Jeder zweite Mann wird derzeit mindestens 80 Jahre alt, jede zweite Frau wird sogar noch ihren 85. Geburtstag erleben zumindest statistisch gesehen. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren nicht nur für Neugeborene weiter gestiegen, auch ältere Menschen leben länger, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Die Lebenserwartung Neugeborener hat sich in den vergangenen 130 Jahren mehr als verdoppelt. Männliche Babys werden der jüngsten Statistik zufolge 77 Jahre und vier Monate alt, neugeborene Mädchen 82 Jahre und sechs Monate. Das ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal ein Plus von zwei Monaten bei den Jungen und einem Monat bei den Mädchen. Das durchschnittliche Sterbealter lag im Jahr 2009 bei den Frauen bei 80,9 Jahren, Männer wurden im Schnitt 73,2 Jahre alt. Für ältere Menschen hat die Lebenserwartung im Vergleich zum Vorjahr um einen weiteren Monat zugenommen. 89,2 Prozent der Männer und 94,1 Prozent der Frauen feiern zumindest noch ihren 60. Geburtstag.

Die Statistik beruht auf den Daten über die Sterbefälle und die Durchschnittsbevölkerung der vergangenen drei Jahre. Begonnen wurde sie 1871/1881 für das Deutsche Reich. Damals konnten neugeborene Jungen nur mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 35 Jahren und sieben Monaten und Mädchen mit 38 Jahren und fünf Monaten rechnen.

"Die Leute unterschätzen ihre eigene Lebenserwartung. Das zeigen Studien", sagt Martin Gasche, Abteilungsleiter beim Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demografischer Wandel. Bei der Planung des Alterseinkommens werde oft vergessen, dass das Geld nicht noch 20, sondern vielleicht sogar 30 Jahre reichen müsse. Die Volkswirtschaft sei hingegen schon dabei, sich auf das höhere Alter einzustellen, sagte Gaschke und verwies auf das Renteneintrittsalter mit 67 Jahren . "Die Arbeitgeber verstehen langsam, dass man älteren Menschen auch noch Arbeit geben kann." Als weitere Beispiele nannte der Wissenschaftler altersgerechte Wohnungen mit breiten Türen und weniger Stolperfallen sowie Handys mit großen Tasten.

Angesichts der demographischen Entwicklung forderte Zukunftsforscher Andreas Steinle: "Wir brauchen eine andere Arbeitskultur und ein anderes Arbeitsbild." Das Potenzial, durch Arbeiten jung zu bleiben, werde noch nicht gesehen, sagte der Wissenschaftler. Schon fast jeder fünfte Firmengründer in Deutschland sei inzwischen aber älter als 50 Jahre. "Wir brauchen neue Wege, damit sich die Menschen im Alter die Arbeit aussuchen können." Dazu gehörten Altersarbeitszeitmodelle und Kooperationen, bei denen auch ehrenamtliche Arbeit eingebaut werde.