Genetik Warum bricht Tuberkulose aus?
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Die Behandlung ist langwierig

Die Krankheit ist zwar mit Antibiotika behandelbar. Nicht zuletzt wegen der enorm hohen Keimzahl, die sich bei einer offenen Tb oft in der Lunge ansammelt, ist die Behandlung aber langwierig. Meist ist ein ganzer Medikamentencocktail nötig, vielen Erkrankten fällt es schwer, bei der Stange zu bleiben, wenn die quälenden Symptome etwas abgeklungen sind. Das vergrößert das Problem der Neuinfektionen und macht die medikamentösen Waffen nach und nach stumpf.

Auch Kaufmanns Arbeitsgruppe ist der Frage auf der Spur, was Menschen für Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose empfänglich macht, die Suche nach Biomarkern für die natürliche Immunreaktion auf den Erreger wird von der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung mit 13 Millionen Dollar gefördert. "Unser Traum wäre natürlich, dass wir eines Tages einen einfachen Stick zur Diagnostik einsetzen können, der uns für Malaria, HIV und Tuberkulose gleichzeitig sagen kann, ob jemand infiziert ist oder nicht."

Der Lösung des Rätsels, wer unter den TB-Infizierten im Lauf seines Lebens aufgrund einer besonderen Anfälligkeit auch erkranken wird, wollen Kaufmann und seine Arbeitsgruppe in Afrika mit ihrer Längsschnittuntersuchung näher kommen, die ganze Familienverbände umfasst. Hier können sich die von den Briten entdeckten molekularen Unterschriften sozusagen im Feldversuch bewähren. Kaufmann ist überzeugt: "Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, ihr Ausbruch hat aber auch mit der Genetik des Wirts zu tun, hier haben Robert Koch und Rudolf Virchow also beide Recht."

Hat die romantische Vorstellung, dass kreative, vergeistigte Poeten und Musiker für die "Schwindsucht" besonders anfällig seien, also doch etwas für sich? Sind die Molekularbiologen gar dem "Zauberberg-Gen" auf der Spur? Das wohl kaum - schon weil eine Vielzahl von Genen mit der Anfälligkeit in Verbindung stehen dürfte. Doch die Reaktionen des Wirtes Mensch auf den ungebetenen Gast Tuberkelbazillus bieten auf jeden Fall Angriffspunkte für neue Therapien. Das Ziel, den ungebetenen Gast vom Planeten verschwinden zu lassen, hat die Menschheit dabei längst nicht aufgegeben: Die WHO hat sich die Eliminierung bis 2050 vorgenommen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
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