Verdorbenes Rindfleisch ist in Deutschland illegal auf den Markt gelangt. Das haben Recherchen des SWR-Wissenschaftsmagazins Odysso ergeben. Der Keim heißt "Clostridium estertheticum" und ist mit herkömmlichen Lebensmitteluntersuchungen nicht nachzuweisen.

Noch ist unklar, ob von diesem speziellen Keim Gesundheitsgefahren ausgehen. Das Bundes-Verbraucherschutzministerium hat in Folge der SWR-Recherchen eine Risikobewertung in Auftrag gegeben. Die endgültigen Ergebnisse stehen noch aus. In einer ersten Einschätzung heißt es: "Sollte ein Verzehr stattfinden, so ist nach der Einschätzung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung für den Menschen als unwahrscheinlich anzusehen." Da aber viele Clostridien-Arten starke Gifte bilden, mahnt Fleischexperte Gareis, das Bakterium nicht zu unterschätzen.

Häufig wird Rindfleisch in Vakuumbeuteln mehrere Wochen gekühlt gelagert, um zu reifen. Unter diesen Bedingungen – ohne Sauerstoff und bei Kühlschranktemperaturen – gedeiht besagter Keim. Er zersetzt das Fleisch und bildet dabei Gase. Sie lassen die Vakuumverpackungen aufblähen. Durch die Zersetzung wird das Fleisch schleimig und entwickelt einen extremen Geruch: Gammelfleisch, das entsorgt werden muss. Oder besser gesagt: müsste. "Wir haben ganz klare Hinweise dafür, dass dieses Fleisch, das umverpackt und umettiketiert wird, wieder in den Verkehr gelangt", sagt der Mikrobiologe Manfred Gareis, Professor am Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Kulmbach.

Wie viel Gammelfleisch auf den Markt gekommen ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Der vollständige Beitrag von Patrick Hünerfeld läuft im Wissenschaftsmagazin Odysso, dem wöchentlichen Wissensmagazin, das donnerstags um 22 Uhr im SWR-Fernsehen ausgestrahlt wird.