Ölpest BP muss Belastungstest unterbrechen

Neuer Rückschlag für BP: Der Ölkonzern musste die Testreihe für die neue Absaugglocke stoppen. Grund ist eine undichte Stelle. Wann diese gestopft ist, sei völlig offen.

Knapp drei Monate nach Beginn der verheerenden Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ist ein erneuter Versuch vorläufig gescheitert, das unablässig ausströmende Öl endlich einzudämmen . Kaum hatten die Ingenieure des britischen Ölkonzerns BP mit dem abschließenden Belastungstest für die neue Auffangkappe über dem ramponierten Bohrloch begonnen, mussten sie ihre Arbeit auch schon wieder unterbrechen. Ein Leck in dem kilometerlangen Steigrohr verhinderte jede weitere Messung.

Ein Sprecher von BP sagte, dass die Testreihe erst dann fortgesetzt werden könne, wenn die undichte Stelle geschlossen sei. Wann dies der Fall sei, sei derzeit nicht abzusehen. 

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Damit erlebt BP einen weiteren Rückschlag in dem Bemühen, die Ölpest endlich einzudämmen und zumindest den unablässigen Ölfluss aus dem Bohrloch in 1500 Meter Tiefe zu stoppen. Mit dem neuen Zylinder hätte dies vorübergehend gelingen können, wenn die abschließenden Belastungstests die Solidität der neuen Anlage bewiesen hätten. Vollständig verschließen sollen die Quelle dann Entlastungsbohrungen. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet. 

Ob die "Top Hat 10"-Operation aber tatsächlich gelingt, wagen nun weder BP noch der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, zu prognostizieren. Trotz der mahnenden Worte des BP-Managers Kent Wells – der Test könne "länger dauern als zuvor geahnt" – hatte die Aktion um Mitternacht (MEZ) durchaus hoffnungsvoll begonnen. Nachdem die Prüfung am Dienstag verschoben worden war, konnten in der Nacht eine von mehreren Öffnungen des Zylinders geschlossen werden. In den folgenden 48 Stunden sollten die beiden weiteren Ventile folgen.

Während dieses Testverfahrens sollte der Druck in den Ventilen stetig gemessen werden. Dabei kommt es darauf an, wie hoch oder niedrig die Werte sind. Hohe Druckwerte zeigen, dass die Vorrichtung funktioniert. Dann ließe sich der Ölfluss komplett stoppen – und BP könnte sich ganz auf die Reinigungsarbeiten auf dem Meer und an der Küste konzentrieren. Zeigen die Messgeräte aber zu niedrige Werte an, ist die Operation unnütz. Dann müssen auch weiterhin Schiffe so viel Öl wie möglich an der Meeresoberfläche absaugen. Dabei könnten weiter Tausende Tonnen pro Tag ins Meer gelangen.

Der Verzug zunächst bei der Platzierung des Zylinders über dem ramponierten Bohrloch und nun bei dessen abschließendem Belastungstest ist die Fortsetzung einer Serie von Verzögerungen und Misserfolgen. Wann immer BP verschiedene Kappen oder Absaugsysteme installierte, Schäden an der Quelle reparieren oder das Leck verstopfen wollte, brauchte der Konzern länger als geplant. Entweder behinderten ihn technische Probleme, die geringe Erfahrung in solch großer Tiefe oder das Wetter.

Inzwischen ist klar: Die Ölpest ist die schlimmste Umweltkatastrophe in der US-Geschichte. Sie bedroht Flora und Fauna sowie wichtige Wirtschaftszweige wie Tourismus und Fischerei entlang der amerikanischen Golfküste. Auch das Schicksal von BP steht zur Debatte .

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

 
Leser-Kommentare
  1. Die offizielle US Regierungsseite http://www.energy.gov/ope...
    erklärt, dass auf Bildern von der beschädigten Plattform, die mit hochenergetischer Gammastrahlen aufgenommen wurden, ein Stück Bohrgestänge innerhalb des BOP ausgemacht wurde. Im Wortlaut: "and it showed that a piece of drill pipe was stuck inside the BOP."
    Meine einfache Frage, wo soll das Stück Bohrgestänge herkommen, wenn nicht aus dem Steigrohr?
    Würde gerne wissen, wie das gefrorene Methangashydrat dort im Meeresboden darauf reagiert, wenn das über 200 Grad heiße Öl/Gasgemisch seinen Weg durch die Gesteinsschichten bahnt?
    Die ich rief, die Geister, Werd' ich nun nicht los

  2. ... "Der neue, 40 Tonnen schwere Zylinder" ...

    Seltsam, waren es die Tage nicht noch 75 Tonnen?
    Kleinigkeiten, die die Glaubwürdigkeit drücken. Erinnert mich an die Austrittswerte des Öls am Anfang und heute. Ist jetzt zwar nicht ganz so tragisch, aber man weiß ja nie, welche Tragweiten das annimmt...

  3. Die Ölpest ist die schlimmste Umweltkatastrophe in der WELTGeschichte. Aber es nutzt ja nichts, wir sind abhängig wie der Junkie von der Nadel. Und so wird überall fieberhaft nach dem Stoff gesucht, aus dem die Träume sind. Was danach kommt...who cares?

    Wahrscheinlich werden wir dann Müllkippen ausbuddeln um an Ressourcen zu kommen und irgendwie den Rausch zu verlängern. Irgendwie erinnert doch alles stark an den Spruch der Cree...

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    Nein. Was seit Jahren in Nigeria (Shell) passiert, ist schlimmer! Rein von der Menge trat im ersten Golf-Krieg deutlich mehr Öl aus. Nur interessiert das heute/hier niemanden (mehr)...

    Nein. Was seit Jahren in Nigeria (Shell) passiert, ist schlimmer! Rein von der Menge trat im ersten Golf-Krieg deutlich mehr Öl aus. Nur interessiert das heute/hier niemanden (mehr)...

    • ganryu
    • 15.07.2010 um 11:35 Uhr

    das öl wird zur Midgardschlange, die die Erde umschlingt. Ich glaube wir wissen gar nicht, was diese Katastrophe wirklich bewirkt. Geld sei Dank hatten wir ja eine schöne WM dazwischen, um vor lauter nationaler Rührseligkeit transnationale Probleme zu verdrängen. wahnsinn ist weiterzumachen wie bisher und andere Ergebnisse zu erwarten, sagte jemand der Relativität (ART)gründlich verstanden hatte.

  4. Denn das Erdöl blockiert die natürliche Filterfunktion des Meeressediments Arsen. Was Forscher des Imperial College London jetzt veröffentlicht haben ist für mich die nächste Stufe des Wahnsinns, der auf uns zukommen wird.
    http://www.scinexx.de/wis...

  5. Nein. Was seit Jahren in Nigeria (Shell) passiert, ist schlimmer! Rein von der Menge trat im ersten Golf-Krieg deutlich mehr Öl aus. Nur interessiert das heute/hier niemanden (mehr)...

    Antwort auf "Inzwischen ist klar"
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    Was im Moment im Golf von Mexico passiert übersteigt schlichtweg unser Vorstellungsvermögen. Natürlich lernen wir nicht aus der Vergangenheit, weil wir viel zu satt und träge sind. Außerdem arbeiten Politik und Medien schließlich mit der Vergesslichkeit der Bürger. Und die meisten Menschen wollen es einfach nicht anders. Doch glauben Sie mir, wir werden dieses Jahr noch richtig wachgerüttelt werden.

    Zumindest ZDF hat sich dem Thema Nigeria angenommen: http://auslandsjournal.zd...

    Was im Moment im Golf von Mexico passiert übersteigt schlichtweg unser Vorstellungsvermögen. Natürlich lernen wir nicht aus der Vergangenheit, weil wir viel zu satt und träge sind. Außerdem arbeiten Politik und Medien schließlich mit der Vergesslichkeit der Bürger. Und die meisten Menschen wollen es einfach nicht anders. Doch glauben Sie mir, wir werden dieses Jahr noch richtig wachgerüttelt werden.

    Zumindest ZDF hat sich dem Thema Nigeria angenommen: http://auslandsjournal.zd...

  6. Was im Moment im Golf von Mexico passiert übersteigt schlichtweg unser Vorstellungsvermögen. Natürlich lernen wir nicht aus der Vergangenheit, weil wir viel zu satt und träge sind. Außerdem arbeiten Politik und Medien schließlich mit der Vergesslichkeit der Bürger. Und die meisten Menschen wollen es einfach nicht anders. Doch glauben Sie mir, wir werden dieses Jahr noch richtig wachgerüttelt werden.

    Zumindest ZDF hat sich dem Thema Nigeria angenommen: http://auslandsjournal.zd...

    Antwort auf "Groß, aber so groß?"
  7. ...Bohrloch und Wassersäule - solange wird das Öl weiter ausströmen. Das habe ich schon einen Tag nach dem Unfall geschrieben.

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    • gommel
    • 15.07.2010 um 14:01 Uhr

    Wenn ich das richtig verstehe, senken sich die geologischen Schichten die das Öl-vorkommen überlagern immer weiter ab. Klingt auch logisch. Deswegen steht das Öl ja auch unter Druck. Im schlimmsten Fall, so kann ich mich erinnern es irgendwo gelesen zu haben, passiert das plötzlich, was zu einem Tsunami ungeheuren Ausmaßes führen würde.

    Nicht?

    • gommel
    • 15.07.2010 um 14:03 Uhr

    beachtlich geschrumpft der Fleck auf der grafik!

    aber der Überdruck macht die Förderung erst möglich.
    Hochpumpen geht nicht.
    Den tatsächlichen Druck will man jetzt feststellen, um Abhilfe zu schaffen.

    • gommel
    • 15.07.2010 um 14:01 Uhr

    Wenn ich das richtig verstehe, senken sich die geologischen Schichten die das Öl-vorkommen überlagern immer weiter ab. Klingt auch logisch. Deswegen steht das Öl ja auch unter Druck. Im schlimmsten Fall, so kann ich mich erinnern es irgendwo gelesen zu haben, passiert das plötzlich, was zu einem Tsunami ungeheuren Ausmaßes führen würde.

    Nicht?

    • gommel
    • 15.07.2010 um 14:03 Uhr

    beachtlich geschrumpft der Fleck auf der grafik!

    aber der Überdruck macht die Förderung erst möglich.
    Hochpumpen geht nicht.
    Den tatsächlichen Druck will man jetzt feststellen, um Abhilfe zu schaffen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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