Tod von Säuglingen Infektionsherd Krankenhaus
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Bis zu 15.000 tödliche Infektionen pro Jahr

Wie häufig passiert das?

Solche Fehler passieren immer wieder in Krankenhäusern. So gibt es zahlreiche Berichte aus Frankreich, Brasilien, China oder den Niederlanden, wo Enterobacter -Bakterien auf Säuglingsstationen eingeschleppt wurden. Aber auch in Deutschland kam es etwa 1989 in Köln zu einem ähnlichen Fall. Typisch ist auch, dass das Unglück im August passierte. Denn derartige Ausbrüche passieren am häufigsten in den Sommermonaten Juli und August oder um Weihnachten herum. Das liege vermutlich daran, dass dann viele Menschen in Urlaub seien, sagt Gastmeier. "Dann ist der Mitarbeiter, der das sonst immer macht und die Routine hat, in Urlaub und jemand weniger Erfahrenes springt ein." Auch durch nicht steriles OP-Besteck, schlechte Desinfektion einer Einstichstelle oder andere Fehler der Pfleger können sich Patienten infizieren.

Todesfälle gibt es keineswegs nur unter Neugeborenen. "Das erregt nur besonders viel Aufsehen und wird deswegen häufig berichtet", sagt Hygienemedizinerin Gastmeier. Für das Jahr 2006 hat sie errechnet, dass sich etwa eine halbe Million Patienten im Krankenhaus mit einem Erreger ansteckten. 10.000 bis 15.000 der Patienten starben daran. Bei etwa einem Drittel handele es sich um vermeidbare Todesfälle.

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Kann man sich schützen?

Patienten rät Gastmeier darauf zu achten, wie die Händedesinfektion läuft. "Das Personal sollte sich bevor und nachdem es an einem Patienten tätig ist die Hände desinfizieren." Es könne zwar auch vorkommen, dass ein Arzt vor der Tür die Hände desinfiziere. Hygieneexperten empfehlen aber, die Desinfektionsmittelspender in den Krankenzimmern anzubringen.

Außerdem sollten Patienten geplante Eingriffe am besten dann machen, wenn sie sich fit fühlten. "Manche Patienten haben Infekte in sich, wollen den Operationstermin aber nicht verschieben, und dann kann es passieren, dass die Krankheitserreger ins Blut gelangen", sagt Gastmeier. Aber auch gesunde Patienten tragen zahlreiche Bakterien in sich, die durch einen Eingriff an einen anderen Ort verschleppt werden und dort eine lebensgefährliche Infektion verursachen können.

Tatsächlich kommt bei rund zwei Drittel aller Krankenhausinfektionen der Keim vom Patient selbst. Vorbeugen kann trotzdem nur das Krankenhaus. "Das Wichtigste ist, vor Ort den entsprechenden Sachverstand zu haben und diese Infektionen ernst zu nehmen", sagt Martin Mielke, Leiter des Fachgebiets Krankenhaushygiene am Robert-Koch-Institut. Dazu brauche es entsprechendes Fachpersonal, das sich nur mit dieser Aufgabe beschäftige.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. 2. zum...

    ...glück hat das alles nichts mit der finanzsituation des universitätsklinikums zu tun. hier hat sich übrigens noch keiner das maul über das angeblich aus indien und pakistan eingeschleppte bakterium mit dem entzückenden namen ndm-1 zerrissen. warum bloß?

  2. ...http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/8106579.htm

  3. Die Privatisierung im Gesundheitswesen kostet nun mal Menschenleben. Jeder sollte mal in "sein" Krankenhaus gehen und sich die "Putzkolonnen" anschauen. Dank "Outsourcing" arbeiten dort Mitarbeiter, die noch nicht einmal die Gebrauchsanweisung von Reinigungsmitteln lesen können; ein Lappen, mit dem wird erst die Toilette gewischt und dann alles andere usw. usw. der Hygienebeauftragte und die Qualitätssicherung reden dann alles schön und vertuschen. Richtig schlimm mit der Hygiene wird es dann in den privatisierten Großkliniken, z. B. Rhön-Kliniken, ehemals z.B. Uniklinik Giessen. Da wird einem richtig schlecht nach einem Besuch der Toiletten.
    So ist das, wenn im Gesundheitswesen ausschließlich Profite erzielt werden sollen.

  4. Bei meinen eigenen Arbeiten im Labor war ich überrascht, wie schwierig es ist, keimfrei zu arbeiten. Wie im Bericht richtig dargestellt reichen einzelne Bakterien in so einer Nährlösung aus, um nach kurzer Zeit bereits tödlich bei Neugeborenen zu wirken.
    Das diese drei Todesfälle offensichtlich eine Ausnahme sind, zeigt doch im Ggs. zu isenburgers Tenor, wie ernst und gewissenhaft in Krankenhäusern mit Hygiene umgegangen wird.

  5. Es ist bestürzend, wieviele Kommentatoren hier Schlamperei etc. unterstellen und beweisen, dass sie die Berichterstattung gar nicht richtig gelesen haben. Teilweise grenzt dann das, was dabei herauskommt, fast an Rufmord für die betroffenen Angestellten der Uniklinik. Wer die Berichterstattung einigermaßen verfolgt hat oder die Abläufe kennt, der weiß, dass die Lösungen eben aus Zeitgründen NICHT vorher untersucht werden können. Und pauschal mal grobe Unachtsamkeit zu unterstellen mag zwar den einen oder anderen Kommentator persönlich befriedigen - vor allem, wenn man es hier so schön aus der Anonymität heraus tun kann - trägt aber zur sachlichen Meinungsbildung nicht das geringste bei.

    • H.G.
    • 24.08.2010 um 9:59 Uhr

    Der Artikel suggeriert mit "immer wieder..." auftretende Sonderfälle, die es aber nicht sind. In deutschen Kliniken sterben nach Schätzungen mehrere Zehntausende an Infektionen.
    Zu recht thematisiert die Politik die notwendige Reduktion von 4000 Verkehrstoten pro Jahr - zu den bis zu 8-fach höheren Kliniktoten schweigt das Gesundheitsministerium mit seinem "Chef". Nicht von ungefähr werden deutsche Patienten, die in den NL behandelt werden, zuvor in Isolation gesteckt !
    Der Schwachpunkt scheinen laut Ärztezeitung eher die "ignoranten Ärzte", als das Klinikpersonal zu sein.Das Des-Infektionsgerät am Stationseingang mit freundlichem Hinweis für Besucher tuts leider auch nicht, da hilft leider nur Zwang, oder kein Zugang.

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