Rätselhafter Schlummer - Unsere schlaffeindliche Gesellschaft Schlafen soll, wer müde ist, sagt der Biologe und Autor Peter Spork. Doch in unserer Gesellschaft ist das Mittagsschläfchen verpönt und wer viel schläft gilt als faul.

Probanden einer Studie der Harvard Medical School und der Uni von New York erbrachten sogar noch zusätzliche Leistungen, dank Schläfchen. Teilnehmer, die anstelle von Gedächtnisübungen ein einstündiges Nickerchen einlegten, konnten sich mehr merken als ihre schlaflose Vergleichsgruppe. Zuvor hatten der Neurowissenschaftler Hiuyan Lau und sein Team beiden Gruppen Bildpaare von Gegenständen und Gesichtern gezeigt. Die Eingenickten erinnerten anschließend nicht nur mehr Bilder, sondern stellten sogar häufiger sinnvolle, assoziative Verbindungen zwischen einzelnen Bildern her. Ihre Hirne hatten im Dösen offenbar schon vorausgelernt.

Fluggesellschaften wie Lufthansa haben den positiven Effekt von Naps schon vor Jahren erkannt: Es gibt sogar eine Napping Policy – eine Dienstvorschrift fürs Nickerchen. Verständlicherweise, denn schläfrige Piloten machen Fehler – wie andere müde Menschen auch. Doch ein Fehler im Cockpit bezahlen Menschen schlimmstenfalls mit ihrem Leben.

Wissenschaftlich untermauert ist die Napping -Vorschrift auch. Die Weltraumbehörde Nasa untersuchte etwa, wie wach Piloten einer Boeing 747 nach einem Kurzschlaf sind . "Während zwei das Flugzeug steuerten, hatte der Dritte 40 Minuten Zeit für ein Nickerchen", sagte Studienleiter Mark Rosekind. Das Nickerchen dauerte im Schnitt 26 Minuten. "Das hat ihre Leistung (gemessen an der Reaktion) um ein Drittel angekurbelt und ihre Aufmerksamkeit um mehr als die Hälfte." In weniger als einer halben Stunde konnten die Testpiloten ihre Leistung signifikant für die nächsten zwei bis drei Stunden steigern.

" Naps sind daher explizit erwünscht", sagt ein Lufthansapilot. Er erklärt, dass die Art des Nickerchens dabei von der Flugroute abhängt. Auf Kurzstreckenflügen werden Naps vornehmlich nachts gemacht. Einer der Piloten bleibt wach und weckt den anderen spätestens nach einer halben Stunde. Vorsichtshalber schauen die Flugbegleiter alle zehn Minuten ins Cockpit, um zu kontrollieren, dass nicht beide eingeschlafen sind. Zudem gibt es einen Wecker im Cockpit.

Doch den Weg ins Büro hat das Nickerchen vorwiegend noch nicht gefunden. In der Schweiz finden sich einige Beispiele, wie etwa der Schokoladenhersteller Toblerone, der Internetdienstleister Google oder das Computerunternehmen IBM. Google in Zürich meinte es mit seinen Mitarbeitern besonders gut: Das Unternehmen hat großzügige Ruheräume mit komfortablen Liegen, gedämpftes Licht und Aquarien eingerichtet. Das Schläfchen soll hier nicht nur entspannen, sondern auch die Kreativität beflügeln .

IBM ist das Ganze pragmatischer angegangen. Hier dient ein schlichter Büroraum als Ruheoase. Trennwände schirmen die Liegen voneinander ab, es herrscht absolute Ruhe. Telefonieren und reden ist streng verboten. "Alle Mitarbeiter dürfen ihre Zeit frei einteilen", sagt die Sprecherin Susan Oroszco. "Wer das Bedürfnis nach einem Schläfchen verspürt, legt sich einfach hin." Wer hier ein Nickerchen mache, könne nachher konzentrierter weiter arbeiten. Niemand würde deswegen schräg angeschaut.