Säuglingstod Einheitliche Hygienegesetze reichen nicht aus

Auf die Todesfälle unter Frühgeborenen in Mainz reagieren Politiker mit Plänen für einheitliche Hygiene-Regelungen. Doch so einfach ist es nicht. Dagny Lüdemann kommentiert

Drei Säuglinge sind auf der Intensivstation des Uniklinikums Mainz gestorben, nachdem sie eine mit Darmbakterien verunreinigte Infusion bekommen hatten. Insgesamt elf Kinder wurden mit der infizierten Nährlösung behandelt. Im Moment sieht vieles danach aus, dass die Enterobacter -Bakterien im krankenhauseigenen Reinraum in die Lösung und damit ins Blut der Kinder gelangten.

Jetzt wird der Ruf laut nach schärferen Hygienevorschriften für Krankenhäuser. Bislang ist das Ländersache. Politiker von CDU und FDP fordern eine bundeseinheitliche Gesetzgebung und verweisen auf die vielen Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an den Folgen von Krankenhausinfektionen sterben. Fehlende Vorschriften in vielen Bundesländern seien Schuld an dem Dilemma.

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Doch das ist zu kurz gedacht. Wenn die Infusionslösungen, die die Säuglinge in der Mainzer Uniklinik bekamen, tatsächlich im Reinraum verunreinigt wurden, greifen hier keine Vorschriften für die Krankenhaushygiene. Für die Zubereitung der Nährlösungen sind Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTAs) zuständig, die nach den Richtlinien arbeiten, die für Apotheker gelten. Viele Kliniken haben nicht einmal eigene Apotheken. Sie erhalten ihre Medikamente und Infusionslösungen von externen Zulieferern – auch für Intensivstationen. Zwar gibt es auch für die Herstellung von Medikamenten strenge Industrieauflagen – doch die Zuständigkeit ist eine andere als im Krankenhaus.

Wer in diesem Fall also nach einem Schuldigen sucht, sollte bedenken, dass es in der Versorgungskette von Patienten viele Stellen gibt, an denen Pannen passieren können. Die Hygiene in der Klinik, auf die Ärzte und Pfleger auch unter Zeitdruck, manchmal übermüdet und vielerorts trotz Personalmangels achten müssen, ist nur ein Glied dieser Kette. An welcher Stelle die Hygienekette in Mainz gerissen ist, muss nun die Staatsanwaltschaft klären.

Sollte sich herausstellen, dass die Babys sterben mussten, weil Infusionen in der Klinikapotheke verunreinigt wurden, ist dieser Fall kein typisches Beispiel für die Hygieneprobleme in deutschen Kliniken. Die Verunreinigung zugelieferter Medikamente – vor oder nach der Herstellung – dürfte die absolute Ausnahme sein. Die meisten Patienten, die an Krankenhauskeimen sterben, werden auf der Station infiziert, weil Ärzte, Pfleger, Reinigungskräfte und Besucher Hygieneregeln missachten.

Damit sich das ändert, müssen Ausbildung und Berufsalltag in Kliniken es den Mitarbeitern ermöglichen, Hygienevorschriften immer penibel einzuhalten. Hier sollte sich die Politik engagieren – gegen Ärzte- und Pflegemangel zum Beispiel. Einheitliche Gesetze und Kontrollen können dabei nur der Anfang sein.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn der Anlass kein trauriger wäre, müsste man sich nur amüsieren. Tausende von Menschen sterben an im weitesten Sinne Hygiene-Problemen in Krankenhäusern jedes Jahr, aber die Politiker reagieren erst, nachdem es diesen medial breit getretenen Vorfall um kranke Babys gab, der ursächlich wohl eher nicht unter die üblichen Probleme eingeordnet werden kann.

    Das ist der typisch opportunistische Populismus inkompetenter Politkarrieristen, der bitterböse eigenes, vorheriges Gerede und Handeln konterkariert.

  2. Mich und meine Partnerin haben die Vorfälle in Mainz sehr betroffen gemacht, das vorweg.

    Dennoch: Es gibt absolut keinen Hinweis darauf, dass die Vorfälle aufgrund schlechter Regulierung oder aufgrund von Resourcenmangel passiert sind. Als jemand, der sein Geld lange Zeit mit Qualitätsmanagement und Prozessplanung verhindert hat, kann ich nur widersprechen, dass schlechte Qualität durch Ausbildung, müde Mitarbeiter, Zeitdruck usw. verursacht wird. Es ist ein Vorurteil, dass gute Qualität unproduktiver ist, bzw. länger dauert.

    Schlechte Qualität entsteht durch schlecht geplante Prozesse. Gute Planung ist kostenlos, sie erfordert lediglich etwas Kommunikation und Vorbereitung.

    Ich sehe absolut nicht, warum die Politik da gebraucht wird. Aus den Vorfällen einen Mangel abzuleiten, ist Quatsch. Der kann trotzdem bestehen, aber mit der Qualität hat er nichts zu tun. Mehr Leute, mehr Zeit und weiterhin instabile Prozesse ändert an der Qualität gar nichts.

    Das hab ich nun wirklich tausend mal erzählt bekommen und tausend mal erlebt, dass es nicht stimmt.
    Wer sich wirklich für Qualität interessiert sollte sich mit den Lehren von Demming oder SixSigma beschäftigen.

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    "Schlechte Qualität entsteht durch schlecht geplante Prozesse."
    falsch: ..entsteht durch schlecht DURCHGEFÜHRTE Prozesse. Planung nützt nur, soweit sie auch durchgesetzt wird.

    "Schlechte Qualität entsteht durch schlecht geplante Prozesse."
    falsch: ..entsteht durch schlecht DURCHGEFÜHRTE Prozesse. Planung nützt nur, soweit sie auch durchgesetzt wird.

  3. "Schlechte Qualität entsteht durch schlecht geplante Prozesse."
    falsch: ..entsteht durch schlecht DURCHGEFÜHRTE Prozesse. Planung nützt nur, soweit sie auch durchgesetzt wird.

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    ...Prozesse schlecht durchgeführt werden!

    Meistens weil Prozesse nicht klug geplant sind. Die falsche Ausführung von intelligenten Prozessen ist fast nie das Problem.

    Beispiel: Wie oft haben Sie an einem Bankautomaten ihre Geldkarte vergessen. Ich würde wetten noch nie, warum, weil erst die Geldkarte kommt und erst wenn sie die wegnehmen kommt das Geld. Das ist ein klug geplanter Prozess - selbst der größte Trottel führt ihn korrekt aus. Als man es bei der Einführung von Geldautomaten noch andersherum hatte, gab es ständig vergessene Geldkarten in den Automaten.

    Glauben Sie mir, mit schlechtqualifizierten Mitarbeitern und guten Prozessen erzielen sie bessere Ergebnisse als mit hervorragenden Mitarbeitern und schlechten Prozessen.

    ...Prozesse schlecht durchgeführt werden!

    Meistens weil Prozesse nicht klug geplant sind. Die falsche Ausführung von intelligenten Prozessen ist fast nie das Problem.

    Beispiel: Wie oft haben Sie an einem Bankautomaten ihre Geldkarte vergessen. Ich würde wetten noch nie, warum, weil erst die Geldkarte kommt und erst wenn sie die wegnehmen kommt das Geld. Das ist ein klug geplanter Prozess - selbst der größte Trottel führt ihn korrekt aus. Als man es bei der Einführung von Geldautomaten noch andersherum hatte, gab es ständig vergessene Geldkarten in den Automaten.

    Glauben Sie mir, mit schlechtqualifizierten Mitarbeitern und guten Prozessen erzielen sie bessere Ergebnisse als mit hervorragenden Mitarbeitern und schlechten Prozessen.

  4. es ist wie schon von den vorrednern richtig festgestellt eine reine populismus debatte.
    es ist schon interessant, wie die fdp versucht daraus stimmengewinne zu erzielen ...

  5. "Ruf nach schärferen Hygienevorschriften"

    Die beste "Medizin" gegen solche Vorfälle ist das die Krankenhäuser genügend finanzielle Mittel bekommen um genügend Personal und Betriebsmittel vorhalten zu können bzw. nicht daran sparen zu müssen.

    Dagegen steht nun die lauthals blöckende schwarz-gelbe Regierung mit ihrer Kopfpauschale und ihrer Blockadehaltung gegenüber Mindestlöhnen und natürlich dann noch die privaten KV's die den gesetzlichen das Mark aussaugen durften und immer noch dürfen.

    Ok, ist zwar nicht alles schwarz-gelb zuzuschreiben, aber den Weg zu Verbesserung beschreitet diese Regierung sicher nicht.

    Am Ende sind die einheitlichen und schärferen Hygienevorschriften / Hygienegesetze nichts anderes als eine Verringerung eben dieser Standards.

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    "Die beste "Medizin" gegen solche Vorfälle ist das die Krankenhäuser genügend finanzielle Mittel bekommen um genügend Personal und Betriebsmittel vorhalten zu können bzw. nicht daran sparen zu müssen."

    Wenn Sie einmal Qualitätsmanagement gemacht hätten, wüssten Sie, dass es genau so nicht ist. Es gibt fast keinen Zusammenhang zwischen Mitteln und Qualität.

    "Die beste "Medizin" gegen solche Vorfälle ist das die Krankenhäuser genügend finanzielle Mittel bekommen um genügend Personal und Betriebsmittel vorhalten zu können bzw. nicht daran sparen zu müssen."

    Wenn Sie einmal Qualitätsmanagement gemacht hätten, wüssten Sie, dass es genau so nicht ist. Es gibt fast keinen Zusammenhang zwischen Mitteln und Qualität.

  6. ...Prozesse schlecht durchgeführt werden!

    Meistens weil Prozesse nicht klug geplant sind. Die falsche Ausführung von intelligenten Prozessen ist fast nie das Problem.

    Beispiel: Wie oft haben Sie an einem Bankautomaten ihre Geldkarte vergessen. Ich würde wetten noch nie, warum, weil erst die Geldkarte kommt und erst wenn sie die wegnehmen kommt das Geld. Das ist ein klug geplanter Prozess - selbst der größte Trottel führt ihn korrekt aus. Als man es bei der Einführung von Geldautomaten noch andersherum hatte, gab es ständig vergessene Geldkarten in den Automaten.

    Glauben Sie mir, mit schlechtqualifizierten Mitarbeitern und guten Prozessen erzielen sie bessere Ergebnisse als mit hervorragenden Mitarbeitern und schlechten Prozessen.

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