Stammzellforschung Nabelschnurblut als Lebensversicherung

Eingefrorene Stammzellen aus der Nabelschnur können Menschenleben retten. Das des eigenen Babys genauso wie das anderer. Doch wie sinnvoll ist das Einlagern der Zellen?

Das Blut aus der Nabelschnur eines Neugeborenen kann Leben retten. Meistens hilft das anderen und nicht dem eigenen Baby

Das Blut aus der Nabelschnur eines Neugeborenen kann Leben retten. Meistens hilft das anderen und nicht dem eigenen Baby

Der schlimmste Gedanke liebender Eltern: Ihr Kind könnte eines Tages eine lebensbedrohliche Krankheit bekommen. Wenn es doch nur eine Versicherung dagegen gäbe. Ein Wunsch, der verständlich macht, warum viele werdende Eltern heute mit dem Gedanken spielen, die Stammzellen aus dem Blut ihres Babys einfrieren zu lassen.

Drei von hundert Eltern entschließen sich heute dazu – als "Lebensversicherung" für das eigene Kind oder als Spende für einen anderen Kranken. "Bei den Vorbereitungsabenden für werdende Eltern ist das Nabelschnurblut immer ein Thema", sagt Babett Ramsauer, leitende Oberärztin am Perinatalzentrum des Berliner Vivantes-Klinikums Neukölln , einer der größten Geburtskliniken Deutschlands.

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Doch wie sinnvoll ist das Einlagern von Nabelschnurblut? Wie wahrscheinlich ist, dass die Stammzellen daraus dem eigenen Kind eines Tages wirklich helfen? Lohnt sich die teure Gebühr, die private Anbieter dafür verlangen? Oder ist das Blut in Spendenbanken besser aufgehoben? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist Nabelschnurblut?
Die Nabelschnur ist so etwas wie das "Kabel", über das Mutter und Kind während der Schwangerschaft miteinander verbunden sind: Sie verbindet das Kind über die Plazenta mit dem Blutkreislauf der Mutter und stellt so die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff sicher. Nach der Geburt des Babys pulsiert sie noch ein wenig, dann wird sie abgeklemmt. Für den Abfall ist die Tasse voll kindlichem Blut, das sie enthält, eigentlich zu schade. Denn die darin enthaltenen Stammzellen können helfen, Krankheiten zu heilen. Bisher werden sie hauptsächlich zur Therapie von Leukämien verwendet. Weltweit haben inzwischen mehr als 10.000 Kranke davon profitiert.

Nabelschnurblutbanken und Informationen

In Deutschland gibt es zahlreiche Einrichtungen, die über Nabelschnurblut informieren, wie zum Beispiel die DKMS-Nabelschnurblutbank in Dresden oder die Deutsche Nabelschnurblutbank (NKR) in Hannover.

Bei Vita 34 in Dresden können Sie einen kostenlosen Ratgeber bestellen.

Die Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung der Universität Erlangen und Eticur haben im Netz eine Informationsplattform für Spender, Hebammen und Ärzte eingerichtet.

Fragen und Antworten über die Anwendung von Nabelschnurblut, Therapiemöglichkeiten und Formen der Aufbewahrung finden Sie auch auf der Seite www.nabelschnurblut.de. Informationen über den Saft, Stammzellbanken und private Anbieter weltweit bietet dieser englischsprachige Elternratgeber.

Was ist an den Stammzellen aus diesem Blut so besonders?
"Stammzellen aus dem Nabelschnurblut teilen sich besser als solche, die aus dem Blut Erwachsener gewonnen werden, sodass man für die Behandlung nur ein Zehntel der Menge braucht", erklärt Wolfram Ebell, Kinderonkologe und Stammzellexperte von der Berliner Charité .  Zudem gelten sie als besonders verträglich, weil die Abwehrzellen des Immunsystems, die in ihnen enthalten sind, noch nicht ausgereift sind. Die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen deshalb nicht hundertprozentig übereinstimmen. Und sie sind besonders für die Behandlung sehr kleiner Kinder interessant, die noch mit wenigen Krankheitserregern Kontakt hatten. "Die immunologische Naivität dieser Zellen kann allerdings auch nachteilig sein, in manchen Fällen ist ein Spender vorteilhafter, dessen Immunsystem schon durch Infektionen geprägt ist", schränkt Ebell ein.

Segensreich ist oft, dass die Stammzellen aus dem Blut der Neugeborenen im Bedarfsfall auf Abruf sofort verfügbar sind, während das Knochenmark von in Frage kommenden Spendern dann erst in einem aufwändigen Verfahren durchgetestet werden muss. Eine negative Besonderheit ist allerdings, dass eine "Portion" Nabelschnurblut (45 bis 190 Milliliter) nur Stammzellen in einer Anzahl enthält, die oft für erwachsene Empfänger, etwa zur Behandlung einer Leukämie, nicht ausreicht. In öffentlichen Nabelschnurblutbanken werden deshalb Spenden aufbewahrt, die mindestens 500 Millionen Stammzellen enthalten. Bei Erwachsenen werden manchmal "Tandem-Transplantationen" von zwei Spendern gemacht. Insgesamt kommen heute aber nur bei drei bis vier von 100 Stammzell-Transplantationen Zellen aus Nabelschnurblut zum Einsatz.

Wer gewinnt das Nabelschnurblut – wer lagert es ein?
Das Blut wird im Kreißsaal der Geburtskliniken aus der Nabelschnurvene gewonnen, in einem Plastikbeutel gesammelt und an eine Stammzellbank oder private Firma geschickt. Inzwischen bieten im ganzen Bundesgebiet zahlreiche Kliniken jungen Eltern diesen Service an. Die behördlichen Auflagen, die sie erfüllen müssen, sind allerdings deutlich strenger, wenn das Blut als mögliche Spende gesammelt wird, da dann das Arzneimittelrecht zum Tragen kommt.

Im Labor werden die Gewebemerkmale des Blutes bestimmt, die Stammzellen isoliert und anschließend bei minus 180 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff eingefroren. Einige der Firmen, die Eltern den – kostspieligen – Service der Aufbewahrung für den "Eigenbedarf" anbieten, kooperieren inzwischen mit Stammzellbanken und machen den Eltern Kombi-Angebote: Die Stammzellen werden bei ihnen kostenpflichtig eingelagert, die Daten der Typisierung gehen allerdings (anonym) auch an eine Stammzellbank, die um die Spende der eingelagerten Zellen bitten kann, wenn sie genau für einen Patienten passen. In diesem Fall bekommen die Eltern die Kosten für die Einlagerung erstattet, wie die Firmen versichern.

Leser-Kommentare
    • mata66
    • 18.08.2010 um 22:32 Uhr

    Das egoistische Horten der Stammzellen des eigenen Kindes entspricht leider unserem Zeitgeist, eine weiter Stilblüte des vielfältigen Geschäftes mit der Angst und von Anfang an schlechtes Karma für die Familie! Vielen Dank für diesen Artikel, es bleibt zu erwähnen dass auf werdende Eltern z.B. in Schwangerschaftskursen teilweise massiv Druck ausgeübt wird die Angebote dieser zweifelhaften Privatfirmen anzunehmen. Hier werden bis zu €20 im Monat über Jahrzehnte dafür verlangt dass ein kleiner Behälter im Dauerfrost aufbewahrt wird… Wenn die Stammzellentherapie weiter Fortschritte macht wäre es zu begrüßen dass die Option auf eine kostenlose und anonyme (!!) Spende automatisch bei jeder Geburt eingeführt wird. Dann wäre die Stammzellenbank automatisch groß genug und stünde der Allgemeinheit und uns selbst zur Verfügung aber oh nein, dann verdient ja niemand daran...

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    egoistisches horten?! was für ein roter mist! man wird doch wohl noch das recht haben, zu entscheiden was mit dem blut des eigenen kindes geschieht?!

    abgesehen davon - wieviel geld geben wir sinnlos aus in unserem leben? selbst wenn die wahrscheinlichkeit, dass die eingelagerten zellen jemals gebraucht werden, sehr gering ist, so ist es doch eine ausgabe die ich gern tätige. ich habe vor kurzem in einem kinderladen kinderschränke für 2000euro gesehen - was sind da schon 6 euro pro monat?!

    egoistisches horten?! was für ein roter mist! man wird doch wohl noch das recht haben, zu entscheiden was mit dem blut des eigenen kindes geschieht?!

    abgesehen davon - wieviel geld geben wir sinnlos aus in unserem leben? selbst wenn die wahrscheinlichkeit, dass die eingelagerten zellen jemals gebraucht werden, sehr gering ist, so ist es doch eine ausgabe die ich gern tätige. ich habe vor kurzem in einem kinderladen kinderschränke für 2000euro gesehen - was sind da schon 6 euro pro monat?!

  1. Bei private Anbietern soll die Einlagerung nur dem eigenen Kind oder der Familie dienen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die eigenen Zellen sinnvoll gebrauchen kann, ist relativ klein, wie in dem Artikel beschrieben. Bleibt die Familie, aber die Zellen sind ja auch nicht unbedingt kompatibel. Das einzige was sicher ist, sind die Kosten.

    Die Einlagerung in einer öffentlichen und kostenlosen Stammzellenbank ist sinnvoll und sollte Standard werden. Da sie Gesundheitskosten einzudämmen hilft, kann sie einfach durch entsprechende Finanzströme aus dem Gesundheitssystem finanziert werden.

  2. Erstens beschreibt der Artikel eine spezielle Art von Stammzellen, die nicht fuer alle (zukuenftigen) Therapien brauchbar sind. Der Artikel beduerfte hier m.M.n. etwas mehr Substanz.

    Ihre Kritik, dass die Einlagerung egoistisch ist, entspricht einfach nicht der Wahrheit.
    Um nicht eine Vorlesung zu geben, aber Patienten-eigene (autologe) Zellen haben ein kleineres Risiko nicht angenommen zu werden als von einem Donor, auch wenn miteinander verwandt (allogene). Es gibt auch noch andere Riskien, auf die ich hier nicht weiter eingehen will, weil fuer diese Argumentation nicht unbedingt relevant.
    Das zweite Argument, wenn auch technisch noch nicht machbar, ist, dass Medikamente patienten-spezifisch werden, dafuer braucht es aber Stammzellen um diese Medikament zu testen.
    Es hat also nichts mit Egoismus zu tun.

  3. egoistisches horten?! was für ein roter mist! man wird doch wohl noch das recht haben, zu entscheiden was mit dem blut des eigenen kindes geschieht?!

    abgesehen davon - wieviel geld geben wir sinnlos aus in unserem leben? selbst wenn die wahrscheinlichkeit, dass die eingelagerten zellen jemals gebraucht werden, sehr gering ist, so ist es doch eine ausgabe die ich gern tätige. ich habe vor kurzem in einem kinderladen kinderschränke für 2000euro gesehen - was sind da schon 6 euro pro monat?!

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