Forschung "Ohne Schlaf würde unser Hirn wohl platzen"

Wir schlafen, um zu lernen, sagt der Forscher Jan Born. Im Interview erzählt er, wie der Schlummer das Hirn reformiert und unser Gedächtnis auf Trab hält, wenn wir ruhen.

ZEIT ONLINE: Herr Born, warum schläft der Mensch?

Jan Born: Wenn wir schlafen, ist der ganze Körper inaktiv und das Gehirn verliert das Bewusstsein. Der Schlaf ist sehr wahrscheinlich dazu da, damit sich das Gehirn reformiert. Und in diesem Prozess eben auch Gedächtnis bildet.

ZEIT ONLINE: Wir schlafen also auch, um zu lernen. Gibt es eine besondere Schlafphase, die dafür zuständig ist?

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Jan Born
Jan Born

Der Schlafforscher ist Gewinner des Leibniz-Preises 2010 und wurde 1958 in Celle geboren. Born studierte experimentelle Psychologie in Tübingen und habilitierte in Physiologie. Seit 2002 ist er Direktor am Institut für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck.

Born: Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass der REM-Schlaf, der Traumschlaf, wichtig für das Gedächtnis ist, da man annahm, dass in den Träumen frische Gedächtnisinhalte reprozessiert werden. Entscheidend für das Gedächtnis ist jedoch der Tiefschlaf, in der in der Regel gar nicht geträumt wird.

ZEIT ONLINE: Warum werden die Informationen nicht in der Wachphase gespeichert?

Born: Langfristig wird Wissen in denselben neuronalen Netzwerken gespeichert, in denen auch während der Wachphase akut Reize verarbeitet werden. Weil beide Prozesse, das heißt die langfristige Abspeicherung von Information sowie die akute Verarbeitung von Information, sich gegenseitig stören würden, wenn sie gleichzeitig in denselben Netzwerken stattfänden, geschieht die Langzeitabspeicherung von Information offline, also im Schlaf. 

Schwerpunkt: Warum schlafen wir?

ZEIT ONLINE und DIE ZEIT haben dem Thema Schlaf einen Schwerpunkt gewidmet. In Interviews, Videos, Reportagen und Umfragen klären wir die wichtigsten Fragen rund um den Zustand, in dem wir gut ein Drittel unseres Lebens verweilen.

Wie erklären Hirnforscher den Schlaf, gibt es die produktive Siesta und was kostet die Wirtschaft unsere Müdigkeit? Und wie schlafen die Menschen in verschiedenen Kulturen?

Auf unserer Themenseite können Sie zudem berechnen, wie viel Zeit Sie bereits in Ihrem Leben geschlafen haben.

ZEIT ONLINE: Was passiert im Schlaf genau?

Born: Die Gedächtnisbildung ist ein aktiver Prozess. Zunächst wird das, was tagsüber aufgenommen wird, in einem temporären Speicher, das ist zum Beispiel der Hippocampus, abgelegt. Im Schlaf werden die Informationen reaktiviert und diese Reaktivierung stimuliert dann den Transfer der Information in den Langzeitspeicher. Als Langzeitspeicher fungiert zum Beispiel der Neocortex. Aber: Nicht alles wird in den Langzeitspeicher übertragen. Sonst würde das Gehirn wahrscheinlich platzen. Wir nutzen den Schlaf, um gezielt bestimmte Informationen vom temporären in den Langzeitspeichern zu transferieren.

ZEIT ONLINE: Wie entscheidet das Hirn, welches Wissen es in das Langzeitgedächtnis transportiert?

Born: Bei Informationen, die etwa emotional gefärbt sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie in den Langzeitspeicher transportiert werden. Das gilt aber auch für Informationen, für die quasi schon ein Vorwissen im Langzeitgedächtnis angelegt ist. Diese können dann leichter in das bestehende Vorwissen integriert werden. Ein Taxifahrer weiß zum Beispiel genau, wo welche Straße hinführt. Gibt es jetzt eine Baustelle, die eine Straße versperrt, wird diese Information sehr schnell in den Langzeitspeicher übertragen. Schnell heißt: in einer Nacht.

Leser-Kommentare
  1. "Ohne Schlaf würde unser Hirn wohl platzen"

    Die Überschrift ist erstens, trotz der Anführungszeichen, kein Zitat, denn niemand in diesem Beitrag, besonders nicht Herr Born, behauptet so etwas. Zweitens ist eine solche Aussage natürlich unsinnig. Gesagt wurde: "Nicht alles wird in den Langzeitspeicher übertragen. Sonst würde das Gehirn wahrscheinlich platzen." – "Wenn alles in den Langzeitspeicher übertragen würde" ... heißt jedoch nicht "ohne Schlaf". Ohne Schlaf würde das Gehirn wahrscheinlich nicht platzen, sondern die Informationen im temporären Speicher würden einfach schnell verlorengehen, so daß das Gehirn, wenn überhaupt, eher in sich zusammenfiele (implosionsartig), als daß es explodierte. Ganz abgesehen davon, daß ein Übermaß an Informationen sicherlich Irritationen hervorriefe, aber gewiß nicht sprengstoffartige Erscheinungen. Ein wenig mißlungen die Metaphorik und noch mehr die daraus resultierenden Schlußfolgerungen, so scheint mir. Mal drüber schlafen ...

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    Redaktion

    Lieber lyriost,

    Danke für den Hinweis. Die Titelzeile war mit der Autorin abgesprochen. Sie mögen Recht haben, dass es sich im Detail anders darstellt. Allerdings ging es um die Kernaussage, dass das Hirn ohne Schlaf nicht auskommt.

    Letztlich werden wir wohl nie erfahren – hoffentlich! - , ob unser Hirn dazu neigt, eher zu im- oder zu explodieren.

    Und das uns der Kopf platzt, ist vielleicht zu viel des gängigen Sprachgebrauchs in diesem Zusammenhang.

    ;)

    Beste Grüße aus der Wissenredaktion

    Selbst wenn das Gehirn alle Informationen in den Langzeitspeicher aufnimmt, würde es trotzdem nicht implodieren - siehe bestimmte Autisten, bzw. ferner bestimmte Inselbegabte, welche durch einen Defekt im Gehirn restlos ALLE Informationen abspeichern.

    Redaktion

    Lieber lyriost,

    Danke für den Hinweis. Die Titelzeile war mit der Autorin abgesprochen. Sie mögen Recht haben, dass es sich im Detail anders darstellt. Allerdings ging es um die Kernaussage, dass das Hirn ohne Schlaf nicht auskommt.

    Letztlich werden wir wohl nie erfahren – hoffentlich! - , ob unser Hirn dazu neigt, eher zu im- oder zu explodieren.

    Und das uns der Kopf platzt, ist vielleicht zu viel des gängigen Sprachgebrauchs in diesem Zusammenhang.

    ;)

    Beste Grüße aus der Wissenredaktion

    Selbst wenn das Gehirn alle Informationen in den Langzeitspeicher aufnimmt, würde es trotzdem nicht implodieren - siehe bestimmte Autisten, bzw. ferner bestimmte Inselbegabte, welche durch einen Defekt im Gehirn restlos ALLE Informationen abspeichern.

  2. Redaktion

    Lieber lyriost,

    Danke für den Hinweis. Die Titelzeile war mit der Autorin abgesprochen. Sie mögen Recht haben, dass es sich im Detail anders darstellt. Allerdings ging es um die Kernaussage, dass das Hirn ohne Schlaf nicht auskommt.

    Letztlich werden wir wohl nie erfahren – hoffentlich! - , ob unser Hirn dazu neigt, eher zu im- oder zu explodieren.

    Und das uns der Kopf platzt, ist vielleicht zu viel des gängigen Sprachgebrauchs in diesem Zusammenhang.

    ;)

    Beste Grüße aus der Wissenredaktion

    Antwort auf "Mißlungene Metaphorik"
  3. Selbst wenn das Gehirn alle Informationen in den Langzeitspeicher aufnimmt, würde es trotzdem nicht implodieren - siehe bestimmte Autisten, bzw. ferner bestimmte Inselbegabte, welche durch einen Defekt im Gehirn restlos ALLE Informationen abspeichern.

    Antwort auf "Mißlungene Metaphorik"
  4. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentar. Danke. Die Redaktion/ag

  5. Meins platzt bereits nach Lektüre einer solchen Artikel-Überschrift.

    Was waren das für Zeiten, als die "Zeit" einen gebildeten Leser vor Augen hatte und ihren Lesern und den interviewten Wissenschaftlern veritable Wissenschaftsredakteure mit klug durchdachten Fragen (und Überschriften) vorsetzte. Jetzt gibt es immer öfter diesen Wissenschafts-Potpourri ohne Erkenntnisgewinn für den Leser.
    Als langgediente Zeit-Leserin stelle ich fest, dass die intellektuelle Kluft der Zeit zum FAZ- oder NZZ-Wissenschaftsteil immer größer wird. Kurz, knackig und etwas daneben, das beherrscht die Bild allerdings viel besser.
    Noch ein bisschen mehr in diesem Stil und ich kündige mein Abo, zeitonline für die leichte Muse, wenns gefällt, bleibt ja zugänglich.

    Bald haben Sie mich soweit.

  6. Mir persönlich hat das Interview sehr gut gefallen! Wenn man sich ein bisschen mehr mit der wissenschaftlichen Seite des Schlafes auskennt, weiß man, wie schwer es ist in einfachen Worten diesen komplexen Sachverhalt zu vermitteln. Und das ist hier gelungen! Wer sich nun weiter informieren möchte, kann sich ja die Forschung von Prof. Dr. Born anschauen!

  7. ... mag wissenschaftlich nicht korrekt sein aber sie ist plastisch und bringt genau das 'rüber, was der Autor sagen wollte. Gut gewählt !!

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    Wenn Sie die Überschrift überzeugt, dann haben Sie wohl nicht bis ins Detail verstanden, daß "der Autor" – der tatsächlich eine Autorin ist –, als er/sie der Headline zustimmte, nicht wirklich durchdacht hatte, welche Schlußfolgerungen aus der Bornschen Traumforschung gezogen werden können, vorausgesetzt, man entfernt sich nicht allzu sehr von den Vorgaben der Logik. Und daß eine Überschrift über einem Wissens-Beitrag in der ZEIT anderen Kriterien unterliegen sollte als eine über einem Lifestyle-Beitrag in der BLÖD oder in DUMM.

    Wenn Sie die Überschrift überzeugt, dann haben Sie wohl nicht bis ins Detail verstanden, daß "der Autor" – der tatsächlich eine Autorin ist –, als er/sie der Headline zustimmte, nicht wirklich durchdacht hatte, welche Schlußfolgerungen aus der Bornschen Traumforschung gezogen werden können, vorausgesetzt, man entfernt sich nicht allzu sehr von den Vorgaben der Logik. Und daß eine Überschrift über einem Wissens-Beitrag in der ZEIT anderen Kriterien unterliegen sollte als eine über einem Lifestyle-Beitrag in der BLÖD oder in DUMM.

  8. Wenn Sie die Überschrift überzeugt, dann haben Sie wohl nicht bis ins Detail verstanden, daß "der Autor" – der tatsächlich eine Autorin ist –, als er/sie der Headline zustimmte, nicht wirklich durchdacht hatte, welche Schlußfolgerungen aus der Bornschen Traumforschung gezogen werden können, vorausgesetzt, man entfernt sich nicht allzu sehr von den Vorgaben der Logik. Und daß eine Überschrift über einem Wissens-Beitrag in der ZEIT anderen Kriterien unterliegen sollte als eine über einem Lifestyle-Beitrag in der BLÖD oder in DUMM.

    Antwort auf "Die Überschrift ..."
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    ... dass auch Leute, die nicht solche Koryphäen sind wie Sie, die ZEIT lesen. Wir mögen es lieber plastisch als formal wissenschaftlich. Selbst auf die Gefahr hin, dass wir bei lyriost in Ungnade fallen. Wir werden es überleben.

    ... dass auch Leute, die nicht solche Koryphäen sind wie Sie, die ZEIT lesen. Wir mögen es lieber plastisch als formal wissenschaftlich. Selbst auf die Gefahr hin, dass wir bei lyriost in Ungnade fallen. Wir werden es überleben.

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