Ein Arzt spricht mit einer Patientin © Sean Gallup/Getty Images

DIE ZEIT: Hausärzte bilden sich über die medizinische Fachpresse fort. Spielt es für Patienten eine Rolle, welches dieser Blätter ihr Hausarzt liest?

Norbert Donner-Banzhoff: Das ist wohl so. Die Fachzeitschriften bewerten veröffentlichte Studien zu Medikamenten und geben Verordnungsempfehlungen. Ein Teil dieser Blätter ist hochglänzend und unterhaltsam aufgemacht. Sie kosten nichts und finanzieren sich durch Anzeigen der Pharmaindustrie. Die anderen sind nüchtern und nähren sich durch Abonnements, für die der Arzt zahlen muss.

ZEIT: Sie haben die Berichterstattung in elf Zeitschriften verglichen. Was haben Sie festgestellt?

Donner-Banzhoff: Wir haben untersucht, wie die redaktionellen Bewertungen für neue Medikamente aussehen, die unter Patentschutz stehen und von den Herstellern heftig beworben werden. Unser Ergebnis: Anzeigenfinanzierte Blätter beurteilten diese Medikamente im redaktionellen Teil ausschließlich positiv, während die von den Lesern finanzierten Blätter vorwiegend kritisch berichten. Beim Deutschen Ärzteblatt , das gemischt finanziert ist, hält es sich die Waage. Die wirtschaftliche Basis beeinflusst sowohl die Bewertungen, als auch Verschreibungsempfehlungen einer Fachzeitschrift.

ZEIT: Können Sie Beispiele nennen?

Donner-Banzhoff: Das gilt für alle Medikamentengruppen. Wir haben etwa Herz-Kreislauf-Mittel, Diabetika und Psychopharmaka daraufhin untersucht. Also Bereiche, in denen es Standardtherapien gibt, aber neue Medikamente den Anspruch erheben, eine Besserung zu erbringen.

ZEIT: Ist unseren Hausärzten der Unterschied zwischen den Zeitschriften nicht bewusst?

Donner-Banzhoff: Die Insider überrascht unser Ergebnis überhaupt nicht. Aber ich fürchte, dass vielen Medizinern diese Mechanismen nicht klar sind. Die Ärzte Zeitung etwa kommt recht offiziell daher. Sie gibt sich als Stimme der deutschen Ärzteschaft und hat sich in unserer Studie wegen der großen Zahl unkritischer Empfehlungen als besonders problematisch dargestellt.