Geburtsmedizin Übergewichtige Schwangere bekommen dickere Babys

Frauen, die in der Schwangerschaft viel zunehmen, bekommen dickere Babys – und riskieren damit die Gesundheit des Kindes im späteren Leben. Von Adelheid Müller-Lissner

Schwere Hypothek: Starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft prädestiniert Kinder für Stoffwechselprobleme im späteren Leben

Schwere Hypothek: Starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft prädestiniert Kinder für Stoffwechselprobleme im späteren Leben

Es ist die engste Symbiose, die unter Menschen möglich ist: Während der Schwangerschaft sind Mutter und Kind auf Gedeih und Verderb verbunden. Zum Gedeihen des Babys trägt nicht zuletzt die gesunde, ausreichende Ernährung der Mutter bei. Doch der alte Spruch, dass Schwangere "für zwei essen", hat in den wohlhabenden Ländern inzwischen eine bedrohliche Bedeutung gewonnen. Eine große Studie beweist, dass beide, Mutter und Kind, zu dick werden, wenn die Schwangere zu viel zunimmt.

Für die Untersuchung wurden Daten von mehr als einer Million Geburten in den US-Staaten Michigan und New Jersey von 1989 bis 2003 ausgewertet. Dabei zeigte sich: Mütter, die während der Schwangerschaft mehr als 24 Kilo zugenommen hatten, hatten gegenüber denjenigen, die zum Zeitpunkt der Geburt nur acht bis zehn Kilo mehr wogen, ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko, ein Kind auf die Welt zu bringen, das mehr als vier Kilo schwer war.

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Jedes Kilo, das die werdende Mutter zu viel zugenommen hatte, machte sich beim Kind mit 7,35 Gramm mehr bemerkbar, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt Lancet . Um auszuschließen, dass allein die von Mutter und Kind geteilten Gene ursächlich dafür sind, wenn ein Baby als "Wonneproppen" zur Welt kommt, haben David Ludwig vom Children’s Hospital in Boston und sein Team Wert darauf gelegt, in ihrer Untersuchung mehrfache Schwangerschaften ein und derselben Frau zu vergleichen.

Tatsächlich war dasjenige Geschwisterchen bei der Geburt am leichtesten, bei dessen Heranreifen die Mutter am wenigsten zugenommen hatte. Der Zusammenhang zwischen mütterlicher Gewichtszunahme und Geburtsgewicht des Kindes ist für die Forscher eindeutig. "Wie viel die Mutter während der Schwangerschaft zunimmt, das beeinflusst das Geburtsgewicht unabhängig von genetischen Faktoren", schreiben sie.

Das mittlere Geburtsgewicht der Kinder, die zum Termin geboren werden, beträgt in den reicheren Ländern heute 3800 bis 3900 Gramm. Vor 30 Jahren lag es unter 3500 Gramm. Ein Trend, der sich auch mit der allgemeinen Gewichtszunahme der Frauen erklären lässt: "Anhand der Geburten der Jahre 2007 und 2008 haben wir festgestellt, dass Frauen, die zu Beginn der Schwangerschaft einen Körpermasse-Index über 30 hatten, deutlich schwerere Kinder geboren haben als leicht übergewichtige oder normalgewichtige Frauen", sagt Frank Chen von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité.

In der US-Studie wogen zwölf Prozent der Kinder bei der Geburt mehr als vier Kilo. Ist das Kind größer und schwerer, dann wird auch die Geburt für Mutter und Kind zum größeren Risiko. Die Geburtsmedizinerin Babett Ramsauer vom Vivantes-Klinikum Neukölln berichtet, dass mehr und mehr Berliner Kinder sogar mehr als fünf Kilo wiegen. "Wir müssen uns dann häufiger kurzfristig für einen Kaiserschnitt entscheiden, weil es mit der Geburt nicht weitergeht oder weil Komplikationen und Verletzungen drohen." Solche "sekundären" Kaiserschnitte, für die erst im Kreißsaal die Weichen gestellt werden, bergen schon an sich höhere Risiken als vorher geplante Schnittentbindungen. Ist die junge Mutter stark übergewichtig, dann kommen eine höhere Thrombose-Gefahr oder Wundheilungsstörungen hinzu.

Schon in der Schwangerschaft steigen mit dem Gewicht die Risiken: Übergewichtige werdende Mütter leiden häufiger unter hohem Blutdruck oder einer "Schwangerschaftsvergiftung" (Präeklampsie). Und sie bekommen leichter einen Schwangerschaftsdiabetes, der seinerseits durch die gestörte Zuckerverwertung dazu führt, dass die Kinder schwerer werden. "Bei übergewichtigen Schwangeren und bei Frauen, die bereits ein auffallend großes Kind geboren haben, testen wir deshalb ganz konsequent, ob ein solcher Diabetes vorliegt", sagt Babett Ramsauer.

Leser-Kommentare
  1. Sind selbst Akademiker mittlerweile nah an der Verblödung? Jeder weiß, dass eine "Rubensfrau" sicherlich wenig Bedarf hat, in einer Schwangerschaft deutlich mehr zu essen. Ebenso, dass ein Hungerhaken erstmal zu Kräften kommen muss, bevor sie sich ans Gebären macht.

    Und sich am BMI zu orientieren ist ja wirklich süss-in der seriösen Forschung wird der jedenfalls nicht genutzt. Fehlt ja nur noch, dass Babies mit perfekter BMI-Mommy häufiger im Lotto gewinnen...

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  3. halte ich grundsätzlich nicht viel. das es zunehmend in unserer gesellschaft übergewichtige menschen gibt, ist eine tatsache. wir brauchen uns nur mal beim shoppen umzuschauen. dann noch ein blick in die einkaufswagen. übergewicht hat, unter anderen, auch etwas mit bildung zu tun. je mehr ich über meinen körper und ernährung weiss, umso eher achte ich darauf.
    essen und fernsehen ist für viele etwas das "sie sich gönnen". die gruppe der "gesundheitsbewussten" wächst allerdings ebenfalls. vor fünf jahren hat es nicht annähernd soviele menschen jeder altersgruppe gegeben, welche sport treiben. joggen, walken, radfahren, skaten. erfreulich ist, das sport häufig von älteren menschen betrieben wird die fit genug sind und bleiben wollen.
    was ich bedenklich finde ist die zunahme von fast food. und damit meine ich nicht unbedingt besagte burger, sondern fertiges essen aus dem supermarkt. essen zubereiten wird von einer bestimmten schicht offensichtlich nicht als genuss, sondern als arbeit betrachtet. dem könnte in schulen mehr rechnung getragen werden. wir hatten in unserer schule einen gemüsegarten. die ernte wurde im kochunterricht verwendet.
    meine söhne haben schon sehr jung gern beim kochen und backen geholfen. alle drei kochen gern und gut, und wechseln sich mit ihren frauen in der küche ab.

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