Auftauen von Stammzellen an einer US-Universität © Darren Hauck/Getty Images

In der Stammzellforschung ist in den USA ein weiterer Fortschritt gelungen: In einer Klinik in Atlanta im Bundesstaat Georgia spritzten Ärzte einem nach einer Rückenmarksverletzung teilweise gelähmten Mann Millionen von Zellen, die aus embryonalen Stammzellen gewonnen worden waren. Das berichtet die Washington Post .

Die Behandlung erfolgte im Rahmen einer klinischen Studie der Phase I. Hinter der Studie steckt das in Kalifornien ansässige Biotechnikunternehmen Geron, das bereits im Januar 2009 von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Erlaubnis erhalten hatte, embryonale Stammzellen bei freiwilligen Versuchspersonen mit Querschnittlähmung zur Therapie einzusetzen.

Allerdings ist dies nur bei Patienten sinnvoll, deren Rückenmarksverletzung nicht länger als 14 Tage zurückliegt. Nun wurde ein Patient ins Shepherd-Center-Klinikum eingeliefert, auf den alle Kriterien zutrafen, um Stammzellen zur Therapie zu erhalten. Insgesamt nehmen sieben Kliniken in den USA an der Studie teil.

Über den Ausgang der Behandlung wurde noch nichts bekannt. Die Ärzte wollen zunächst die Sicherheit der Methode prüfen. Langfristiges Ziel ist es, abgestorbene Nervenzellen nachwachsen zu lassen, damit Querschnittgelähmte eines Tages das verlorene Gefühl für ihre gelähmten Körperteile wiedererlangen.

Da die zur Züchtung der Ersatzzellen verwendeten Stammzellen allerdings aus wenige Tage alten Embryonen gewonnen werden, ist die Therapie ethisch umstritten.

Stammzellen sind noch nicht genau für ihre spätere Aufgabe im Körper programmiert und können sich daher in zahlreiche Zelltypen verwandeln. Wissenschaftler hoffen, daraus in Zukunft Ersatzgewebe züchten zu können. Damit könnten Erkrankungen geheilt werden, bei denen Zellen unwiederbringlich absterben: Bei Parkinson und Alzheimer gehen Gehirnzellen verloren, die mit Hilfe der Stammzelltherapie ersetzt werden könnten. Herzinfarktpatienten könnte die Methode zu neuen Herzmuskelzellen verhelfen.

Ein Problem bei dem Einsatz der Stammzellen ist, dass sie unter bestimmten Bedingungen Krebs auslösen könnten. Im Streit um die staatliche Förderung der Stammzellforschung in den USA hatte Präsident Barack Obama erst unlängst einen Etappensieg errungen. Ein Berufungsgericht hatte Ende September eine einstweilige Anordnung endgültig aufgehoben , mit der die öffentliche Finanzierung der Stammzellforschung vorläufig gestoppt worden war.

Obama hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme eine Wende in der Forschungspolitik eingeleitet und den strikten Kurs seines Vorgänger George W. Bushs in der Frage der Stammzellen aufgeweicht. Dieser hatte verfügt, dass nur solche Forschung staatlich gefördert werden darf, die mit vor 2001 gewonnenen Stammzellen arbeitet. Wissenschaftler können mit derart alten Zelllinien jedoch wenig anfangen, da diese häufig verunreinigt sind.

Obama hob diese Beschränkung auf und wies die Gesundheitsbehörde an, neue Richtlinien zu verfassen. Sie erlaubte daraufhin die Nutzung auch neu gewonnener Stammzelllinien. Voraussetzung ist, dass sie von Embryonen stammen, die nach Behandlungen zur künstlichen Befruchtung in Kliniken ohnehin vernichtet worden wären.