Jeder will seine eigenen Zähne möglichst bis ins hohe Alter behalten. Dafür greifen immer mehr Menschen in die Tasche. Bei gesundheitsbewussten Zeitgenossen gehört es heute schon zum Standardprogramm, zweimal jährlich zum Zahnarzt zu gehen und sich dort von einer Prophylaxe-Assistentin die Zähne gründlich reinigen zu lassen.

Zwar ist es ärgerlich, dass die gesetzlichen Krankenkassen für die Kosten – sie können bis zu 150 Euro betragen – bei Erwachsenen nicht aufkommen. Aber trotzdem ergab schon 2003 eine Emnid-Befragung, dass 55 Prozent der erwachsenen Deutschen mindestens einmal eine professionelle Zahnreinigung (PZR) mitgemacht haben.

Kern der Behandlung ist die Entfernung von weichen Belägen und von Zahnstein auf den Oberflächen und in den Zwischenräumen zwischen den Zähnen. Dafür wird ein ganzes Arsenal von Hilfsmitteln eingesetzt: Bürstchen, Zahnseide, Sandpapierstreifen, bei Bedarf auch Ultraschallinstrumente und Pulverstrahlsysteme, Polierinstrumente, Spezialpasten und fluoridhaltige Lacke.

Nach Ansicht von Oberarzt Peter Purucker aus der Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Charité-Zahnklinik sollte aber unbedingt die vorsichtige Behandlung mit Handinstrumenten im Vordergrund stehen. "Andere Geräte sollte man nur einsetzen, wenn viel fest anhaftender Zahnstein entfernt werden muss. Wenn nach der Behandlung der ganze Mund weh tut, ist das ein schlechtes Zeichen", sagt er und kritisiert, dass bei der professionellen Zahnreinigung bisweilen zu heftig mit groben Pasten und falsch eingesetzten Geräten hantiert wird.

Richtig angewendet, kann eine PZR aber durchaus sinnvoll sein. "Unser größter Feind sind die Bakterien, die muss man in Schach halten", sagt Purucker. Denn bakterielle Zahnbeläge verursachen einerseits Karies – eine Zahnfäule, von der zuerst Zahnschmelz und Zahnbein befallen sind – und andererseits Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats, zu dem Zahnfleisch, Kieferknochen, Zahnhals und Wurzel gehören. Die Bazillen dauerhaft klein zu kriegen, ist eine Sisyphusarbeit, denn innerhalb von Stunden besiedeln die Mikroben frisch gereinigte Zahnoberflächen.

Schon nach etwa zwölf Stunden haben sie einen geschlossenen "Bakterienrasen" gebildet. Aus diesem hat sich wieder einige Stunden später ein Zahnbelag (Plaque) entwickelt. Der wiederum ist in der Lage, Karies zu verursachen. Grundlage für Wachstum und Stoffwechselleistungen der Plaque ist der Zucker in der menschlichen Nahrung. Der ist umso schädlicher, je länger er auf die Zähne einwirken kann. "Karies kann man durch gute Mundhygiene, Einsatz von Fluoridlacken und Versiegelung enger Spalten (sogenannter Fissuren) auf den Kauflächen ganz gut in den Griff bekommen", sagt Purucker. Doch Karies stellt nur für jüngere Zähne die Hauptgefahr dar. Ab 40 gehen die meisten Zähne nicht durch Karies, sondern durch Parodontitis verloren.

Mit der Professionellen Zahnreinigung wird den Ablagerungen, die Karies und Parodontitis verursachen, der Kampf angesagt. Meist übernehmen Zahnmedizinische Prophylaxe-Assistentinnen in der Praxis eines Zahnarztes die Behandlung. "Oberstes Gebot ist es für uns, den Zahn zu schätzen, zu schützen und zu bewahren und auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten einzugehen", sagt Zahnärztin Ilona Kronfeld. Sie ist am Berliner Philipp-Pfaff-Institut für die Weiterbildung von zahnärztlichen Fachangstellten zuständig. Eine schwedische Langzeitstudie, die über mehr als 30 Jahre lief, hat gezeigt, dass konsequente PZR hilft, Zähne zu erhalten. Die Teilnehmer wurden dort sogar alle drei Monate zur großen Reinigung gebeten, nötigenfalls einschließlich der Ablagerungen, die sich unter dem Zahnfleisch in Taschen gebildet haben.