Mit einem unbemerkt angewendeten Scheidengel hätten Frauen selbst die Möglichkeit, einer Ansteckung vorzubeugen.
Abdool Karims Studie untersuchte nun erneut ein solches Gel. Im Gegensatz zu den bisherigen Fluiden, enthält es zu einem Prozent den Wirkstoff Tenofovir. Das Mittel verhindert zusammen mit anderen Präparaten die Vermehrung des Aids-Erregers im Körper und wird bereits seit Jahren in Form von Tabletten eingesetzt, um HIV-Infizierte zu behandeln – Bestandteil eines chemischen Kondoms war es jedoch noch nie.
889 Frauen nahmen an der Erprobung des Gels teil. Die zwischen 18 und 40 Jahre alten Studienteilnehmerinnen wurden in etwa zwei gleich große Gruppen eingeteilt. Die eine bekam das Tenofovir-Gel, die andere ein wirkungsloses Placebo-Gel. Alle Frauen wurden über den Schutz vor Aids und anderen Geschlechtskrankheiten beraten und bekamen Kondome. Begleitend untersuchten Ärzte die Probandinnen regelmäßig und behandelten jene Frauen umgehend, die sich mit dem HI-Virus infiziert hatten.
- Datum 20.07.2010 - 19:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
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Sowohl ein Journalist, der nochmal die Quellen rezensiert, als auch danach nachdenkt und dann erst schreibt ist heute schwer zu finden.
Deshalb sei mal gedankt, obwohl es selbverstaendlich sein sollte!
Gut gesagt,sehe ich auch so.
Gut gesagt,sehe ich auch so.
also als erstes : Ihnen hat sich beim schreiben ein kleiner Fehler eingeschlichen und zwar bei "die südafrikanische" (so richtig)
("889 Frauen nahmen an der Erprobung des Gels teil. Die zwischen 18 und 40 Jahre alten Studienteilnehmerinnen wurden in etwa zwei gleich große Gruppen eingeteilt. Die eine bekam das Tenofovir-Gel, die andere ein wirkungsloses Placebo-Gel"
"Im Dezember 2009 fand eine Studie mit mehr als 9000 Frauen in vier afrikanischen Ländern letztlich keinerlei Schutz vor dem Aids-Erreger.")
Ich weiß ja auch das die Wissenschaft vorgeht, aber ist das nicht ein bischen grausam ? Ok, die Menschen wurden bestimmt aufgeklärt, es hört sich in meinen Ohren aber eher wie Versuchskaninchen an.
Liebe(r) BadLuck,
es schleicht sich tatsächlich oft der Hintergedanke ein, dass diese Studien mit Menschen wie mit Versuchskaninchen umgehen. Und Sie haben Recht, dass Studienteilnehmer aufgeklärt und auch betreut werden.
Um die Wirksamkeit von Dingen wie Vaginalgels zu erproben, bleibt dennoch leider kein anderes probates Mittel.
Der Fehler wurde im Übrigen korrigiert, danke für den Hinweis.
Grüße
Liebe(r) BadLuck,
es schleicht sich tatsächlich oft der Hintergedanke ein, dass diese Studien mit Menschen wie mit Versuchskaninchen umgehen. Und Sie haben Recht, dass Studienteilnehmer aufgeklärt und auch betreut werden.
Um die Wirksamkeit von Dingen wie Vaginalgels zu erproben, bleibt dennoch leider kein anderes probates Mittel.
Der Fehler wurde im Übrigen korrigiert, danke für den Hinweis.
Grüße
Liebe(r) BadLuck,
es schleicht sich tatsächlich oft der Hintergedanke ein, dass diese Studien mit Menschen wie mit Versuchskaninchen umgehen. Und Sie haben Recht, dass Studienteilnehmer aufgeklärt und auch betreut werden.
Um die Wirksamkeit von Dingen wie Vaginalgels zu erproben, bleibt dennoch leider kein anderes probates Mittel.
Der Fehler wurde im Übrigen korrigiert, danke für den Hinweis.
Grüße
Gut gesagt,sehe ich auch so.
ich finde es dennoch bedenklich eine studie durchzuführen, in der sich menschen ganz offensichtlich - ob im sinne der wissenschaft hin oder her - mit hiv infizieren. wenn diese studie dann noch nicht einmal statistisch verwertbar ist, frage ich mich nach dem sinn.
auch ein wenig "krank".
Nach welchem Prinzip werden die Frauen denn ausgesucht? Sind die Frauen aufgeklärt? Also wirklich ausgeklärt und haben die "Aufklärung" auch verstanden?
Was genau sagt man den Frauen denn? " Hier haste ein Gel das vor HIV schützt." Einige Monate darauf "OH doch kein Schutz, sorry" ???
Und wie soll das Produkt denn verwendet werden? Ein Mann sollte ja wohl merken, vorallem wenn er ohne Kondom Sex hat, dass da irgendwas im vaginalen Bereich nicht stimmt.
Oder lässt man das Gel einziehen? Oder funktioniert es wie Gleitgel???
Wie dem auch sei, die Studien Durchführung ist ziemlich, makaber und nicht ganz schlüsslig, zumindest für mich.
Dieses Gel ist nichts weiter, als ein tödliches Glücksspiel. Was für Verhältnisse sind das, in denen Frauen HEIMLICH verhüten müssen? Diese Verhältnisse sollte man nicht auch noch unterstützen!
Bei der Bewertung der vorliegenden Studie ist meines Erachtens vorsichtiger Optimismus angebracht, und nicht etwa der Pessimismus, der diesen ZEIT-Artikel charakterisiert.
Die Studie wurden nach höchsten Maßstäben doppelblind, randomisiert und kontrolliert durchgeführt und erreichte für die Wirksamkeit des Gels eine hohe statistische Signifikanz mit einer Irrtumswahrscheinlickeit von nur 1,7%.
Keine andere Studie eines Mikrobizids hat jemals diesen Wert erreicht. In der ersten Hälfte des Artikels wird das auch erwähnt, dann aber durch die falsche Aussage zu PRO 2000 relativiert. Die erste Studie zu PRO 2000 war auf dem üblichen 5% Niveau nicht signifikant!
Eine weitere bedenkliche Bemerkung, die den negativen Ton des Artikels befördert, betrifft den Gebrauch von Kondomen. In einer doppelblinden randomisierten Studie, in der alle Teilnehmer die gleiche Beratung und gleichermassen Kondome erhalten, kann man einen nennenswerten Einfluß letzterer nicht erwarten. In der Studie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Gebrauch von Kondomen bei den Teilnehmern erfasst wurde, und statistische Schwankungen rechnerisch berücksichtigt wurden.
Trotzdem ist natürlich richtig, dass die Ergebnisse dieser kleine Pilot-Studie in einer größeren bestätigt werden müssen. Die Teilnehmer der Studie stammen aus einem Hochrisikogebiet, das wenig repräsentativ für das restliche Afrika ist.
Allerdings ist der Erfolg dieser Studie bemerkenswert und Optimismus durchaus angebracht.
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