Bis Ende der 1960er Jahre hatte der gemeinsame Schlaf noch etwas Verruchtes. Er galt bei unverheirateten Paaren als obszön. Häufig zeigten empörte Hausherren ihre Untermieterin an, wenn der Freund am Abend nicht sittlich nach Hause ging. Dies sollte ein jähes Ende haben, als Oswald Kolle und andere die sexuelle Revolution starteten. Doch statt harmonischen Nächten zu zweit begann in deutschen Schlafzimmern der Kampf um Daunendecken, offene oder gekippte Fenster und das Aufenthaltsrecht der Katze im Bett.

Heute verschmähen immer mehr Paare die gemeinsame Nacht. Umfragen aus den USA und England belegen einen Trend hin zu getrennten Schlafzimmern und auch in Deutschland propagieren immer mehr Ratgeber die einsame Nacht. Damit folgen sie einer Erkenntnis, die Schlafmediziner schon längst gemacht haben: Männer und Frauen passen im Bett einfach nicht zusammen.

Schlaf ist eine der egoistischsten Beschäftigungen, denen ein Mensch nachgehen kann. Rücksichtslos wälzt sich der Körper im Bett, lässt die Matratze bei jeder Drehung auf und ab hüpfen. Rund 20 größere und 50 kleinere Bewegungen pro Mensch und Nacht sind normal, bei Stress oder Hitze kommen weitere hinzu. Schlafen zwei Personen gemeinsam in einem Bett, wird dies für einen schnell zur Qual, während der andere von seinen Belästigungen gar nichts mitbekommt. Ähnlich verhält es sich mit dem Schnarchen. Bis zu 90 Dezibel erreicht ein Hochleistungsschnarcher. An Schlaf ist da auch mit einer Familienpackung Ohropax nicht zu denken.

In der Regel sind es vor allem Frauen, die ohne ihren Partner auf Dauer gesünder und geruhsamer schlafen. "Frauen sagen zwar öfter, dass sie sich mit ihrem Partner an der Seite sicherer und geborgener fühlen", sagt der Schlafforscher Gerhard Klösch von der Medizinischen Universität Wien. "In der Realität leiden Männer jedoch stärker darunter, wenn sie alleine schlafen müssen. Auf sie wirkt die Partnerin beruhigend." Zugeben wollen die Herren dies freilich nicht. Werden sie gefragt, können viele auf die gemeinsame Nachtruhe verzichten. Wollten Frauen jedoch aufgrund der Schnarchattacken ihres Partners auswandern, stießen sie häufig auf Widerstand, berichtet Klösch.

Dass sich das Schlafverhalten zwischen den Geschlechtern unterscheidet, ist fest in den Genen verankert: "Frauen schlafen länger, haben eher Probleme mit dem Einschlafen und leiden generell häufiger unter Schlafstörungen", sagt der Schlafforscher und Psychologe Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. "Männer sind da etwas unsensibler, sie können quasi überall einschlafen." Hinzu kommt noch etwas anderes: "Frauen fühlen sich auch in der Nacht für ihren Partner verantwortlich", sagt Klösch. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich weit zurück in der Menschheitsgeschichte.

Zu Beginn der menschlichen Evolution war es üblich, in Gruppen zusammen zu schlafen. Dabei wachten die Frauen über die Kinder, die an ihrer Seite schlummerten – der Platz, an dem heute der Partner liegt. "Eigentlich sollte der Mann die Frau beschützen, in der Nacht dreht sich dieses Machtverhältnis allerdings um", sagt Klösch. Schon in den Nibelungen-Sagen kehrte der Held abends von seinen Taten zurück und die Frau wachte im Schlaf über ihn, bis sie ihn morgens wieder weckte. "Dieses Verhalten finden wir auch noch ein bisschen in der Jetztzeit", erzählt Klösch.