Nuklearunfall in JapanIrrationale Strahlenangst

Meldungen über kontaminierte Lebensmittel in Japan verunsichern. Doch Panik ist unangebracht, die Gesundheitsgefahr ist noch beherrschbar. Ein Kommentar von 

Behördenmitarbeiter prüfen Einwohner der Stadt Koriyama in der Präfektur Fukushima auf erhöhte Strahlenwerte

Behördenmitarbeiter prüfen Einwohner der Stadt Koriyama in der Präfektur Fukushima auf erhöhte Strahlenwerte  |  © Ken Shimizu/AFP/Getty Images

Die Furcht vor Dingen, die wir uns nicht vorstellen können und die unsichtbar sind, ist groß. Wie soll man mit einer Gefahr umgehen, auf die wir uns nicht vorbereiten können? Hilflos blickt die Welt nach Fukushima , macht sich Sorgen über radioaktive Wolken, strahlende Partikel in Lebensmitteln, gar in Milch und Trinkwasser. Äußerlich ist nichts zu erkennen, die Kontamination ist geruchlos, auch schmecken kann man sie nicht.

Allein das Wort Strahlung weckt in vielen ein Angstgefühl. Das ist verständlich. Denn die unbeherrschbare Macht der radioaktiven Isotope kann uns viel Schaden zufügen, ist also keineswegs harmlos. Und doch ist das Bild von der derzeitigen nuklearen Bedrohung verzerrt.

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Szenarien für Fukushima
Super-GAU oder begrenzter Unfall? Wie sehen das schlimmste und das beste Szenario für die Zukunft aus?

Super-GAU oder begrenzter Unfall? Wie sehen das schlimmste und das beste Szenario für die Zukunft aus?  |  © Asahi Shimbun/Reuters

Fast im Stakkato erreichen uns neue Messwerte aus Japan. Sie zeugen von einer Radioaktivität im Wasser und in der Luft, die um das Fünffache, Zehnfache oder weit über das Hundertfache über den Grenzwerten liegt. Diese Werte suggerieren eine immanente Bedrohung für Leib und Leben der Menschen im Katastrophengebiet. Aber sie täuschen uns. Denn Messwerte allein sagen noch nichts über eine Gefahr oder ein Risiko aus. Die erhöhte Radioaktivität in der Atmosphäre etwa ergibt sich aus Momentaufnahmen an unterschiedlichen Orten in Japan. Doch sie ergeben kein einheitliches Bild. Die Strahlendosen sind nicht konstant, sie schwanken zum Teil dramatisch. Und damit schwankt auch die Gefährdung.

Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Entscheidend ist, ob die radioaktiven Stoffe in den Körper gelangen oder ob sie an Kleidung und Haut haften. Im zweiten Fall ist die Kontamination rasch zu beseitigen: Die betroffene Person muss ihre Kleidung entsorgen und sich gründlich waschen. Werden radioaktive Isotope aber verschluckt, können sie unsere Zellen langfristig schädigen. Akut wird aber in Japan niemand durch den Verzehr kontaminierter Nahrung an Strahlenfolgen sterben , so groß ist die radioaktive Belastung nicht. Es ist zwar richtig, Milch, Spinat, Trinkwasser und andere Lebensmittel aus dem Verkehr zu ziehen, weil ihr Verzehr das Risiko, krank zu werden, langfristig erhöhen kann. Das bedeutet aber nicht, dass alle Menschen Gesundheitsschäden davontragen.

Grafik Radioaktivität
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.  |  © Julika Altmann

Erst ab einer Dosis von 100 Millisievert erwarten Strahlenmediziner nachweisbare Folgen in der Gesamtbevölkerung, egal in welchem Zeitraum die Menschen der Strahlung ausgesetzt waren. Derartige Dosen bekommen derzeit wohl nur die Arbeiter, Techniker und Feuerwehrmänner direkt an den Reaktoren von Fukushima-1 ab. Statistisch heißt das: Sind 100 Menschen einer Strahlung von 100 Millisievert ausgesetzt, erkrankt davon einer mehr an Krebs als ohne Strahlung. Ein weiterer Mensch bekommt möglicherweise eine schwere Herz-Kreislauferkrankung. 45 Menschen von den 100 würden ohnehin, abgesehen von der Strahlenbelastung, einen Tumor entwickeln. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die natürliche Radioaktivität, der jeder Mensch ausgesetzt ist, zwischen 2 und 5 Millisievert pro Jahr.

Direkte Strahlenschäden

Die Strahlenschutzexperten unterscheiden zwischen deterministischen und stochastischen Strahlenschäden. Mit dem ersten sind Symptome gemeint, die unmittelbar nach einer Strahlenexposition auftreten, wie Übelkeit und verbrennungsartige Hautrötungen. Solche Schäden treten fast immer nur dann auf, wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten wurde, wenn zu viele Zellen eines Gewebes beschädigt worden sind. Experten sprechen von einer Schwellendosis, die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Indirekte

Durch die Nahrung kann eine solch lebensgefährliche Schwelle kaum überschritten werden. Essen wir radioaktiv belastetes Gemüse, wird das eher später nach Jahren oder Jahrzehnten negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben – wenn überhaupt.

Diese Strahlenschäden lassen sich nur in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken: Wie wahrscheinlich ist es nach einer Strahlenexposition X im Zeitraum Y an der Krankheit Z zu erkranken? Zu den möglichen Symptomen zählen etwa Unfruchtbarkeit, Trübungen der Augenlinsen oder Krebs, die auch erst Jahre nach einer erhöhten Belastung auftreten können. Auch Schäden an Neugeborgenen fallen darunter.

Wie schädlich eine Strahlung ist, lässt sich also nicht genau festlegen: Person A hat im März 2011 die Strahlendosis B abbekommen und wird im Jahr C an Krebs erkranken – solche Aussagen sind unmöglich! Es gibt keine Regel anhand der sich sagen lässt, ab welcher Dosis eine Person erkrankt und ob das überhaupt jemals der Fall sein wird.

Erbgut

Die Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgehen, können direkt bestimmte Zellbestandteile verändern oder indirekt freie Radikale aus dem Wasser in der Zelle bilden, die dann das Gewebe beschädigen können. Am empfindlichsten ist das Erbgut (DNA). Die Strahlung kann etwa die DNA-Kette brechen oder den Code verändern. Nicht immer ist Radioaktivität Schuld an solchen Mutationen, auch Hitze, mechanische Kräfte oder chemische Stoffe können sie auslösen. Das körpereigene Reparatursystem des Menschen behebt jeden Tag zig Billionen Erbgutschädigungen.

Gelingt eine Reparatur nicht, kann der Körper immer noch die Möglichkeit ergreifen, die betroffene Zelle vom Zellverbund auszuschließen. Schließt ein Organismus die beschädigte Zelle nicht aus, kann das bei den folgenden Zellteilungen schwerwiegende Folgen haben, da sich die Mutation auf die Nachkommen dieser Zelle übertragen. Krebs ist eine mögliche Spätfolge davon.

Für die Mediziner ist es im Nachhinein aber kaum möglich, zu rekonstruieren, ob der Auslöser für eine Tumorerkrankung eine erhöhte Strahlenbelastung oder ein sonstiger Faktor ist.

Medizin

Radioaktivität wird nur selten mit Gesundheit in Verbindung gebracht. Und doch nutzt die Medizin sie vielfach. Die Strahlung von Radionukliden wird etwa eingesetzt, um das Wachstum von Tumoren zu hemmen oder um die Durchblutung von Gewebe sichtbar zu machen.

In der Geschichte finden sich auch einige Negativbeispiele zur medizinischen Anwendung von radioaktiven Stoffen, die es so heute sicher nicht mehr geben würde: So sollten etwa Hüftgürtel mit Radium gegen Rheuma helfen, eine Zahnpasta mit dem Element sollte für gesundes Zahnfleisch sorgen, radioaktive Einlegesohlen sollten die Füße pflegen und ein radiumhaltiges Haarwasser gegen Haarausfall vorbeugen. (ska)

Aber auch wenn sich eine schädliche Auswirkung von Strahlung unterhalb der 100 Millisievert statistisch kaum nachweisen lässt, bedeutet das nicht, dass es kein Gesundheitsrisiko gibt. Grundsätzlich gefährdet jeder Typ und jede Dosis radioaktiver Strahlung die Biologie unseres Körpers bis hinein ins Erbgut. Aber unsere Zellen setzen sich dagegen zur Wehr. Täglich bekämpfen sie zig Billionen Schäden an der DNA. Die Frage ist: Wo liegt die Schwelle, an der die Abwehrmechanismen versagen?

Sicher ist, dass der Mensch gelernt hat, mit Strahlenbelastungen im niederen Bereich umzugehen. Und diese Art der Strahlenbelastung wird nach dem derzeitigen Stand der Dinge in Japan entscheidend sein. Was bisher in der Luft bis nach Tokyo zu messen ist, liegt im Mikrosievertbereich. Damit sind die Metropolenbewohner derzeit wohl geringer belastet als ein Mensch, der auf einem Flug von New York nach Tokyo und zurück eine Strahlendosis von etwa 200 Mikrosievert abbekommt. Ob solche Strahlenwerte bedrohlich sind, ist fraglich.

Gesundheitsfolgen nach Tschernobyl

In Tschernobyl starben infolge des Reaktorunfalls unmittelbar 28 Menschen nach einer erhöhten Strahlenbelastung. 19 weitere Menschen starben zwischen 1986 und 2005 nachweislich an den gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe. Das ist das Ergebnis eines Berichtes der Vereinten Nationen, der zuletzt Ende Februar aktualisiert worden ist. Insgesamt könnten langfristig bis zu 4000 Menschen an der Radioaktivität sterben, die durch die Explosion des Reaktors freigesetzt wurde, schätzt das internationale Wissenschaftskonsortium. Die meisten von ihnen gehören zu den rund 500.000 Arbeitern, die an den Rettungsmaßnahmen zwischen 1986 und 1987 auf dem Gelände beteiligt waren.

Schilddrüsenkrebs

Für den überwiegenden Teil der Menschen ist das Unglück eher glimpflich verlaufen. 6000 Menschen sind in den zwei Jahrzehnten nach Tschernobyl an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Das ist der einzige Tumor, der sich empirisch eindeutig als Folge von Tschernobyl nachweisen lässt. Diese Art von Krebs gilt als gut behandelbar und verläuft in den allermeisten Fällen nicht tödlich. "Die Wahrscheinlichkeit mit der Diagnose die nächsten 20 Jahre zu überleben, liegt bei etwa 90 Prozent über alle Altersgruppen hinweg", sagt Christoph Reiners, der das WHO-Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen leitet.

Das leichtflüchtige Jod kann über die Luft und die Nahrung aufgenommen werden. Das radioaktive Jod hat dieselben chemischen Eigenschaften wie sein stabiles und für die Gesundheit unbedenkliches Isotop. In der Schilddrüse strahlen die radioaktiven Teilchen und belasten das umliegende Gewebe. Besonders für Kinder kann das schwerwiegende Folgen haben, weshalb in diesem Fall die Einnahme von Jodtabletten empfohlen wird.

Der Blick in die Geschichte soll die Gefahr nicht kleinreden. Er soll nur deutlich machen, wie wichtig es ist, zwischen echter und unechter Bedrohung zu unterscheiden. (ska)

In Deutschland haben ähnliche Werte in der Vergangenheit keinen nachweisbaren Effekt gehabt. Nach den mehr als 500 Atomwaffentests in den 1950er und 1960er Jahren stieg die Hintergrundstrahlung in der Atmosphäre hier bis 1963 auf 113 Mikrosievert pro Jahr an. In den Jahrzehnten danach sank sie stetig. Selbst die Tschernobylkatastrophe von 1986 , bei der ein aktiver Reaktorblock brannte und explosionsartig zerfetzt wurde, stieg diese Strahlung auf einen Wert von unter 40 Mikrosievert im Jahr.

Diese Relationen zeigen, wie ein gefühltes Risiko und die tatsächliche Gefährdung auseinanderdriften können. Panik, wie sie manchen in Deutschland befällt, hilft nicht weiter. Die Japaner zeigen eindrucksvoll, wie besonnen sie mit der kritischen Situation umgehen. Sie werden diese Krise meistern, ganz gleich, wie sie ausgeht.

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Leserkommentare
  1. Jedwede Strahlung erhöht die Wahrscheinlichkeit für Krebs oder Fehlbildungen beim Nachwuchs -- nicht erst ab irgendwelchen Grenzwerten. Es ist also nur vernünftig, jedwede Strahlung zu vermeiden, ebenso wie man ja auch Rauchen oder andere unnütze Risikoquellen meidet.

    Leider stört es weder Raucher noch Kernkraftfreunde, wenn sie selbst oder andere an Krebs sterben (vor allem andere).

    6 Leserempfehlungen
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    • Ephron
    • 23. März 2011 15:52 Uhr

    Wenn Sie "jedwede Strahlung" vermeiden möchten, sollten Sie diesen Planeten und am besten auch dieses Universum meiden, da Sie der natürlichen radioaktiven Strahlung (der Erde und des Weltalls) sonst nicht aus dem Weg gehen können.

    mfg
    Marc Buchen

    • anes
    • 23. März 2011 21:15 Uhr

    Sarkasmus führt in der Regel nicht wirklich weiter.....

    Jedwede VERMEIDBARE Risiken waren sicherlich gemeint, denn ja, es ist richtig, dass es leider auch unvermeidbare gibt. Umso wichtiger finde ich den Hinweis der Vermeidung.

    Es ist ja heutzutage nun nicht so, dass Krebs eine seltene Krankheit ist - Es ist eine Volkskrankheit!
    Also frage ich mich, wann werden die Menschen denn mal wach? Wann mal wieder ein paar Gänge runterschalten?
    Sicherlich gibt es unzählige Faktoren, die in unserer heutigen Welt eine krankmachende Rolle spielen, schlimm genug.
    Strahlung ist nunmal auch ein wichtiger Punkt, umso schlimmer finde ich, das ewige Herunterspielen der Risiken. Das wurde damals in der DDR nach Tschernobyl auch gemacht. Und die Menschen in der DDR bekamen die kontaminierten Lebensmittel auf den Teller. Heute gibt es viele interessante Statistiken über einen deutlichen Anstieg verschiedenster Krankheiten seit Tschernobyl.
    Wenn wir uns gegenseitig die Hucke voll lügen, bleiben wir auch nicht gesünder.

  2. "Sind 100 Menschen einer Strahlung von 100 Millisievert ausgesetzt, erkrankt davon einer mehr an Krebs als ohne Strahlung. "

    Könnten Sie weiterführenden Quellen anführen, die diese Aussage belegen? Verzeihen Sie mir meine Zweifel, aber es würde mich sehr interessieren, aus welchen Statistiken Sie dies ableiten. Vielen Dank, mit freundlichen Grüßen, Wawerka

    8 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Liebe(r) wawerka,

    dieser Vergleich stammt von Jacob Peters, dem Leiter des Instituts für Strahlenschutz am Helmholtz-Zentrum in München:

    http://www.helmholtz-muen...

    Weitere Hintergründe zu Strahlenfolgen stammen aus Gesprächen mit Christoph Hoeschen, ebenfalls aus München, Rolf Michel, dem Vorsitzenden der Strahlenschutzkommission und dem Strahlenmediziner Christoph Reiners.

    Letzterer leitet das WHO Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen: http://www.rempan.de/page...

    Reiners ist ausgewiesener Experte zu Tschernobyl und den Folgen für die Bevölkerung.

    Besonders interessant, was die Folgen von radioaktiver Belastung angeht ist der UNSCEAR-Bericht der Vereinten Nationen, in dem selbst noch weiterführende Studien genannt sind. Hier wird alles, was man derzeit weiß zur Tschernobyl-Katastrophe analysiert:

    http://www.unscear.org/

    Vielleicht hilft Ihnen das schon weiter.

    Ansonsten verbinden mich keinerlei Interessen mit der Atomlobby, mir geht es einzig und allein um die sachliche Aufarbeitung rund um das Unglück von Fukushima.

    Bezahlt werde ich dafür von ZEIT ONLINE. Und wenn es Sie interessiert: Ich beziehe Ökostrom und bin für einen raschen Ausstieg aus der Atomkraft, weil ich überzeugt bin, dass diese Technik nicht beherrschbar ist.

    Grüße aus der Redaktion

  3. [...] Es ist nach 25 Jahren immer noch riskant, Pilze aus dem Bayrischen Wald zu essen und wer jetzt die verseuchte Japan-Nahrung zu sich nimmt, so wie es diese PR empfiehlt, muss ganz verrückt sein.
    "Die gesundheitsgefahr ist Beherrschbar". Dieser Satz ist eine der größten vorstellbaren Unverschämtheiten gegenüber jedem, der elendig an Krebs, auch durch Nehrung verursacht, verstorben ist, ob in Hanford, Harrisburg, Tschernobyl oder zukünftig in Fukushima. [...]

    Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/sh

    16 Leserempfehlungen
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    "Es ist nach 25 Jahren immer noch riskant, Pilze aus dem Bayrischen Wald zu essen"

    Ja, genauso riskant wie eine Banane zu essen. Gute Besserung!

    Gerne hätte ich eine Quellenangabe für ihre Informationen. Die halte ich nämlich für nicht haltbar.

    Passt einem eine Quelle nicht, ist sie also gefälscht? Oder sagen Sie, dass die Atomlobby an sich nur lügt? Aber die Kriegs- und Solarlobby (= Die Grünen) sagt nur die Wahrheit?

    Wenn Sie schon kritisch sind, dann in beide Richtungen.

    Da ich aber der Physik (da sie mich bisher noch nicht enttäuscht hat) vertraue, haben die Berichte und Quellen der Atomlobby meistens mehr Gewicht für mich, da sie oft voll sind mit Zahlen und Fakten... die man mit etwas Physikwissen auch nachvollziehen kann.
    Wem ich aber nicht vertraue sind Quellen, die zwar eindeutig Interessen verfolgen, aber kaum Zahlen beinhalten. Diese kommen zu oft von Greenpeace und den Grünen.

    "Dieser Satz ist eine der größten vorstellbaren Unverschämtheiten gegenüber jedem, der elendig an Krebs, auch durch Nehrung verursacht, verstorben ist, ob in Hanford, Harrisburg, Tschernobyl oder zukünftig in Fukushima."

    An sich richtig, aber denken Sie dann auch an die elendig gestorbenen Kohlekumpeln in aller Welt oder die bei Gasexplosionen entstellten und verstorbenen Menschen. Schauen Sie sich die Gasbrände/explosionen nach dem Tsunami an. Wieso akzeptieren Sie dieses Restrisiko, das von Kernenergie aber nicht? Bei ersterem sterben schätzungsweise deutlich mehr als bei der ach so bösen Kernenergie...
    Oder sagen Sie, dass Kohle und Gas auch nicht beherrschbar sind?

    So ein faktenreicher Artikel verdient solche Kommentare wie den Ihrigen nicht.

    Die Zahlen zu den bayrischen Pilzen lieferte letzte Woche das ZDF-Magazin Frontal21:

    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

  4. 4. Banane

    "Es ist nach 25 Jahren immer noch riskant, Pilze aus dem Bayrischen Wald zu essen"

    Ja, genauso riskant wie eine Banane zu essen. Gute Besserung!

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "PR für die Atomlobby"
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    http://www.zeit.de/2010/4...

    *Weitere Kommentare ob des Argumentationsniveaus verkneif*

  5. Ich habe schon gedacht, dass in diese Debatte keinerlei Vernunft einzieht. Es ist wichtig, die Strahlenbelastung einordnen zu können. Das Sievert ist eine gewichtete Einheit, die mit Vorsicht genossen werden sollte. Die Angabe der physikalischen Einheit Gray würde ich für vernünftiger halten. Dann kann man im Einzelfall Rückschlüsse auf die tatsächliche Gesundheitsgefährdung ziehen, ohne grundlos Panik zu schüren.
    Die Gefährdungslage durch niedrigdosierte Strahlung ist wissenschaftlich äußerst vage zu beurteilen, da akute Lebensgefahr nur bei hoher Strahlung (> 1 Sievert) auftritt. Da ausschließlich statistische Rückschlüsse möglich sind, bleibt nur die Betrachtung bereits erfolgter Kontamination wie in Hiroshima und Tschernobyl. Interessanterweise sind in Hiroshima nur bestimmte Krebsarten leicht erhöht. Wobei die Signifikanz dieser Anstiege gering ist. In Tschernobyl zeigt sich ein eindeutiger Effekt durch die erhöhten Raten von Schildrüsenkrebs, die auf Kontamination mit Jod zurückzuführen sind. Die absolute Anzahl der Todesfälle ist vergleichsweise gering. Teilweise veröffentlichte Todeszahlen im 10.000er Bereich sind ungedeckte Hochrechnungen, also durch keine Studie belegt.
    Man sollte bei der Einordnung entsprechender Gefährdungslagen nicht vergessen, dass der Mensch evolutionär ohne Anpassung an radioaktive Strahlung nicht hätte überleben können. Das zum Beispiel Übergewicht zu einer massiv erhöhten Krebsprävalenz führt, ist eine tatsächliche Bedrohung.

    13 Leserempfehlungen
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    Mit welchen wissenschaftlichen Errungenschafte wollen Sie denn hier den Standard der Berechnung von Gefaehrdung veraendern?

    Mit dem 'ich finde das aber alles anders' Standard des Heimexperten?

    Quellen fuer Ihre Behauptungen fehlen unerwarteterweise... Hatten Sie nicht die Zeit, nachzulesen, oder duerfen Sie auch so mal Meinung machen mit etwas FachFeingefuehl?

    • Spez
    • 23. März 2011 12:25 Uhr

    Es stimmt, dass hohe Opferzahlen, durch keine Studie belegt sind. Wenn ich mir die Tabellen der gemessenen Strahlendosen anschaue, merke ich aber die Dünne der Datengrundlage. So gab es bei Arbeitern aus Weißrussland (bin mir bei der Nationalität nicht mehr ganz sicher) nur von 8 % der Arbeitern eine Strahlendosis. Komischerweise waren die Strahlendosen im Mittel höher bei den Nationalitäten, bei denen für einen höheren Prozentsatz der Arbeiter Dosiswerte vorlagen. Ob die direkten Opferzahlen stimmen kann man glauben, aber muss man nicht, da der UNSCEAR-Bericht auf Daten der dortigen Behörden basiert und keine eigenen Daten hat.
    Mir scheint es, so zumindest mein Gefühl, dass der UNSCEAR-Bericht das Beste aus den vorhandenen Daten macht und einen guten Überblick verschafft, aber um endgültige Opferzahlen festzustellen reicht er nicht aus. Der Bericht räumt ja schließlich selber ein, dass selbst die Erkrankungen ohne Zusammenhang mit der Strahlung z.B. schlechter Lebenswandel, psychische Probleme, schlussendlich mit der Katastrophe zusammenhängen, die viele Opfer stigmatisiert, entwurzelt und zu psychischen Erkrankungen geführt hat.

    "Man sollte bei der Einordnung entsprechender Gefährdungslagen nicht vergessen, dass der Mensch evolutionär ohne Anpassung an radioaktive Strahlung nicht hätte überleben können."
    Richtig! Er hatte aber auch über 200Mio. Jahre Zeit sich an (langsame Veränderungen!)anzupassen. Hier sprechen wir leider von wenigen Wochen (Tagen). Auf Dauer werden Sie wohl wieder Recht haben. Wir müssen dann wohl nur unser Schönheitsideal ändern. Was heute noch Missbildungen sind werden dann wahrscheinlich Merkmale des perfekten Menschen sein und wir werden ohne (nach heutigem Stand tödliche) Strahlung gar nicht mehr leben können.
    Da die meisten Menschen aber keine 200 Mio. Jahre leben werden, um sich anpassen zu können, bin ich dann doch für weniger gefährliche Energiegewinnung und damit für "Abschalten"!

  6. ..gab es ein bemerkenswertes Interview mit einem Strahlenbiologen in der Frankfurter Rundschau zu lesen. Da liest sich doch manches ganz, ganz anders als hier bei Herrn Stockrahm. Wer es selbst mal nachlesen möchte, hier ist der Link:

    http://www.fr-online.de/p...

    9 Leserempfehlungen
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    Wenn dann schon den Bericht der WHO lesen, aber der wird von solchen Leuten dann ja wieder als Verschwörung hingestellt. Für den Bericht eines Experten nennt er zudem wenig Fakten, sondern stellt hauptsächlich Behauptungen auf und Theorien mit möglichst hohe Sterblichkeit bei andauerned Bestrahlung.

    12 Stunden dieser Strahlung ausgesetzt sein: Legen Sie sich mal 12 Stunden an einem heißen Tag in die Sonne, da steigt bei vielen Menschen auch die Sterblichkeit.

    Es geht um die konkrete Bedrohung und besonders wenn man darüber allgemein spricht, um die Bedrohung der Menschen außerhalb des Gebietes (die Arbeiter dort müssen natürlich anders geschützt werden, so wie ein Feuerwehrmann nicht mit leicht enflammbaren Sachen einen Brand löschen sollte). Darüber klärt dieser Bericht hier auf, der von ihnen verlinkte aber nicht, der schürt nur Panik unter der Bevölkerung.

    Wenn Sie die Fakten, die im Artikel in der FR nicht erkennen wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen:

    Ein Faktum daraus: (Frage an den dort Interviewten Strahlenbiologen Lengfeld:

    "Wie ist das heute in der weißrussischen Stadt Gomel, wo Sie eine Klinik aufgebaut haben? Woran leiden die Menschen heute noch?"

    Die Strahlendosen der Allgemeinbevölkerung reichten von 20 bis 500 Millisievert. Schilddrüsenkrebs der unter 18-Jährigen war in den ersten 13 Jahren nach Tschernobyl um das 58-fache erhöht. Bei den Erwachsenen nahm bis heute der Schilddrüsenkrebs um das Fünf- bis Sechsfache zu. Auch bei anderen Krebsarten ist immer noch eine Erhöhung zu verzeichnen. Neben den Karzinomen kommt eine Vielzahl ernster anderer Erkrankungen dazu."

    Gomel liegt übrigens über 300 km von Tschernobyl entfernt.

    "Darüber klärt dieser Bericht hier auf, der von ihnen verlinkte aber nicht, der schürt nur Panik unter der Bevölkerung."

    Sie werden sicher verstehen, dass ich mir ein Bild über die Gefahrenlage aus verschiedenen Quellen mache. Mit Panik hat das gar nichts zu tun.

    Danke für die Referenzierung dieses Artikels.

    Ein Grund mehr keine Frankfurter Rundschau zu lesen.

    Ein rennomierter Strahlenbiologe....

    Ich war mal auf der Homepage der "Gesellschaft für Strahlenschutz e.V"

    Ziel und Zweck der Gesellschaft :
    "Die Gesellschaft für Strahlenschutz wurde 1990 gegründet, weil in den schon länger bestehenden Fachgesellschaften und Verbänden nach Überzeugung der Gründungsmitglieder die heute vorhandenen Erkenntnisse zum Strahlenrisiko und zum Strahlenschutz nicht ausreichend berücksichtigt und umgesetzt werden.

    Sie ist eine internationale Fachgesellschaft, die satzungsgemäß u.a. den Zweck verfolgt: "... den bestmöglichen Schutz des Menschen und der Umwelt vor den schädlichen Wirkungen ionisierender und nicht ionisierender Strahlung zu erreichen. Dazu muß der Umgang mit ionisierender und nichtionisierender Strahlung auf der Grundlage biologischer und medizinischer Erkenntnisse vertretbar sein."

    -zitat ende"

    Warum sollten Sie diesen Leuten mehr glauben als jemandem von der "Atomlobby"? Weil Ihre Intentionen so rein und edel sind?

    Im FR Artikel sind mir viele Aussgen etwas seltsam vorgekommen, wei sie sich nicht mit dem decken, was sie z.B zu Tschernobyl unter
    http://www.grs.de/content... finden

    MFG

  7. ich nehme an, dass Sie nicht vom Fach sind und keine fundierte Ausbildung in Strahlenschutz oder Strahlenbiologie genossen haben.
    Ansonsten hätten Sie den publizierten Angaben zur radioaktiven Kontamination entnehmen können, dass in einigen nicht evakuierten Gebieten um Fukushima die Strahlenbelastung so hoch ist, dass bei Exposition über ein paar Wochen hinweg sehr wohl eine signifikante Erhöhung des Risikos, an Krebs zu erkranken, zu erwarten ist.

    Ihre Aussage, die Gesundheitsgefahr sei beherrschbar, klingt in meinen Ohren daher äußerst zynisch, da ich sie nur in die Richtung interpretieren kann, dass man hochrechnen kann, wie viele Menschen frühzeitig an den Folgen radioaktiver Kontamination versterben werden.

    11 Leserempfehlungen
  8. Gerne hätte ich eine Quellenangabe für ihre Informationen. Die halte ich nämlich für nicht haltbar.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "PR für die Atomlobby"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Japan | Atmosphäre | Biologie | DNA | Erbgut | Gesundheitsrisiko
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