Grippesaison Jeder Dritte lässt sich gegen Grippe impfen

Die Grippesaison in Deutschland hat begonnen. Der vorherrschende Erreger ist A/H1N1 – die Schweinegrippe. Bislang haben sich 26 Prozent der Deutschen impfen lassen.

Grippe-Impfung im Berliner Virchow-Klinikum

Grippe-Impfung im Berliner Virchow-Klinikum

Nur jeder Dritte in Deutschland schützt sich in diesem Winter per Impfung gegen Grippe. 67 Prozent lassen sich nicht impfen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ergab. 26 Prozent hatten sich Mitte Januar die vorbeugende Spritze bereits geben lassen, sechs Prozent wollten dies noch tun. In diesem Jahr bietet der saisonale Grippe-Impfstoff auch Schutz gegen das Schweinegrippevirus A/H1N1, mit dem sich derzeit die meisten Patienten anstecken. Die umstrittenen Wirkverstärker (Adjuvantien), denen Impfkritiker gefährliche Nebenwirkungen nachsagen, sind in diesem Jahr nicht im Serum enthalten.

Die Zahlen zur Impfbereitschaft sind mit denen aus dem Vorjahr nur schwer zu vergleichen. Denn damals stand zunächst nur der normale saisonale Impfstoff zur Verfügung. Die Vakzine gegen den neuen Erreger A/H1N1 musste erst entwickelt werden und kam ab Herbst 2009 zum Einsatz. Sieben bis acht Prozent der Deutschen ließen sich daraufhin gezielt gegen die Schweinegrippe impfen – deutlich weniger als in anderen Ländern Europas.

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Wie heißt die Grippe?

Schweinegrippe? Nordamerikanische Grippe? Mexikanische Grippe? Amerikanische Grippe? Unter Experten herrscht noch immer Uneinigkeit wie die Viruserkrankung durch den neuen Erreger vom Typ A/H1N1 denn nun korrekt bezeichnet werden soll.

Bundesregierung und EU-Kommission entschieden sich für die die Bezeichnung "novel flu" (Neue Grippe).

In der Öffentlichkeit hat sich der Begriff Schweinegrippe durchgesetzt. Der ist deshalb irreführend, weil er suggeriert, die Grippe befalle vornehmlich Schweine oder stamme von diesen.

Der aktuelle Erreger vom Typ A/H1N1 (Subtyp A/California/7/2009) ist allerdings nicht in Tieren isoliert worden. Lediglich das Erbgut des Virus enthält genetisches Material von Erregern, die neben dem Menschen auch Schweine und Vögel befallen.

Richtiger ist im Vergleich der Begriff Vogelgrippe für Erreger, die hauptsächlich Vögel befallen. Allerdings können alle Grippeviren mutieren, um sich stärker an andere Wirte anzupassen und Artgrenzen zu überspringen. So kommt es selten zu einer Übertragung von Vogelgrippeviren auf Menschen, die dann jedoch lebensgefährlich erkranken. Zuletzt wurden erneut Fälle aus Indonesien und Ägypten bekannt, wo sich Menschen mit einem H5N1-Virus angesteckt hatten.

Pandemie 2009/2010

Im Frühjahr 2009 tauchte in Nordamerika der bis dahin unbekannte Grippeerreger A/H1N1 auf. Da die Bevölkerung keine Immunität gegen die neue Influenza-Variante besaß, konnte sich die Schweinegrippe schnell über Amerika bis in weite Teile der Welt ausbreiten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte die globale Grippewelle zur Pandemie und ließ die nationalen Notfallpläne anlaufen. Die neue Grippe erwies sich als extrem ansteckend. Allerdings verlief sie bei weniger Menschen tödlich als zunächst befürchtet.

Wie viele Menschen sich im Laufe der Pandemie mit H1N1 infiziert haben, ist unbekannt. Offizielle Stellen registrierten Hunderttausende Fälle und rund 18.500 Tote. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da die Infrastruktur zur Erfassung von Grippefällen in vielen Ländern unzureichend ist. Ab Herbst 2009 stand ein wirksamer Impfstoff gegen den Erreger zur Verfügung, der allerdings in Deutschland kaum angenommen wurde.

Im Sommer 2010 ebbte die Pandemie ab. Im Winter 2010/2010 begann eine normale saisonale Grippewelle. A/H1N1 wurde bisher bei etwa einem Drittel der Erkrankten nachgewiesen.

Zurzeit verläuft der Beginn der Grippesaison normal. Trotz starker Unterschiede von Woche zu Woche ist ein stetiger Zuwachs der Grippe-Neuinfektionen in Deutschland zu verzeichnen. Wie auch schon während der Pandemie 2009/2010 gibt es verstärkt schwere Verläufe und Todesfälle bei Kindern und jungen Menschen, sagte Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Die Grippe treffe in diesem Winter vor allem Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Menschen bis 59. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit glimpflich. Senioren ab 60 sind nach den RKI-Zahlen deutlich weniger betroffen als bei frühere Epidemien. Als Grund hierfür sehen Wissenschaftler unter anderem, dass ältere Menschen im Laufe ihres Lebens häufiger mit Viren in Kontakt gekommen sind, die dem 2009 neu aufgetretenen Virus vom Typ A/H1N1 ähneln. Das führt zu einer gewissen Immunität gegen den Erreger. Dennoch rät das RKI weiterhin chronisch Kranken allen Alters und auch allen Menschen über 60 Jahre, die Impfung in Anspruch zu nehmen. Neben A/H1N1 sind weitere Influenza-Erreger im Umlauf, die gerade Älteren gefährlich werden können. Die Impfempfehlung gilt auch für Schwangere und Medizinpersonal.

Die Umfrage ergab außerdem, dass sich etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Deutschen gut über das Thema Schweinegrippe informiert fühlen – 22 Prozent sehen bei sich noch Wissenslücken. Beim Thema Nebenwirkungen gehen die Meinungen der 1029 repräsentativ Befragten weit auseinander. 42 Prozent fürchten unerwünschte Wirkungen durch das Impfen, rund die Hälfte (53 Prozent) hat keine Angst davor. Nach Meinung vieler Wissenschaftler ist der Grippeimpfstoff gut verträglich. Das zeigen auch die Erfahrungen aus der vergangenen Pandemie und aus den Jahren zuvor.

 
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