Der Brite Robert Edwards konnte den Anruf des Nobelkomitees aus Stockholm am Montag nicht persönlich entgegennehmen. Edwards, der vor genau einer Woche seinen 85. Geburtstag feierte, ist gesundheitlich zu angeschlagen. Seine Frau brachte ihm die frohe Botschaft: Edwards erhält den Medizinnobelpreis 2010 , weil er die künstliche Befruchtung entwickelte – und damit Millionen unfruchtbaren Paaren den Wunsch vom Kind erfüllte.

Geboren 1925 in Manchester ging Robert Edwards nach dem Abitur zur Armee. Nach Auslandseinsätzen in Palästina, Jordanien, Ägypten und dem Irak studierte der damals 23-Jährige Zoologie und Landwirtschaft an die Universität Bangor in Wales . 1951 wechselte er ans Institut für Tiergenetik der schottischen Universität in Edinburgh . Direkt nach seiner Doktorarbeit bekam Edwards ein Stipendium, um in die USA zu gehen und verbrachte ein Jahr am renommierten Institute of Technology in Kalifornien (Caltech ).

Von da an begann eine beeindruckende Forscherkarriere, in dessen Verlauf Edwards sich mit Biochemie, Gynäkologie, Physiologie und schließlich mit der von ihm mitentwickelten Reproduktionsmedizin befasste: Edwards arbeitete unter anderem am National Institute for Medical Research in London sowie an den Universitäten Cambridge und Glasgow. In den USA forschte er an der Johns-Hopkins-Klinik in Baltimore und an der Uni von North Carolina.

Alle Hintergründe zu den diesjährig Geehrten auf ZEIT ONLINE (bitte klicken Sie auf das Bild) © Chris Jackson/Getty Images

Im Labor begann Edwards einen kühnen Plan zu entwerfen: Er wollte kinderlosen Paaren Nachwuchs schenken. Bis Anfang der 1950er hatten Forscher bereits erfolgreich Eizellen von Kaninchen im Reagenzglas befruchtet, indem sie Samenzellen hinzufügten. Allerdings stellte sich heraus, dass die bisherigen Verfahren sich nicht für menschliche Zellen eigneten.

Doch Edwards gab nicht auf. In zahlreichen Studien und Untersuchungen klärte er bald auf, wie menschliche Eizellen reifen, wie Hormone das Ei wachsen lassen und wann der richtige Zeitpunkt zur Befruchtung gekommen ist. 1969 gelang es ihm erstmals, eine menschliche Samenzelle in die Eizelle einer Frau zu schleusen. Doch die Zelle teilte sich nur einmal. Leben erwuchs hieraus nicht.