Warum schlafen wir? In den kommenden Tagen widmen sich ZEIT ONLINE und DIE ZEIT intensiv dem Thema Schlaf . In Interviews, Videos, Reportagen und Umfragen klären wir die wichtigsten Fragen rund um den Zustand, in dem wir gut ein Drittel unseres Lebens verweilen. Wie erklären Hirnforscher den Schlaf , gibt es die produktive Siesta und was kostet die Wirtschaft unsere Müdigkeit? Zum Auftakt hat unsere Autorin Alina Schadwinkel dem Schlummern in verschiedenen Kulturen nachgespürt.

Schlaf ist ein globales menschliches Bedürfnis, seit Anbeginn der Zeit. Ob Schlaf in Schichten in der Antike, Tragbetten zu Zeiten der Römer, Schlafentzug mit Beginn der Industrialisierung oder die calvinistische Arbeitsethik im Silicon Valley: Dass der Mensch schlafen muss, ist unumstritten. Aber auf das "wie?" gibt es die unterschiedlichsten Antworten.

"Im Laufe der Jahrhunderte gab es dramatische Veränderungen im Schlafverhalten. Zum Beispiel war es in Europa bis zum 18. Jahrhundert weit verbreitet, in zwei Schichten zu schlafen", sagt der Mathematiker und
 Gesundheitswissenschaftler Timothy Olds von der University of Southern Australia . Schon die Griechen waren es lange vor Christi Geburt gewohnt, auch nachts stundenlang wach zu sein. In dieser Zeit wurde gebetet, Träume diskutiert, Nachbarn besucht und Bier gebraut.

Schlaf - Umfrage: Was träumen die Deutschen?

In den folgenden Jahrhunderten änderte sich dies radikal. Wer zweimal täglich schlummerte, galt als faul und unproduktiv, schließlich wurde kostbare Zeit einfach nutzlos vertan. "Jeder handhabt den Umgang mit Schlaf halt ein wenig anders", sagt Olds. Er untersucht das Schlafverhalten von Kindern weltweit. Olds und seine Kollegen durchforsteten 30 Studien aus 20 Ländern, die von den Schlafgewohnheiten der vergangenen 30 Jahre berichten. Die heutige Generation poft demnach pro Nacht gut 20 bis 30 Minuten weniger als ihre Eltern.

Auch kulturell gibt es scheinbar gravierende Unterschiede. So schlafen Kinder in Asien gut 60 bis 120 Minuten pro Nacht weniger als jene in Europa. Amerikanischer Nachwuchs bleibt im Schnitt rund 40 bis 60 Minuten länger im Bett als ihre Altersgenossen in Fernost. Schulkinder in Korea ratzen während der Prüfungsphasen laut einer Studie nur vier bis fünf Stunden pro Nacht in der Woche, jedoch 13 Stunden am Wochenende, um den Verlust wieder auszugleichen. Und "in Japan ist es normal, dass Kinder in der Schule schlafen. Es zeigt, dass sie nachts fleißig waren, wenn sie im Unterricht einnicken", erklärt Olds. In Amerika und vielen Ländern Europas hingegen zähle dies als ein Zeichen von Schwäche.

Dabei ist die "Siesta" in den südlichen Ländern Europas noch immer Kulturgut, selbst wenn sich in Großstädten langsam weniger Menschen am Nachmittag dösen. Auch in einigen Ländern Südamerikas gehört die Mittagspause samt Kurzschlaf noch heute zum Alltag und in Irland gab es bis in die 1980er noch eine "ruhige Stunde".